Horta ganz in Weiß und eine Inselrundfahrt

Es gibt Busverkehr auf der Insel, allerdings nur wenige Verbindungen. Viele Busse fahren nur ein oder zweimal pro Tag, sonntags gar nicht. Mittags aber kann man mit dem Bus einmal um die Insel Faial fahren. Das hört sich lustig an. An der Haltestelle oberhalb von Hafen geht’s los. In zwei Stunden umrunden wir die Insel, bekommen einen schönen Eindruck, essen unterwegs unsere mitgebrachten Brote und steigen nach zwei Stunden ganz erholt in Horta wieder aus.

Letztes Wochenende war viel los in Horta. Das Highlight war die „Horta White Experience”. Auf verschiedene Bühnen gab es Livemusik für jeden Geschmack. Menschen aller Altersgruppen und praktisch alle Einwohner Hortas waren auf der Promenade unterwegs. Da durften wir natürlich nicht fehlen.
Ein Blick in unseren Kleiderschrank zeigte, dass der Dresscode für uns problematisch sein würde. Weiße Kleidungsstücke leben an Bord meist nicht lange, zumindest nicht in ihrer ursprünglichen Farbe. Bei mir fand sich lediglich ein ehemals weißes T-Shirt mit blauen Streifen und Snoopy, das schon seit geraumer Zeit auf dem Stapel „darf nur noch weit weg von Land oder bei Bootsarbeiten getragen werden“ liegt. Bei Nobbi sah es nicht besser aus. Also begannen wir den Abend mit einem kleinen Einkaufsbummel und investierten in weiße T-Shirts (mit Wal).
Wir hatten einen phantastischen Abend: gute Musik, fröhliche Stimmung und eine tolle Atmosphäre. Die aufwendige Dekoration, deren Aufbau wir während der letzten Tage beobachtet hatten, kommt mit dem bläulichen Licht und den weiß gekleideten Menschen erst richtig zur Geltung. Leuchtende Quallen, Tintenfische, Seesterne und bunte Rochen, lange Oktopus-Arme und sogar ein großer Wal sorgten für eine abgetauchte Stimmung. Am nächsten Tag beobachten wir, wie das Meeresgetier wieder in den Container gestapelt wird. Vielleicht erleben dieselben Quallen bald eine weitere White Experience auf einer anderen Insel.

Horta – ein berühmter Seglerhafen

Wir haben einen neuen Nachbarn, hinter dem nur noch unsere Mastspitze herausguckt.

Der Hafen von Horta ist schon lange ein beliebter Hafen bei Seglern. Viele Boote unterbrechen ihre Rückreise nach Europa hier, wenn sie aus der Karibik kommen, oder wie wir aus dem Süden. In unzähligen Segelbüchern kommt Horta vor und so kennt jeder Segler Peter Café Sport und die vielen Bilder auf der Hafenmole, ob er schon mal hier war oder nicht.
Café Sport ist bereits im 107. Jahr geöffnet. Einer der früheren Eigentümer wurde Peter genannt und das „Peter“ ist bis heute Namensbestandteil. Das Café mit Souvenirverkauf hat sich zu einem Imperium entwickelt. Restaurant, Café (Bar), Yachtservice, Museum, Verkauf von „Peter“-T-Shirts und Gin. Das Café hängt voller Flaggen von Booten und ist noch immer ist ein Seglertreffpunkt, da es direkt am Hafen liegt und Segler nun mal fußlahm sind. Vor allem aber trifft man hier deutsche Reisegruppen, das Café Sport scheint zu jeder Inseltour zu gehören. An schönen, sonnigen Abenden schmeckt der Gin Tonic auf der Terrasse mit Blick auf die Nachbarinsel Pico.
Die Hafenmolen zeugen von den vielen Yachten, die hier einen Stopp eingelegt haben. Es soll Glück für die weitere Reise bringen ein Bild mit dem Bootsnamen zu hinterlassen. Wer möchte schon leichtfertig auf ein Quäntchen Glück verzichten? Es macht Spaß nach besonders kreativen Ideen Ausschau zu halten und wir freuen uns immer wieder die Schriftzüge von Booten, die wir kennen, zu entdecken. Natürlich pinseln wir unser Marisol auf die Mauer. Die Farbdosen, die wir 2017 für den Schriftzug auf der Mole von Porto Santo gekauft haben, werden aus dem Farbschapp gekramt. Der weiße Hintergrund ist noch nicht trocken, als jemand seine Schuhabdrücke hinterlässt, also malen wir ein zweites Mal. Am nächsten Tag zieren wieder Fußabdrücke die weiße Fläche. Wir beschließen, dass es wohl keine Absicht war und versuchen unsere Baustelle besser zu kennzeichnen, so dass das Bild trocknen kann.
Bekannte kommen hochmotiviert zu ihrem vorbereiteten Spot und stellen fest, dass eine andere Crew ihren Bootsnamen auf den frischgemalten Hintergrund gesetzt hat. Eine merkwürdige Entschuldigung und eine wenig glaubhafte Geschichte mit viel Alkohol folgen. Sie fangen an einer anderen Stelle von vorne an. Auf der Mole, ganz in der Nähe unseres Liegeplatzes, sind die Nachbarn mit ihrem Logo gerade fertig geworden. Ein Zaun aus Wasserflaschen und Klebeband macht Spaziergänger darauf aufmerksam, dass die Farbe noch nicht getrocknet ist. Dann fährt ein Auto über eine der Lackdosen, die plattgedrückt wird und sich öffnet. Das Kunstwerk und die halbe Pier werden mit blauen Farbklecksen dekoriert. Bei der Anfertigung der Bilder sind also einige Hürden zunehmen.
Kaum bin ich mit unserem Bild fertig, kommen Freunde vorbei und beraten mich, wo ich die nächsten Jahreszahlen unterbringen kann. Es ist schon auffällig, dass es nicht wenige Crews gibt, die ein zweites Mal auf Langfahrt gehen. Neben manch einem Logo finden sich die Daten gleich mehrerer Weltumsegelungen oder dutzender Atlantiküberquerungen.

In der Nacht vom 2. auf den 3. Juli kommen die ersten Boote der Regatta Les Sables – Horta an. Wir entscheiden uns spontan auf die Mole zu gehen und zuzusehen wie die Rennyachten einlaufen. Die Schnellsten haben mit ihren Class40 vier Tage, vierzehn Stunden und zehn Minuten für die 1300 Seemeilen gebraucht. Am Dienstag beginnt das zweite Rennen, dann geht es zurück nach Frankreich.

Wir genießen es so viele nette Segler zu treffen. Eigentlich braucht man sich nichts vornehmen, wann immer man über die Pier läuft trifft man jemanden, der Zeit für einen Schnack hat, oder man lernt jemanden kennen. Mal sind wir zum Sundowner verabredet, mal bleiben wir irgendwo hängen oder wir bekommen spontan Kaffeebesuch. Ab und zu treffen wir überraschend Segler, mit denen wir nicht gerechnet haben. Natürlich gibt es viele Geschichten auszutauschen, haben wir uns doch zuletzt in Indonesien oder Namibia getroffen.
Wir sind gerne hier und werden auch noch einige Zeit bleiben, müssen wir doch auf unsere Bestellungen warten.

Unser Glücksbringer im Hafen von Horta.

Der, die und das Festi-Wal

Die Tage in Horta vergehen schnell. Uns gefällt es hier, aber es wäre natürlich schöner, wenn wir mit Absicht bleiben würden und nicht, weil wir nicht abfahren können. Inzwischen wurden immerhin Ersatzteile für unser Getriebe bestellt.
Übers Fronleichnam-Wochenende findet ein Festival (oder Festi-Wal?) mit Konzerten, Kleinkunst und ein paar Essensständen statt. Uns gefällt die entspannte Stimmung. Kinder können in einer Badewanne schaukeln oder das Karussell aus Bambusstangen testen. Es wird getanzt, getrommelt und Seifenblasen fliegen über den Hafen. Jeden Tag kennen wir mehr Leute im Hafen und so treffen wir auch auf dem Fest lauter alte und neue Bekannte.


Im Hafen ist ein Anbieter für Whale-Watching neben dem anderen. Manchmal hören wir uns nachmittags die Nachbesprechung an und sind beeindruckt. Wir wollen auch Wale gucken. Bei schönstem Wetter geht’s mit einem äußerst flotten Schlauchboot aufs Wasser. Nördlich von Faial sollen die Wale heute sein. Und tatsächlich, schon bald sehen wir den ersten Pottwal. Ein Wissenschaftler füttert uns mit Informationen und hat auch ein Hydrophon dabei, so dass wir die Klick-Laute der Pottwale hören können. Das viele Klicken verrät, dass mehrere Tiere unter uns tauchen. Tatsächlich tauchen immer wieder Wale auf, die wir dann einige Zeit beobachten können, bevor sie, mit dem beeindruckenden Heben der Fluke, wieder abtauchen. Sie tauchen einen Kilometer tief, jagen Tintenfische und kommen erst nach einer Dreiviertelstunde wieder an die Oberfläche. Auf dem Rückweg machen wir noch einen kleinen Umweg, um eine Gruppe von 40 bis 50 Großen Tümmlern zu besuchen. Die Delfine springen, kommen neugierig näher, sind dann aber doch sehr mit sich beschäftigt. Unterwegs sammeln wir einen toten Vogel und ein angebissenen Trompetenfisch ein. Beide sind für die Forschung interessant, mittels DNA- Untersuchung kann man feststellen von wo die Tiere hier eingewandert sind. Der Ausflug hat sich gelohnt, wir hätten nicht gedacht, dass wir so viele Wale aus der Nähe sehen!

Ein wenig spontan haben wir unseren Wassermacher an einen Segler im Mittelmeer verkauft. Merkwürdig fühlt es sich schon an, der schrittweise Abschied vom Blauwasserleben. Der Ausbau der Komponenten des Wassermachers gestaltet sich ein wenig aufwendiger als gedacht. Dinge einzubauen macht auf jeden Fall mehr Spaß als Ausbauen. Wir sammeln möglichst stabile Kartons, bauen Abstandhalter und Schutzpolster. Im Supermarkt kaufen wir eine große Plastikkiste, weil wir befürchten, dass ein normaler Karton dem Gewicht der Hochdruckpumpe nicht gewachsen ist. Bis alles verpackt ist, schieben wir ein bisschen hin und her, packen zur Probe und wiegen. Am Ende sind die Pakete trotzdem erschreckend schwer. Wir haben unterschätzt wie schwer das Verpackungsmaterial ist, unsere Pakete wiegen 30 kg und 20 kg. Mit zwei Sackkarren bringen wir sie zur Post. Natürlich regnet es. Eine Plane und eine Plastiktischdecke, die sonst als Lackierunterlage dient, schützen die wertvolle Fracht. Bei der Post ist es gar nicht so voll, trotzdem warten wir über eine Stunde. Der Mitarbeiter ist ausgesprochen nett und hilfsbereit. Zufällig waren wir gerade beim Geldautomaten, dort können wir gleich wieder vorbeischauen, wir müssen bar zahlen! Nun hoffen wir, dass die Pakete heil ihr Ziel erreichen und die neuen Besitzer viel Freude am Wassermacher haben.

Ein kleiner Morgenspaziergang wird spontan verlängert und führt uns auf den Monte Guia. Von hier hat man einen schönen Ausblick auf Horta, auf Porto Pim, den Stadtstrand, und auf die Caldeira do Inferno. Der Weg ist schön, wir sehen und hören viele Vögel und sind beindruckt vom glasklaren Wasser tief unter uns.

Unsere Nachbarn sind aufgebrochen. Nun liegen wir nicht mehr im Päckchen, sondern direkt an der Mauer. Dank Fender-Brett und langen Leinen liegen wir nun wunderbar ruhig. Das Ganze hat allerdings einen kleinen Haken, die Pier ist ein bisschen zu hoch für uns. Bei Niedrigwasser kommen wir kaum an Land. Als die Pier trocken war ging es noch, jetzt regnet es und man möchte sich noch weniger gerne auf den Boden setzen oder knien.
Also haben wir im Hafenbüro nach einem anderen Platz gefragt. Jeden Tag bekommen wir eine andere Info. „Wir können euch an diesen Platz legen, kommt morgen vorbei, dann schleppen wir euch dorthin“. Am nächsten Tag liegt da ein anderes Boot. Ups. Man hat uns vergessen. „Ich kann euch diesen Platz geben, heute ist Feiertag, meldet euch morgen früh“. Leider schüttelt der Kollege am nächsten Morgen den Kopf, der Platz ist anderweitig verplant. Aber er hat eine Idee: „Die fahren morgen weg, dann schleppen wir euch hier hin. Das ist nicht optimal, aber ihr habt Strom, Wasser und kommt besser an Land“. Am nächsten Morgen sprechen wir mit dem Kollegen. „Marisol! Ja, ich weiß, ihr bekommt den Platz. Ich rufe euch an!“ Nur fährt das andere Schiff dann irgendwie doch nicht ab. Inzwischen haben wir viele Kilometer zwischen Boot und Büro zurückgelegt und kennen alle Mitarbeiter. Einen Tag später als gedacht ist der Platz frei und wir könnten umziehen, oder? Beim morgendlichen Gang zum Hafenbüro lernen wir, gerade jetzt kann uns niemand schleppen, wir sollen warten. Am Nachmittag fragen wir nach und erfahren, heute geht’s nicht mehr, aber morgen früh um neun ganz bestimmt.
Heute Morgen sind wir tatsächlich umgezogen. Nun haben wir Strom und Wasser, das Klettern an Bord fällt weniger sportlich aus und wir können unseren Tagesablauf wieder frei planen und gestalten.

Überfahrt zu den Azoren

Den Samstag (24. Mai) haben wir als Abfahrtstag gewählt. Beim Bäcker kaufen wir frisches Brot und investieren unser letztes Bargeld in Kaffee und Kuchen. Während wir in unserem Kaffee rühren und das quirlige Leben um uns beobachten beschließen wir die Abfahrt zu verschieben. Wir verlegen das Boot von der Marina an den Ankerplatz und gönnen uns einen gemütlichen Nachmittag. Ganz in Ruhe bereiten wir die Abfahrt vor, räumen auf und kochen.
Sonntagmorgen fühlen wir uns bereit. Bei Sonnenaufgang stehen wir auf. In der Düse zwischen São Vicente und Santo Antão weht es schon wieder und wir entschließen uns deshalb südlich um Santo Antão herumzusegeln. Vor uns liegen mindestens 1300 Meilen hart am Wind, da erscheint es uns nicht sinnvoll Crew und Boot bereits in den ersten Stunden zu quälen. Schnell geht es über den Kanal zwischen den Inseln, erst im Windschatten von Santo Antão werden wir ausgebremst. Wir motoren ein paar Meilen und nutzen die Chance den Wassermacher laufen zu lassen, kaum ist der Tank voll, ist der Wind wieder da. Das ging besser als erwartet.
Nun segeln wir auf Nordwestkurs und tatsächlich soll es tagelang so weiter gehen. Zu Beginn sind die Wellen noch recht hoch und es ist etwas ungemütlich. Am Abend des zweiten Tages nimmt der Wind etwas zu. Eine Welle läuft übers Deck, steigt über die Sprayhood und schafft es Nobbi, der im Niedergang saß, komplett zu duschen. Das gab es noch nie.
An Tag drei stellen wir fest, dass unser Schiff nicht ganz dicht ist. Am vorderen Backbordpütting und am Babystag kommt Wasser herein. Nur Tröpfenweise, trotzdem zu viel für unseren Geschmack. Wundern tun wir uns nicht, hart am Wind steht das Deck permanent unter Wasser, jede zweite Welle schafft es an Deck. Wir könnten abfallen und trockener segeln, nur leider nicht in Richtung Azoren, also genießen wir weiterhin das Waschmaschinen-Flair. Ich bastele ein Dochtsystem, damit das Wasser nicht irgendwo verschwindet sondern von Putzlappen aufgesaugt wird und wir decken unsere Matratzen im Vorschiff ab damit sie kein Salzwasser aufsaugen.
Am nächsten Tag nimmt die Wellenhöhe etwas ab und es wird langsam gemütlicher. Wir fühlen uns in der Lage Wetterdaten aufzunehmen, dabei geht unser Schleuderthermometer kaputt. Das ist besonders ärgerlich, weil Nobbi es gerade repariert hatte. Es folgt eine Reparatur mit Bordmitteln.
An meinem Geburtstag, Tag fünf der Überfahrt, habe ich Migräne und die Feierlichkeiten fallen aus. Einziges Highlight ist die Schwalbe, die durchs Boot fliegt. Nobbi setzt sie ins Cockpit und lädt sie zu einer Nacht im Schwalbennest ein, doch die fliegt davon. Noch stundenlang macht er sich Gedanken, ob sie nun die Nacht übersteht.
Am nächsten Tag geht’s mir wieder besser und wir genießen einen sonnigen schönen Segeltag. Perfekt wäre der Tag, wenn wir mit direkten Kurs auf die Azoren unterwegs wären, doch was ist schon perfekt? Wir segeln noch immer nach Nordwesten, also in Richtung Neufundland. Die Azoren liegen genau nördlich von uns. Beim Sundowner lassen wir normalerweise den Tag Revue passieren und schmieden Pläne. Heute fällt der Sundowner wehmütig und traurig aus. Wir denken an eine Freundin, die vor ein paar Tagen ihre letzte Reise angetreten hat, heute haben wir von ihrem Tod erfahren.
Wir kommen gut voran, die Etmale (gesegelte Strecke von Mittag bis Mittag) liegen bei 110 bis 120 Seemeilen und am siebten Tag (31. Mai) überfahren wir den 27. Breitengrad. Damit haben wir die Hälfte der Nord-Süd-Distanz geschafft. Wir sind auf 17 Grad Nord losgefahren und die Azoren liegen etwa auf 37 Grad Nord. Wieder ein Grund zu feiern.
Als Nobbi mittags den Blick über Deck schleifen lässt, fällt ihm auf, dass irgendetwas an Deck liegt. Ein Unterwant. Der Toggel, der Haken, mit dem es im Mast eingehakt war, ist gebrochen. Auf der Leeseite, also der windabgewandten, nicht belasteten Seite. Höchst merkwürdig und beunruhigend. So ein brechendes Want kann, bei entsprechenden Bedingungen, zum Mastverlust führen und das gehört definitiv zu den Erfahrungen, die wir nicht selber machen möchten.
Wir haben Ersatz an Bord, ganz hinten im Kleiderschrank. Zum Glück ist das Wetter heute ruhig, die Wellen eher niedrig und der Wind sehr moderat. Nobbi geht in den Mast, pfriemelt den Rest vom alten Want heraus und hängt das neue ein. Das ist schnell gemacht, deutlich länger dauert es alles wieder einzuräumen.
An den beiden folgenden Tagen sind wir sehr froh, dass wir das Want so unkompliziert tauschen konnten. Es ist windiger, der Seegang nimmt wieder zu, die Waschmaschinen-Gefühle sind zurück.
Danach folgend wieder schönere Tage mit Hefekuchen und Duschvergnügen. Das Atlantikwasser ist nun wieder so frisch, dass man kurz Luft schnappt, wenn man sich den Eimer Wasser über den Kopf gießt.
Als wir den Wetterbericht abfragen, erleben wir eine schöne Überraschung. Wir sind als Vorhersagepunkt in der App zu sehen! Marisol als Wetterschiff. Unsere gemeldeten Wetterdaten, werden also tatsächlich gleich eingespeist. Nun sind wir noch motivierten möglichst präzise Angaben zu machen.
Der Wind dreht, es schauert, es wird flau, dann kommen ein paar Böen, der Wind dreht wieder zurück. Das ist ein bisschen anstrengend, dafür wird Mari langsam sauberer. Vormittags lösen sich die Wolken meistens auf. Leider segeln wir immer noch sehr stabil nach Nordwest, könnte der Wind nicht dauerhaft drehen? Ostwind wäre super.
An Tag dreizehn sehen wir Monteiro Sturmschwalben, diese Vögel kommen nur auf den Azoren vor. Wir kommen unserem Ziel also langsam näher. Grund genug zu wenden. Nicht, dass wir an den Azoren vorbeisegeln. Es läuft besser als gedacht. Wir können nach Osten segeln, manchmal sogar nach Nordost.
Als wir am nächsten Tag mit unserem Guten-Morgen-Kaffee im Cockpit sitzen, sehen wir Orcas. Vier große Tiere ziehen vorbei. Mit Orcas ist es wie mit einem Condor, man fragt sich manchmal: war das jetzt einer? Bis man einen sieht. Die langen schwarzen Rückenflossen schließen jeden Zweifel aus. An der europäischen Atlantikküste kommt es immer wieder zu Angriffen von Orcas auf Boote, etwas was man nicht erleben möchte. Trotzdem ist es natürlich toll diese eleganten Tiere in freier Wildbahn erleben zu dürfen. Sie schwimmen eine Weile parallel, interessieren sich aber nicht für uns, dann drehen sie ab. In den nächsten Tagen dürfen wir sie noch zweimal sehen, zu nahe kommen sie uns aber nicht. Auch Delfine kommen zu Besuch, sie kommen ganz dicht ans Boot, einer legt sogar seine Nase an unser Hydrovane-Ruder. Sie schwimmen mit dem Bauch oben unterm Heck, als ob sie uns ansehen wollen und spielen dann mit der Bugwelle. Umso näher wir den Inseln kommen, umso häufiger sehen wir nun Delfine.
Nur noch 150 Meilen sind es bis Horta auf Faial, als wir an Tag 17 beschließen ein paar Meilen zu motoren und den Wassermacher laufenzulassen. Irgendwann merke ich, dass wir immer langsamer werden. Um die Geschichte abzukürzen, unser Getriebe ist wieder kaputt. Wir hatten gehofft, dass uns die Reparatur aus Südafrika bis nach Europa bringen würde, wobei wir dabei eigentlich ans europäische Festland gedacht haben, aber die Azoren gehören ja auch zu Europa.
Wir rechnen ein bisschen, welchen Hafen wir mit dem angesagten Wind erreichen können und überlegen kurz, ob wir lieber Ponta Delgada auf São Miguel anlaufen sollten. Der Wetterbericht ist eindeutig. Wir bekommen Westwind mit dem wir super bis Horta segeln können, für die etwas weitere Strecke nach Ponta Delgada reicht er nicht.
Am nächsten Morgen gewinne ich ein Ü-Ei, weil ich die Insel als Erste sehe. Genau genommen sind es zwei Inseln, Faial und Pico und so handle ich Nobbi auf zwei Ü-Eier hoch, später akzeptiere ich Schokolade als Ersatz. Viele kleine Delfine begleiten uns fast eine Stunde bei Sonnenaufgang und wir sehen zwei sehr große Wale, die leider nicht auf Fotodistanz ans Boot kommen möchten.
Der Wind meint es gut mit uns, wir können tatsächlich bis hinter die Mole segeln. Das ist hier nicht selbstverständlich, oft ist hier gar kein oder nur sehr wenig Wind. Wir hatten zuvor die Marina kontaktiert und gefragt, ob wir in den Hafen geschleppt werden können. Mit Hilfe unserer schwedischen Freunde, die für uns ins Hafenbüro gelaufen sind und nachgefragt haben, klappte es mit der Kommunikation ganz gut. Freunde von Freunden sind auf Stand-by, falls wir Hilfe brauchen. Als wir die große Hafenmole runden, können wir das Boot, das uns schleppen soll nicht entdecken. Also lassen wir den Anker fallen. Der Ankerplatz ist sehr voll, kein guter Ort, um ein bisschen hin- und her zu segeln. Schließlich klappt es doch noch, wir werden die letzten paar Meter durchs Ankerfeld an die Mole geschleppt und längsseits an einer anderen Yacht vertäut, die ebenfalls Probleme mit ihren Motor hat.

1780 Seemeilen in 18 Tagen, alles hoch am Wind – insgesamt eine gute Überfahrt. Nur am Ende war es unnötig spannend. Vor der Etappe haben wir häufig gehört, dass wir für diese Strecke sehr viel Diesel brauchen werden. Doch unsere Dieseltanks sind voll, wir brauchten nur ein paar Liter um aus dem Windschatten Santo Antãos herauszukommen und als wir gerne motort wären (die letzte Meile), wollte der Motor bzw. das Getriebe nicht.

Seit unserer Ankunft vor einer Woche (am 12. Juni) sind wir damit beschäftigt eine Reparaturmöglichkeit für unser Getriebe zu finden, Ersatzteile zu ordern, das Vorsegel zu reparieren und genießen das Hafenleben in Horta. Die kleine Stadt gefällt uns gut und die grüne Insel Faial finden wir sehr schön, auch wenn wir noch gar nicht viel gesehen haben.

Abreise aus Mindelo

Wir könnten problemlos noch hier bleiben. Im Café könnten wir eine Pause einlegen und Pasteis de Nata zum Milchkaffee essen, unseren Lieblingsgemüsestand am afrikanischen Markt besuchen, abends beim Zumba zuschauen oder gar mitmachen, einen Spaziergang machen und weitere kleine Bootsarbeiten in Angriff nehmen. Morabeza, die entspannte „No Stress“ Lebenshaltung liegt uns. Nicht nur die Kapverdier, auch die Katze und Hunde haben diese Haltung verinnerlicht. Ein Hund liegt auf dem Gehweg, den Kopf im Schatten unter einem parkenden Auto. Die Hunde auf der Straße beschleunigen ihre Schritte nur leicht, wenn ein Auto kommt. Auf dem Fischmarkt schlafen Hunde und Katzen nebeneinander. No Stress, genug Futter für alle.
Doch wir sind bereit für die nächste lange Überfahrt. Die Etappe zu den Azoren ist vermutlich die letzte richtig lange Etappe auf unserer Reise. Auf direkten weg sind es 1300 Meilen. Wir gehen jedoch nicht davon aus, dass es dabei bleiben wird. Zu Beginn werden wir vermutlich weiter westlich fahren als uns lieb ist und irgendwann treffen wir dann auf das Azorenhoch, in dessen Zentrum gar kein Wind zu erwarten ist. Falls sich überraschend die Möglichkeit bietet zu den Kanaren zu segeln, werden wir das Angebot annehmen.
Unsere kleineren und größeren Jobs sind abgeschlossen. Teile des Fußbodens haben wir lackiert, da es einige Schäden auszubessern galt. Nun könnte man auf die Idee kommen auch den übrigen Fußboden aufzuhübschen…
Der Fischmarkt ist morgens immer gut besucht. Es ist sehr sauber und appetitlich, im Angebot sind unter anderen Thunfisch, Tintenfische und Doktorfische, Hunde und Katzen kümmern sich um die Reste. Wir entdecken Teile eines riesigen Fischs und kommen mit einem Mann ins Gespräch. Er kennt sich aus und kann unsere Fragen beantworten. Dieser Marlin wurde mit einer Leine gefangen, er zeigt uns wie dick diese Angelschnüre sind. Hunderte von Kilo hat der große Fisch gewogen. Guten Gewissens kann man diesen selten gewordenen Jäger ebenso wenig essen wie Thunfisch. Auf den Marlin haben es auch die Sportfischer mit ihren Luxusyachten abgesehen. Der alte Mann und das Meer – und so. Wer fängt den größten Marlin. Wir lernen, dass sie ihren Fang allerdings wieder freilassen. Vielleicht fangen sie also alle das gleiche Exemplar?
Gestern haben wir ausklariert, ganz schnell, unkompliziert und kostenlos, und heute geht’s los. Wir rechnen mit etwa drei Wochen auf See.

Beim Sortieren der Bilder haben wir noch einige Schätze gefunden, die wir euch nicht vorenthalten möchten. Besonders stolz sind wir auf das Gruppenbild mit Marisol, Nobbi und dem Walhai. Die kleinen Filme geben einen kleinen Einblick in die Gemütlichkeit des Ankerplatzes auf St. Helena und das kleine Taxiboat.

Dieser nette Walhai besucht uns am Ankerplatz!
Walhai, Marisol und Nobbi!
Ein kleiner EIndruck des „gemütlichen“ Ankerplatzes vor Jamestown, St. Helena.
Das Taxiboot kommt um uns abzuholen.

Ein Ausflug zur Nachbarinsel Santo Antão

Santo Antão gilt als die grüne Insel und Gemüsegarten der kapverdischen Inseln. Außerdem hat sie den Ruf die „Wander-Insel“ zu sein, die besonders bei Franzosen und Deutschen beliebt ist.
Der Wecker klingelt um fünf, da ist es noch dunkel. Um halb sieben öffnet sich das Tor zum Fähranleger. Unsere Fähre legt um sieben ab, wir trinken einen Kaffee an Deck und genießen die Überfahrt.
In Porto Novo, der kleinen Stadt in der die Fähre anlegt, findet sich unsere kleine Gruppe zusammen. Vier Touris und unser Guide. Das Highlight der Tour ist die wunderschöne, kaum befahrene Pflasterstraße, die quer über die Insel und durch die Berge nach Ribeira Grande auf der Westseite führt. Wir halten immer wieder an, unsere Guide erzählt bereitwillig über die Insel, sein eigenes Leben und die Probleme hier. Ab und zu machen wir einen kleinen Abstecher, schauen in ein Tal, trinken einen Kaffee oder laufen ein paar Schritte.
Die Insel ist wirklich sehr schön und in den Bergen ist es unglaublich still. Am liebsten würden wir gleich loswandern. Doch sowohl unser Zeitplan als auch unsere Knie raten ab. Was uns nachhaltig beschäftigt ist die Trockenheit und der Wegzug der Bewohner. In den letzten Jahren haben viele Bewohner die Insel verlassen. Die Zahlen gehen etwas auseinander. In den letzten fünfzehn Jahren hat die Zahl der Bewohner von 50.000 auf 37.000 abgenommen. Die jungen Menschen ziehen auf andere Inseln oder ins Ausland. Die grüne Insel ist sehr braun und trocken. Die Regenzeit beginnt erst in den nächsten Monaten und es gab einige sehr trockene Jahre. Viele Terrassen werden nicht mehr bewirtschaftet, sie liegen braun und karg brach. Vermutlich trägt das zu einer Verschlechterung des Mikroklimas bei.
Ein Teil unseres Weges führt mitten durch die Wolken, die sich etwas lichten, als wir dichter an die Westküste kommen. Wir fahren tief in ein Tal hinein, laufen ein Stück und sehen uns die Plantagen an. Hauptsächlich werden Bananen und Zuckerrohr angebaut. Das meiste Zuckerrohr wird zu Grogue, einem Schnaps, weiterverarbeitet. Nachmittags besuchen wir eine Destillerie und probieren ziemlich fuseliges Zeug. Der Grogue, den Nobbi in einem kleinen Supermarkt in Mindelo zum Probieren bekam ist viel besser.
An der Küste besuchen wir die Orte Ponta do Sol und Ribeira Grande, das Mittagessen ist ausgesprochen gut und die Rückfahrt über die Küstenstraße bietet wieder tolle Ausblicke.
Inzwischen ist es recht windig geworden, auf der Nachmittagsfähre werden Kotztüten verteilt und auf dem großen Deck wird man von Salzwasser-Sprüh durchfeuchtet. Wir finden eine Bank direkt hinter der Brücke, bleiben trocken und fotografieren die Fischer, die sich in ihren offenen Booten in die hohen Wellen trauen.
Den gelungenen Tag lassen wir mit einem Drink an der Floating Bar ausklingen. Der Ausflug hat sich gelohnt, Santo Antão ist sehr schön. Uns lässt es nicht los, dass die grüne Insel so trocken ist und der Großteil der Terrassen brach liegt, in einem recht armen Land, dass zwischen 80 und 90 % seiner Nahrungsmittel importieren muss.

São Vicente – eine Inselrundfahrt

São Vicentes Berge erheben sich karg um die große Bucht an der Mindelo liegt. Außer Mindelo kennen wir noch nichts von der Insel. Die Insel soll wenig zu bieten haben. Das gilt es zu überprüfen.
Wir sind mit Stenio verabredet, der mit uns eine Tour über die Insel macht. Der junge Mann spricht gut Englisch, hat sichtlich Freude uns seine Insel zu zeigen und begeistert sich für traditionelle kapverdische Musik.
Zunächst fahren wir auf den Monte Verde. Auf den höchsten Berg der Insel führt eine schöne schmale Kopfsteinpflaster-Straße. Vom 750m hohen Gipfel hat man einen schönen Ausblick auf Mindelo, sieht die Nachbarinseln São Antao, São Luzia und sogar São Nicolau und kann sich die Orte und Buchten, die wir im Laufe unserer Tour besuchen werden, schon mal von oben ansehen. Am Berg überwiegen Braun- und Grautöne. Der grüne Berg ist nicht nur auf Grund der Trockenheit so verdorrt, die Ziegen, die wir überall treffen, fressen alle Vegetation ab.
Als nächstes fahren wir durch den kleinen Fischerort Salamansa und besuchen den Strand. Im Sommer kann man hier Schildkröten bei der Eiablage antreffen, und auch jetzt sehen wir einige Tiere in der Bucht. Die Häuser des kleinen Ortes sind bunt, er wirkt jedoch viel ärmer als der nächste Ort, den wir besuchen. Baía das Gatas ist ein Ferienort, hier gibt es viele schicke Ferienhäuser. Die Häuser hier haben eigene Wassertanks, die der Tankwagen befüllt, während die meisten Häuser in Salamansa auf die öffentliche Wasserstelle angewiesen sind, wo die Bewohner ihre Flaschen und Kanister füllen. Die Bucht in Baía das Gatas bildet natürliche Pools. Der Ozeanschwell bricht sich auf den Felsen und man kann dahinter im ruhigen, klaren Wasser baden. An der Nordküste der Insel bilden schwarze Felsen und weiße Dünen schöne Kontraste. Der vulkanische Ursprung der Insel ist überall sichtbar. Nahe Calhau sehen wir zwei besonders hübsche Vulkankegel. Hier in Calhau liegen, wie auch in den anderen Orten, die bunten Fischerboote am Strand und die Badestellen sind gut frequentiert.
Im Inselinneren ist es ein klein wenig grün. Irgendwo werden hier Schweine und Hühner gehalten, man riecht es und es macht mir genauso wenig Appetit, wie der Anblick der Shrimps-Zucht im Norden der Insel.
Die Inseltour hat uns viel Spaß gemacht. Der Eindruck, dass es jenseits von Mindelo nicht viel zu sehen gibt, ist nicht ganz falsch. Für uns hat die „Leere“ jedoch auch ihren Reiz und wir haben kleine Eindrücke in das Leben auf der Insel bekommen, auch durch unseren netten Guide.

Bordleben in Mindelo

Mindelo ist die zweitgrößte Stadt der Kapverden und hat (mit den angrenzenden Vororten) etwa 80.000 Einwohner. Wir fühlen uns wohl in der lebendigen, bunten, kleinen Stadt. Es herrscht eine entspannte und freundliche Stimmung.
Seit unserem letzten Besuch 2017 hat sich einiges verändert, es gibt paar neue Häuser und der Hafen wurde vergrößert. Der größte Unterschied für uns ist, dass es so leer ist. Cabo Verde wird vor allem von Seglern auf dem Weg von Europa in die Karibik angelaufen. Die Hauptsaison ist im Herbst und Winter. Nun sind Ankerplatz und Marina recht leer. In der Floating Bar ist es trotzdem immer voll und einige Segler sind auch unterwegs, so dass wir nette Leute treffen.
Häuser und Straßen scheinen weitgehend in recht gutem Zustand zu sein und es wird viel gebaut. Arbeit ist das Problem. Nicht mal zwei Wochen sind wir hier und haben schon in viele Gesprächen gehört, dass es keine Arbeit gibt. Junge Leute zieht es ins Ausland, besonders nach Portugal. Auf die knapp 600.000 Einwohner (die Angaben variieren überraschend stark), kommen je nach Quelle 700.000 bis 1 Mio. Kapverdier die im Ausland leben. Das Geld, das die im Ausland lebenden Menschen ihren Familien schicken macht ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts aus.
Von unserem Liegeplatz haben wir einen guten Blick über die Bucht und sehen, dass viele interessante Schiffe in Mindelo einen Stopp einlegen. Der Hafen wird von kleinen topmodernen Containerschiffen und von alten Frachtern angelaufen. Ich freue mich besonders, das „mein“ kleiner blauer Frachter „Conceicão Maria“, den ich vor sieben Jahren mit einem Pferd an Deck in Sal gesehen habe, noch immer in Betrieb ist. Ein Großsegler legt einen Stopp ein und luxuriöse Sportfischer, die Marlins fangen wollen, bleiben für einige Wochen in der Marina. Große Tanker werden im Süden der Bucht verankert, sie bringen Treibstoff.
Viele Schiffe legen nur für einen Tankstopp in Mindelo ein, fast die Hälfte der Exporteinnahmen soll aus dem Treibstoffverkauf an Schiffe und Flugzeuge (auf Sal) stammen. Und so stoppen fast jeden Tag interessante Schiffe für einige Stunden in der Bucht: Luxusyachten im James Bond Stil, ein nagelneues Hybridschiff, Forschungsschiffe, ein tauchbarer Spezialtransporter oder ein Schiff mit Windgeneratorflügeln an Deck, aber auch ganz normale Tanker (ja, auch Tanker müssen tanken!) und große Bulkcarrier. Wir haben das Fernglas immer griffbereit.

Im Hintergrund der „Berg mit dem Gesicht“. Tipp. Der Mann liegt auf dem Rücken und schaut in den Himmel.
Blick auf die fast leere Marina.

Neben dem Ausschlafen stehen kleine Erledigungen auf dem Programm. Hier gibt’s was zu kleben, dort ein Gummiband zu ersetzen. Mit Oxalsäure entfernen wir wenigstens einige Rostflecken, der lange schwarze Streifen, den das Taxiboot von St. Helena auf unserem Rumpf hinterlassen hat lässt sich leicht wegrubbeln. Ein paar Druckknöpfe wollen angenäht werden, an Nobbis Nachwachen-Pullover sind mehrere Nähte aufgegangen, der Wolljacke fehlt der Aufhänger und die Lieblings-Einkaufstasche hat einen Henkel verloren.
Nach mehreren Putz-Schnorcheltauchgängen ist das Unterwasserschiff wieder recht sauber, da werden wir kurz vor der Abfahrt noch einmal nacharbeiten. Die Nähte am Bimini zu flicken war einfach, das Nähen der Sprayhood ungemütlich und das Ergebnis ist nur mäßig befriedigend. Die Sprayhood reißt an der Vorderkante. Eigentlich müssten wir sie abbauen, haben aber Angst, dass sie dann an weiteren Stellen kaputt geht. Also nähen wir einen Flicken auf die kaputte Stelle. Nobbi sitzt an Deck, ich nähe über Kopf aus dem Niedergang. Wir hatten gedacht, wir könnten ein Hörbuch hören, während wir arbeiten. Bei sechs Windstärken sind wir froh, wenn wir einander verstehen. Besonders schön ist die Reparatur nicht geworden. Gerne würden wir die Naht mit einem Tape schützen, aber keins der getesteten Klebestreifen hält. Das alte Problem.
Manche Jobs sind schnell erledigt. Der Motor bekommt seinen verdienten Ölwechsel. Angenehmer Nebeneffekt: der Ölkanister, der leider nicht dicht war, verschwindet aus der Bilge. Über das Öl in der Bilge, das sich bei Schräglage ganz wunderbar verteilt hatte, hatten wir uns schon vor Wochen gefreut. Wir putzen mal wieder die Bilge. Das ist inzwischen einfacher geworden, weil wir die dort lagernden Getränke ausgetrunken haben.
Der Traveller, dort ist die Großschot angeschlagen, wurde überholt. Einige Schrauben hatten Anstalten gemacht einige Wege zu gehen.
Marisol ist auch wieder ein wenig leichter geworden. 30 Meter unserer Ankerkette haben wir abgesägt (66kg Gewichtsersparnis!!) und noch bevor wir überlegen konnten was wir mit diesem Rest machen, hatte dieser einen neuen Besitzer gefunden. Wir haben beschlossen, dass die nächsten Ankerplätze weniger tief sein werden und uns 70 Meter Kette ausreichen müssen.
Nahe des Hafens ist nicht nur der Markt, sondern sind auch mehrere Supermärkte, hier füllen wir unsere Vorräte auf. Die Gasflasche zu füllen gestaltet sich als denkbar einfach und ausgesprochen günstig, die Dieselvorräte stocken wir an der Wassertankstelle in der Marina auf und Elisabeth holt die Wäsche ab und bringt sie schon bald trocken und duftend zurück. Den Kleinkram und alles, was nicht in den Trockner möchte, waschen wir mit der Hand, dank der trocknen Luft kann es in den Schrank, kaum dass es auf der Leine hängt.

Ganz wichtig ist das Touri-Programm zwischendurch. Wir besuchen das kleine maritime Museum im Torre Belem. Im Nachbau des Lissabonner Turms gibt es einige Exponate von Wracks zusehen. Die kleine Ausstellung ist gepflegt und zweisprachig. Noch besser gefallen uns die Fotoausstellung mit Fotos vom Fischmarkt und der tolle Ausblick über die Bucht und die Stadt.
Das CNAD, das Kunst- und Designmuseum, zieht uns mit seiner tollen Fassade an. Hinter einem alten Gebäude steht ein Neubau mit einer ganz tollen Fassade aus bunten Ölfassdeckeln. Mir gefällt besonders die Fischausstellung, aus gefärbten Fischhäuten wurden ganz verschiedene Fische, Handtaschen, Schuhe, Schmuck und weitere Gegenstände gefertigt. Das Café des Museums ist übrigens auch sehr zu empfehlen, hier gibt es auch den extrem leckeren Kaffee von Fogo (einer der südlichen Inseln).

Nobbi muss dringend zum Frisör. In der Marina hatten wir uns schon einen Stromkasten ausgeguckt auf dem er sitzen könnte, während ich ihn frisiere. Dann kommen wir auf einer Runde durch die Stadt an einem Frisör vorbei und Nobbi lässt sich kurz entschlossen die Haare schneiden. Es lässt sich nicht anders sagen, das war eine Katastrophe. Der schlechteste Haarschnitt der Reise. Das hätte ich nicht schlechter gekonnt.
Eine Fischvergiftung, eine doofe Magen-Darm-Geschichte und Fieber haben uns aufgestoppt. Erst bin ich ausgefallen, dann war Nobbi außer Betrieb. Es gab ein kleines Déjà-vu von 2017, da war ich auch immer wieder krank. Mein Magen scheint nur begrenzt Cabo Verde tauglich zu sein.
Jetzt sind wir beide wieder fit und bereit für neue Abenteuer (kleine Abenteuer bitte, keine zu großen!).

Immerhin hat Nobbi nicht die gleiche Frisur bekommen wie sein Nachbar!
Der Stadtstrand Mindelos ist ausgesprochen schön.

Ascensions Schildkröten

Die Ursache für den unordentlichen Strand ist schnell gefunden!
Vom Ankerplatz aus können wir jeden Morgen beobachten, wie die letzten Schildkröten ins Wasser zurückkehren.
So sehen Ascensions Strände aus: durchlöchert!
Die Krater, die die Schildkröten graben, sind tief.
Wir wollen uns das Schauspiel aus der Nähe ansehen und fahren bei Sonnenaufgang an Land.
Die Schildkröten lassen sich von uns nicht stören. Man soll nur darauf achten, dass man nie vor ihnen steht.
So entstehen die charakteristischen Spuren.
Die Schildkröten kommen im Dunkeln an den Strand und graben ein tiefes Loch, in das sie die Eier ablegen.
Hinterher müssen die Eier mit Sand bedeckt werden. Die Schildkröte schaufelt mit ihren Vorderflossen Sand aufs Gelege.
Wenn Mama die Eier zu dicht am Wasser verbuddelt, werden sie freigespült und die Fregattvögel freuen sich über den leckeren Snack.
Nach der Eiablage machen sich die erschöpften Tiere auf den Rückweg.
Der Weg zurück ins Wasser führt durch die tiefen Krater, die die Kolleginnen gegraben haben.
Gruppenbild: Mari und Schildi.
„Hallo?!“
Sie kann das Meer schon sehen!
Sie hat es fast geschafft.
Endlich!
Nur noch eine Welle!
Die Schildkröten legen mehrmals im Abstand einiger Wochen. DieSchildkröten aus den ersten Gelegen schlüpfen bereits. Dieses Baby ist sehr spät dran. Eigentlich legen sie den Weg in den Ozean im Schutz der Dunkelheit zurück.
Sie schafft es trotzdem. Vielleicht auch, weil die Fregattvögel Respekt vor Nobbi haben, der die kleine Schildkröte bewacht, bis sie im Wasser ist.
Die Fortbewegnung an Land ist mühsam für die eleganten Schwimmerinnen.

Ascension in Bildern

Wie versprochen kommen hier noch mehr Bilder von Ascension. Und hier geht`s zum Bericht über unseren kurzen Aufenthalt auf dieser besonderen Insel:

Viele Fregattvögel bevölkern den Ankerplatz.
Marisol am Ankerplatz.
Der Blick vom Ankerplatz.

Das Anlanden mit dem Beiboot gestaltete sich je nach Welle entweder nur etwas sportlich oder ausgesprochen abenteuerlich:

Das Schlauchboot kann man an der dicken Trosse zwischen den gelben Tonnen anbinden. Dann gilt es das gelbe Boot einzufangen.
Nun klettert man in das stabile gelbe Boot.
An einer der Leinen zieht man sich nun zur Pier. Dort braucht man ein bisschen Mut und gutes Timing beim Übersteigen.
Heil angekommen!

Georgetown ist ein ruhiger, zweckmäßiger und schnörkelloser Ort.

Die Pier.
Sitz der Inselregierung.
Die kleine Kirche.
Aussicht über „downtown“ Georgetown.
Das alte Rathaus auf dem zentralen Platz wird heute als Lager und von (geschlossenen) Läden genutzt.
Der Friedhof mit Meerblick hat einen alten und einen neuen Teil.
Der verschlossene Eingang zu Fort Hayes.
Wir kraxeln einfach den Hang hoch und sehen uns Fort Hayes von innen an.
Nüchterne Einheitshäuser.
Hier steppt das Schaf – auf der zentralen Kreuzung.
„Long beach“, der Schildkrötenstrand, vor dem wir ankern.
In diesen Becken wurden früher die Schildkröten als Proviant „aufbewahrt“.
Im Schwimmbad gibt es eine Süßwasser-Dusche!
Für die Rundfahrt haben wir dieses Auto bei der Mitarbeiterin der Immigration gemietet – wie alle unsere Freunde vor und nach uns auch.
Die Esel wurden irgendwann freigelassen und schlagen sich nun durch.
Sie sind neugierig und lassen sich bereitwillig streicheln.

Ascension ist ein Lauschposten, doch was wird hier abgehört? Oder sind wir einfach in einer riesigen Antennenausstellung?

Auf unserer Inseltour bekommen wir einen guten Eindruck von der kargen, aber doch abwechslungsreichen Insel.