Als am Morgen des 24. Dezember der Wecker klingelt regnet es. Wir drehen uns wieder um und schlafen weiter. Als wir aufstehen regnet es nur noch ein wenig und hört bald auf. Trotz des durchwachsenen Wetters steigen wir ins Auto und fahren nach iSimangaliso. Das Naturschutzgebiet hatte uns zwei Wochen zuvor gut gefallen. Das Wetter wird immer besser. Wir halten ab und zu an Aussichtspunkten, biegen zweimal von der geteerten Straße ab und sind zweimal sehr froh, als wir mit dem kleinen Polo wieder festen Grund erreichen. Einmal führt der Sandweg durch eine sehr tiefe Pfütze und zwingt uns zum Umkehren, ein anderes Mal überzeugt uns ein umgefallener Baum in Kombination mit einer schlammigen Steigung das Umdrehen die bessere Option ist. Von nun an bleiben wir auf der Hauptroute. Wieder sehen wir viele Tiere wie zum Beispiel den Ellipsen-Wasserbock, eine Antilopenart, die wir vorher noch nicht gesichtet hatten. Heute wimmelt es hier vor Büffeln und Zebras. Am Strand von Kap Vidal finden wir eine Bank im Schatten, auf der wir unser Picknick (inklusive Lebkuchen) essen. Als wir abends wieder an Bord sind, kochen wir unser Weihnachtsessen und machen uns einen gemütlichen Abend an Bord.
Der erste Weihnachtsfeiertag verläuft, abgesehen vom Lebkuchengenuss eher unweihnachtlich. Wir tüdeln an Bord rum und Nobbi wechselt beim Getriebe das Öl. Am 26. Dezember klingelt der Wecker wieder zeitig und diesmal stehen wir auf. Zum Frühstück sind wir bereits im Hluhluwe Naturschutzgebiet, dem ältesten Schutzgebiet Südafrikas. Außer an den wenigen Picknick-Plätzen darf man das Auto nicht verlassen. Unser Frühstücksplatz hat eine schöne Aussicht, genau wie unser Mittagsplatz, an dem es von Buschschweinen und Nyalas wimmelt. Wir genießen die Fahrt durch den Park und sehen Gnus, Impalas, Nyalas, Duiker, Zebras, Busch- und Warzenschweinen, Büffel, Nashörner und Elefanten. Ein Elefant ist ganz schön groß, wenn man in einem Polo sitzt und er vor uns die Straße quert. Wir haben Glück und sichten später noch zweimal Elefanten, die wir uns ganz in Ruhe ansehen können. Die Rückfahrt ist ereignisreich. Wir verlassen den Park durch das Nordtor, die Straße ist nicht stark befahren, wird aber von vielen Tieren genutzt. Wir treffen auf viele Kühe, an einer Kreuzung steht eine ganze Herde auf der Straße, auch Esel und Ziegen. Überhaupt ist das Autofahren gelegentlich interessant. Die N2, die Nationalstraße die von Richards Bay nach Norden führt, kennen wir inzwischen gut. Die Überholmanöver sind gelegentlich wild. Der Standstreifen wird einerseits von Trucks und langsam fahrenden Autos befahren, anderseits halten hier Busse (die auch gerne mal rückwärtsfahren), Fahrradfahrer und Fußgänger nutzen ihn und Autos die an einem der vielen Stände etwas kaufen möchten halten hier. Und auch auf dieser „Schnellstraße“ sind Kühe und Ziegen unterwegs. Vor Schulen wird vor kreuzenden Kindern gewarnt und man muss die Geschwindigkeit auf 80 km/h (!) drosseln. Abends schauen wir „Tatsächlich Liebe“ an, der Film darf zu Weihnachten nicht fehlen!
Kurz nach unserer Ankunft haben wir die verlorene Ankerrolle ersetzt und den Seezaun repariert. Ein Ölwechsel war auch fällig, an der Hydrovane haben wir ein Lager ersetzt und ein neues Cover auf die Windfahne gezogen, ein rostiges Glied der Ankerkette haben wir abgesägt und da wir sonst keine nennenswerten Schäden haben, widmen wir uns dem Kleinkram. Hier eine Schraube nachziehen, dort eine neue Leine einziehen und etwas putzen. Putzen ist ein schönes Stichwort. Richards Bay ist Afrikas größter Kohlehafen. Das merkt man nicht nur auf den großen Straßen rund um Richards Bay mit den vielen Trucks mit Doppeltrailern, sondern auch an Deck. Weht der Wind aus Südwest, ist das das Deck schwarz. Wir lassen unsere Mosquitonetze in den Fenstern, das reduziert den Kohlestaub unter Deck wenigstens etwas.
Das Leben im Yacht Club ist nett. Wir treffen alte und neue Freunde und tauschen die Geschichten der letzten Ozeanpassage aus. Montags ist Braai, Grillen auf Südafrikanisch. Bar und Restaurant sind geschlossen, dafür werden die Grills angefeuert und jeder darf darauf sein eigenes Fleisch grillen. Braai ist in Südafrika eine ernsthafte Angelegenheit und nicht einfach nur ein „BBQ“ – das lernen wir als erstes.
Endlich ist auch Bill in Richards Bay angekommen!
Zululand Yachtclub mit Gute-Laune-Palmen
Steg C des Zululand Yachtclubs
Eigentlich wären wir gern schon etwas weiter westlich, doch das Wetter ist im Moment sehr instabil und die Vorhersagen ändern sich ständig oder weichen gravierend vom tatsächlichen Wetter ab. Also mieten wir uns wieder ein Auto und entscheiden, dass wir noch einmal „Tiere gucken“ wollen. Das vierte Adventswochenende verbringen wir in der African Spirit Lodge im Manyoni Game Park. Auch dies ist ein privater Park. Mehrere Eigentümer haben sich zusammengetan und so ist ein riesiges Gebiet entstanden. Das Gebiet ist 230 km2 groß, das ist größer als Essen oder Hannover und nur wenig kleiner als Frankfurt! Die Tiere können sich auf diesem Gebiet frei bewegen. Nicht nur auf den vier Game Drives haben wir viele Tiere gesehen, auch direkt von der Terrasse der Lodge. Am Wasserloch vor der Lodge war immer Betrieb. Antilopen trinken dort, Büffel, Warzenschweine und Nashörner nehmen gerne ein Schlammbad. Obwohl wir zwei Wochen vorher fantastischen Tage in der Amakhosi Lodge verbracht hatten und wussten, dass kaum etwas mit unseren Erlebnissen dort mithalten kann, haben wir unseren Aufenthalt sehr genossen. Die Landschaft ist anders, obwohl die Gebiete nicht weit voneinander entfernt sind. Wir haben einige Tiere gesehen, die wir zuvor noch nicht gesehen hatten, wie Strauße oder Mangusten. Außerdem haben wir uns an den vielen spannenden Tieren einfach noch nicht satt gesehen. Und für Fortgeschrittene gibt es dann noch sehr viele schöne Vögel! Eine große Anzahl Giraffen und Impalas haben oft unseren Weg gekreuzt, viele Gnus und immer wieder Löwen. Einmal lag ein Löwenpaar direkt am Wegrand und hat dann auch noch kleine Löwen gemacht ohne sich von uns stören zulassen.
In diesem Jahr habe ich mich von unseren Safari-Erlebnissen für die Weihnachtskarte inspirieren lassen. Der Kudu ist ein wunderschönes und elegantes Tier. Während die Böcke graubraun sind, sind die Kühe hellbraun. Sie gehören mit ihren fast 1,60 m zu den größten Antilopen. Die Kühe sind mit ihrem Nachwuchs in kleinen Gruppen unterwegs, während die Böcke als Einzelgänger oder in Junggesellengruppen leben. Sie fressen vor allem Laub und Zweige. Ihre Streifen tarnen sie im Buschwerk ausgesprochen gut. Das vielfarbige Fell des Bocks hat es uns besonders angetan, so haben wir kurzerhand den Weihnachtskudu „entdeckt“.
Zum iSimangaliso Park sind es nur gute 80 km. iSimangaliso ist mit 13.000 km2 das zweitgrößte Schutzgebiet Südafrikas und beherbergt ganz unterschiedliche Landschaften und Ökosysteme. In den Feuchtgebieten leben die größten Nilpferd- und Krokodilbestände Südafrikas. Wir stehen zeitig auf, fahren zum kleinen Ort St.Lucia und frühstücken an der Heckklappe unseres Mietwagens, bevor es um kurz nach acht zu unserer Bootstour geht. Auf einer Art Floß mit Außenbordmotor besuchen wir die Nilpferde. Von der Suche nach den Hippopotamus kann nicht die Rede sein. Man muss sie nicht suchen. Sie sind überall. Eine Mutter mit Baby, eine Gruppe aus fünf Halbstarken und zwei große Familien. Außerdem sehen wir Krokodile und viele Vögel wie ein Seeadler-Pärchen und den schönen „bee-eater“, der es heute nicht auf Bienen sondern die dicken Flusspferd-Fliegen abgesehen hat. Nach zwei Stunden stehen wir gut gelaunt wieder auf dem Steg. Fürs Mittagsessen ist es noch zu früh, also fahren wir spontan in den Park. Am Eingang zum iSimangaliso-Park bezahlen wir pro Person und pro Auto, insgesamt etwa 17 Euro (überschaubar, wie wir finden). Informationen gibt es von den wortkargen Damen am Schalter nur auf Nachfrage, immerhin erfahren wir, dass wir die ersten beiden Abzweigungen mit unserem VW-Polo meiden sollten. Wir hatten nicht damit gerechnet viele Tiere zu sehen, zum einen sind wir in der Mittagshitze unterwegs, zum anderen bleiben wir meistens auf dem Hauptweg. Nyalas, Impalas, Zebras und Warzenschweine überraschen uns und kommen dicht vorbei, von einem Aussichtspunkt sehen wir eine große Herde Gnus grasen, vom Strand sehen wir Schildkröten, einen Hai und Delfine. In den Feuchtgebieten gibt es unendlich viele Vögel: Reiher, Störche, Gänse, Enten. Auf dem Rückweg entdecken wir sogar ein großes Krokodil, dass gerade ein Warzenschwein frisst. Am Ende der asphaltierten Straße machen wir eine Pause am Strand von Cape Vidal, beobachten wie Motorboote durch die hohe Brandung an den Strand fahren und kleine Mädchen unerschrocken baden. Es ist heiß. 37 Grad in Richards Bay, am Strand ein klein wenig kühler. Wir essen ein Eis und sehen uns das Spektakel aus dem Schatten an. Wir haben nur einen winzigen Teil dieses riesigen Schutzgebietes gesehen. Gerne kommen wir noch einmal wieder um entweder die gleiche Strecke noch einmal zufahren oder um eine andere Ecke von einem anderen Eingangstor zu erkunden. Weite Teile des Parks sind für Touristen nicht zugänglich. Die scheuen Tiere freut es. Die weniger scheuen, wie die Flusspferde, gehen nachts in St.Lucia spazieren. Nicht immer zur Freude der Einwohner.
Schon bei den Fisch-Samosas auf Mauritius tauchte die Frage auf, ob es wert sei dafür über den Indischen Ozean zu segeln (ich denke nicht, aber da gehen die Meinungen auseinander). Auch der Zululand Yacht Club in Richards Bay wirbt mit diesem beliebten Schnack.
Wenige Tage nach unserer Ankunft sind wir schon wieder unterwegs, diesmal mit dem Mietwagen. Bevor die Haupturlaubssaison startet und die Schulferien in Südafrika beginnen, wollen wir „Tiere gucken“. Wir beschließen uns selbst zu beschenken und buchen drei Nächte in einem privaten Game Park. Game Park, so heißen die (Vergnügungs-) Wildparks hier. Ein Game Drive ist eine Pirschfahrt, eine Tour zum Tiere angucken. Freunde haben uns diese Lodge samt Park empfohlen als sie vor ein paar Wochen hier waren. Tatsächlich war es wunderbar in „Amakhosi“. Ein Verwöhn-Programm in der Lodge mit grandiosem Essen, sehr schönen Häusern mit tollem Ausblick und einer unglaublichen Detailverliebtheit. Mal gibt es Drinks am Lagerfeuer, mal ein traditionelles Essen unterm Sternenhimmel. Am allerbesten haben uns natürlich die Tierbegegnungen gefallen. Morgens um fünf und nachmittags um vier ging es los. Jeweils dreieinhalb Stunden haben ein Ranger, ein Ranger-Praktikant und ein Tracker (Spurensucher) mit uns nach Tieren gesucht und sie auch gefunden. Wir hatten großes Glück und einen Ranger, der uns nicht nur sehr viel über die Tiere erzählen konnte, sondern sich auch hervorragend mit dem Management der Parks auskannte. Obwohl wir sicherlich über eine solide Tierfilm- und Zoo-Grundbildung verfügen, haben wir ganz viel gelernt. Den Tieren sind wir viel näher gekommen als vermutet und waren überrascht, wie einfach es war, tolle Fotos mit unseren „ganz normalen“ Fotoapparaten zu schießen. Eine Beschreibung aller Ausfahrten würde den Rahmen sprengen. Gesehen haben wir Elefanten, Löwen, einen Gepard, Antilopen wie Impala und Nyala, Gnus, Büffel, Zebras, Giraffen. Breit- und Spitzmaulnashorn, Nilpferde und ein Krokodil, viele spannende Vögel und auch tolle Insekten wie Pillendreher. Und noch viele andere. Das Highlight? Ganz schwierig! Unsere Top fünf (ganz schwierig, auch die Büffelherden sind so toll und die Giraffen und…):
Wir lagen auf dem Bett und haben uns über den tollen Ausblick gefreut, als plötzliche Elefanten in unserem Blickfeld auftauchten.
Elf Löwen (zwei Mütter mit acht Jungen und der Tante) liegen im Gras am Wasserloch und lassen sich nicht von uns stören.
Ein Spitzmaul-Nashorn ist auf uns zu gerannt und hat sehr eindrucksvoll demonstriert wie gefährlich es sein kann.
Zwei Löwen-Männer sind gemächlich unterwegs und völlig unbeeindruckt von den menschlichen Beobachtern an uns vorbei getrottet.
Die Elefantenherde quert den kleinen Fluss und die riesigen Tiere spielen im Wasser.
Diese Busch-Landschaft mit ihren tollen Tieren hat uns nicht nur gefallen, sondern regelrecht berührt. Es war wunderbar! Und ja, es war es wert über den Indischen Ozean zu segeln. Übrigens haben uns alle Stopps im Indischen Ozean: Cocos, Rodrigues, Mauritius und La Réunion ausnehmend gut gefallen. Unser Ausflug war also nicht der einzige Grund über diesen nicht ganz einfachen Ozean zu segeln.
Unser Bericht von La Réunion steht noch aus. Die Insel hat uns sehr gut gefallen, ein guter Grund den Bericht hier nicht unter den Tisch fallenzulassen.
Der kleine Ort Le Port, der wie der Name schon sagt, hauptsächlich aus dem Hafen besteht, ist eher ruhig. Es gibt einige Restaurants und Supermärke. Für uns ist die Bäckerei mit den tollen Baguettes und den besten Schokocroissants des Indischen Ozeans am wichtigsten. Wir treffen uns mit Freunden zum Abendessen, kaufen ein, waschen und füllen unsere Dieselkanister. Nun sind wir abfahrbereit, aber vorher wollen wir die Insel erkunden.
Zunächst unternehmen wir einen Ausflug mit dem Bus. Der erste Bus der Linie 17 fährt um 06:48 Uhr. Wir müssen einen kleinen Sprint einlegen um es rechtzeitig zur Haltestelle zu schaffen. Ein komfortabler Reisebus sammelt uns ein. Die Fahrt dauert eine Stunde und führt uns durch die Dörfer weit oberhalb von Le Port. Die Aussicht aus dem Bus ist schön. Was uns besonders gefällt: wer aus dem Bus aussteigen möchte klatscht in die Hände, dann hält der Busfahrer an der nächsten Station. Von der Haltstelle zum Ausgangspunkt der Wanderung laufen wir 20 Minuten. Wir brauchen ein bisschen länger, weil wir die Webervögel mit ihren kunstvollen Nestern ausgiebig beobachten. Die ausgewählte Wanderung beginnt auf 1100 m, bringt uns auf 1300m und ist recht sportlich, einige Leitern und ein Draht zum Festhalten helfen uns über die ganz steilen Abschnitte. Die Mühen werden belohnt. Der Blick über den „Cirque de Mafate“, eine der drei Calderas des Piton des Neiges, ist beeindruckend. Einige der Dörfer in der Caldera sind bis heute nur zu Fuß erreichbar, kein Wunder bei dieser außergewöhnlichen Geografie. Die Wanderung folgt einem schmalen Grat und wir finden eine Bank mit Aussicht für unser Frühstück. Auf dem Rückweg ziehen nicht nur Wolken auf, auch die Anzahl der Wanderer nimmt stark zu. Gut, dass wir so früh unterwegs waren. Dies war sicher eine der schönsten Wanderungen, die wir bisher unternommen haben!
Der gelungene Ausflug sorgt dafür, dass wir dringend noch mehr sehen wollen. Die Mietwagen sind teuer, aber es gibt die Möglichkeit über einen Segler ein Auto zu leihen. Noch nie saßen wir in einem so vermüllten Auto, doch die fahrende Müllkippe bringt und sicher einmal um die Insel. Wir fahren zunächst zum „Fenêtre des Makes“ auf 1504m bevor wir zu den sich ewig in kleinen Serpentinen windenden einsamen Straße kommen, nehmen wir eine „Abkürzung“ durch Zuckerrohr und Bananenplantagen. Es ist viel Verkehr in beide Richtungen, auf einer einspurigen Straße. Vor uns biegt ein großer Zucker-Laster ein, wir heften uns an seine Reifen und kommen so ganz hervorragend durch das Gewirr schmaler Wirtschaftswege. Das „Fenêtre“ wartet mit einer fantastischen Ausicht auf den „Cirque de Cilaos“ und den Piton des Neiges auf. Auch die zweite Caldera des Piton des Neiges ist beeindruckend und es gibt sogar noch eine dritte ähnlich spektakuläre. Der Piton de Neige ist mit 3070m der höchste Berg La Réunions und des Indischen Ozean. Trotz seines Namens ist er schneelos. Der Piton des Neiges ist vor 12000 Jahren erloschen, ganz im Gegensatz zu seinem Kollegen, dem Piton de la Fournaise, der weiter südlich liegt und noch aktiv ist. Ganz im Süden der Insel kann man die Spuren des letzten Ausbruchs von 2007 sehen, als die Lava über die Straße ins Meer floss. Dort fahren wir mit Zwischenstopps entlang der Küste hin. Viele Kreisverkehre wollen bezwungen werden und La Réunion hat mehr Verkehr als so manche Stadt in „Metropolitan-Frankreich“, deshalb sind wir froh, dass wir nicht zurück zum Boot fahren müssen. In Saint-Pierre haben wir eine nette Unterkunft gebucht. Morgens würden wir gerne auf unserer kleinen Terrasse sitzenbleiben, Vögel beobachten und Kaffee trinken, doch wir haben viel vor. Wir nehmen die Traverse die quer über die Insel führt und uns zur Vulkan-Route bringt. Eine Straße die auf den Piton de la Fournaise führt. Am oder auf dem aktiven Vulkan gibt es unwirkliche Vulkanlandschaften aus Lava unterschiedlichster Form und Farben. Das ist toll anzusehen, aber uns gefällt der Teil der Stecke der zunächst zwischen Kuhweiden mit Kuhglocken (die Kühe nicht die Weiden) durchführt und später durch eine Art Heidelandschaft mit tiefen Tälern noch besser. Später erreichen wir die Ostseite der Insel und folgen der Straße entlang der Nordküste und durch die Hauptstadt Saint Dennis zurück nach Le Port im Nordwesten. La Réunion hat uns trotz des vielen Verkehrs auf den Hauptrouten, die man nicht umgehen kann, sehr gefallen. Noch viele Wanderungen hätten gewandert werden wollen, doch der Indischen Ozean wartet und will von uns besegelt werden, bevor die tropischen Stürme einsetzen.
Eine Webervogel-Siedlung.
Ausblick auf Le Port.
Blick in den Cirque Mafate.
Pause!
„Abkürzung“ durch Zucker- und Bananenplantagen.
Der Blick durchs Fenster in den Cirque de Cilaos.
Wir machen mehrere Stopps an der Küste.
Lava vom Ausbruch 2007.
In Saint Pierre kann man sehr schön wohnen!
Kühe mit Glocke sorgen für Alpengefühle.
Schöne Straßen,
tiefe Schluchten
und fröhliche Reisende.
Nobbi in den Wolken.
Die Vulkan-Route macht ihren Namen alle Ehre.
Hier findet sich Lava in ganz verschiedenen Erstarrungsformen.
Am Morgen nach unserer Ankunft weht der Wind noch immer aus Norden. Doch wir wissen, dass nachmittags eine Front durchziehen und Südwind mitbringen wird. Dieser Platz bietet keinen Schutz nach Süden, wir müssen also umziehen. Zunächst hatten wir uns einen Ankerplatz auf der Nordseite der kleinen Insel, in deren Westen wir gerade liegen, ausgesucht. Der Ort wurde uns von anderen Seglern empfohlen. Doch bei den jetzigen Windbedingungen ist nicht daran zu denken ihn anzusteuern, wir müssten über eine Sandbank fahren, auf der sich eine hohe Welle gebildet hat. Auf der Karte haben wir uns daher einen alternativen Ankerplatz vier Meilen weiter im Süden ausgeguckt. Dort sollten uns einige Sandbänke etwas Schutz bieten, so dass wir keine zu großen Wellen erwarten. Schutz vor dem Wind, haben wir hier nicht, vor uns liegt eine tiefe Bucht mit flachem Wasser und vielen Sandbänken. Laut Wettervorhersage sollen wir während des Frontdurchgangs sieben bis acht Windstärken bekommen und in den zwei darauffolgenden Tagen dann fünf bis sechs Beaufort, gelegentlich Böen von sieben.
Als wir dort ankern umkreist uns eine Gruppe Delfine. Wir entscheiden, dass das ein gutes Omen ist. Einsam ist der Platz nicht. Einige Fischer sind in ihren Booten unterwegs, am Strand spielen junge Männer Fußball und in der Ferne kann man die gewaltige Hafenbrücke und die Hochhäuser von Maputo erkennen. Am frühen Nachmittag wird es ganz ruhig, absolut windstill und sehr heiß. Dann dreht der Wind auf Süd und nimmt schnell zu. Eine riesige lange Wolke kündigt die Front an. Eine Böenwalze wie aus dem Lehrbuch. Als die Wolke über uns ist, nimmt der Wind weiter zu: 30 Knoten, 35kn und schließlich 45 bis 50kn. Das ist Windstärke 9 bis 10. Plötzlich gibt es einen lauten Knall, gefolgt von einem Rumpeln. Nobbi weiß sofort was los ist, stürzt hinaus und kriecht aufs Vorschiff. Die Ankerspring, die Leine, die die Ankerwinsch entlastet und die Bewegungen dämpft, ist gebrochen. Die Bremse der Ankerwinsch hält der Belastung nicht stand und Kette läuft ab. Die Kette darf auf keinen Fall ganz ausrauschen, denn ob die Leine, die die Kette mit dem Schiff verbindet bei diesen Bedingungen hält, wollen wir nicht testen. Nobbi bewahrt einen kühlen Kopf und macht mit dem Rest der Ankerspring einen Stopperstek um die Ankerkette. Auf dem Vorschiff wird er immer wieder von überkommenden Wellen geduscht, allerdings ist er vom Regen ohnehin klatschnass. Nobbi schäkelt zwei Leinen in die Ankerkette und belegt sie auf den Klampen. Ich starte die Maschine und versuche die Ankerkette etwas zu entlasten, wenn ich sehe, dass Nobbi mit seinen Händen an der Kette arbeitet. Absprechen können wir uns nicht, es ist unglaublich laut. Inzwischen weht der Wind in Böen mit über 60kn, die stärkste Böe, die wir auf der Windanzeige sehen, hat 72 Knoten! Das ist Orkanstärke. Klatschnass verstecken wir uns wieder unter Deck und räumen auf. Auf der Suche nach passenden Schäkeln haben wir einige Kisten ausgeräumt. Nach zwei Stunden nimmt der Weg etwas ab. Die ganze Nacht weht es mit sieben bis acht. Und es blitzt und donnert. Stundenlang gewittert es um uns herum. Wir gucken einen Film um uns abzulenken, aber werfen immer wieder einen Blick nach draußen. Ich mag nicht schlafen gehen, der Lärm und das Heulen des Sturms ist unglaublich. Schließlich kocht Nobbi mir eine Kanne Tee, legt sich in die Koje und versucht etwas zu schlafen, während ich im Salon lese und gleichzeitig unsere Position im Blick behalte. Erst als es um halb fünf hell wird, lege ich mich auch ins Bett. Tagsüber holen wird abwechselnd etwas Schlaf nach. Die Tidenströmung ist stark. Bei auflaufendem Wasser werden wir quer zum Wind gedreht. Das fühlt sich merkwürdig an, ist aber gemütlicher, als wenn wir mit dem Bug in die kurzen Wellen eintauchen. Nachdem wir am Tag zuvor erstaunlich cool waren und einfach reagiert haben, wird uns langsam klar, wie knapp es war. Fast 30 m Kette sind ausgerauscht und nur noch 10 m liegen im Ankerkasten. Die 100 Meter Ankerkette, die wir durch die Gegend segeln, sind also fast komplett im Einsatz. Nobbi hat uns mit einer Mischung aus Können, guten Nerven und Glück gerettet. Wie er bei diesem Bedingungen den Stopperstek auf die Kette gemacht hat ohne sich zu verletzen, ist mir schleierhaft. Irgendwann ist dann auch bei dem Bolzen, der die Ankerrolle hält, der Kopf abgeschoren. Die Ankerrolle ist weg und der Bugbeschlag etwas verbogen. Mit Bordmitteln bauen wir ein Provisorium. Wir kochen Pudding und öffnen das leckerste Glas aus dem Vorrat. Es gibt nichts zu tun, wir können nur abwarten. Auch die nächste Nacht ist unruhig. Immer noch haben wir sechs bis sieben Windstärken. Mitten in der Nacht ziehen wir in den Salon um, weil es im Vorschiff so laut ist. Auch am folgenden Tag weht es. Vormittags nimmt der Wind auf fünf Windstärken ab und uns kommt es vor als sei es windstill. Wenig später ist der Wind wieder da und damit auch die Schüttelwelle. An unserem Ankerplatz haben wir keinen hohen Schwell, draußen sollen die Wellen vier Meter hoch sein. Aber der starke Wind baut in der Bucht auch im flachen Wasser ganz ordentliche Wellen auf. Mal sind sie nur einen halben, mal einen Meter hoch, oft haben sie weiße Kappen. Gemütliches Ankern sieht anders aus. In der nächsten Nacht lässt der Wind nach. Endlich. Bereits um sieben gehen wir Anker auf. Der Anker liegt gut auf der provisorischen Ankerrolle. Der Wind weht nur noch schwach aus Süden und der Wetterbericht verspricht, dass er mittags auf Ost und später auf Nordost dreht. Viele der großen Handelsschiffe, die auch vor dem Sturm Schutz gesucht hatten, sind schon wieder weg. Ein 300m langes Kreuzfahrtschiff kommt uns entgegen und ankert vor Ilha Portugueses. MSC veranstaltet Kreuzfahrten von Durban aus. Es ist ein schöner Tag. Das Wasser leuchtet türkis und immer wieder begleiten uns großen Gruppen Delfine. Wir verlassen die große Bucht von Maputo und freuen uns, dass Mosambik uns Schutz gewährt hat, sind aber auch froh, dass wir weit draußen vor der Hauptstadt bleiben konnten. Denn während wir den Sturm abgewettert haben, gab es in Maputo riesige Demonstrationen gegen die Regierung mit über 70 Toten. Zur Zeit kein gutes Pflaster für Touristen.
200 Seemeilen trennen uns von Richards Bay und zunächst kommen wir nur sehr langsam voran. Gegenstrom! Unter Motor mit Segelunterstützung machen wir nur vier Knoten, manchmal nur drei. Das ist frustrierend. Wir steuern wieder per Hand. Nach der ersten Nacht beginnen wir zu rechnen ob der Diesel reicht. Der erhoffte Strom will einfach nicht einsetzen und der Wind ist schwächer als versprochen. Nachmittags kommt endlich etwas Wind auf und wir können segeln. Später setzt dann auch langsam der Südstrom ein. Gerade haben wir es uns im Cockpit gemütlich gemacht und hören einen Krimi, als die Wolke an Steuerbord immer dunkler wird. Wir entschließen uns, das zweite Reff ins Großsegel zu binden und Minuten später erreicht uns die erste 30er Böe. Wir haben Glück, es bleibt bei wenigen Böen und die Wolke zerfleddert über See. Tatsächlich können wir bis zur Einfahrt nach Richards Bay segeln. Wir rufen Port Control an und bitten um Erlaubnis in den Hafen (größter Kohleverladehafen in Afrika) fahren zu dürfen. Um viertel nach vier machen wir an der Immigration-Pier fest.
Morgens begrüßt Natasha von OSASA uns. OSASA ist eine Organisation, die sich um die Belange der Ozeansegler kümmert und über die man sich in Südafrika anmeldet. Es ist ein schönes Gefühl persönlich begrüßt zu werden und toll, dass Natasha vor der Arbeit bei uns vorbeiguckt. Die Damen von Immigration kommen bald vorbei und wir erhalten unseren Stempel in den Pass. Beim Zoll dauert es etwas länger. Mittags sind die Formalitäten erledigt und wir ziehen an einen Stegliegeplatz im Zululand Yacht Club um. Die Marina-Bar hat montags geschlossen, aber ein Freund spendiert uns zwei kalte Dosen Bier, denn unser Kühlschrank ist nach 20 Seetagen leer. Wir schaffen es gerade noch unser Ankunftsbier zu genießen bevor wir früh ins Bett gehen und lange schlafen.
Eine Böenwalze aus dem Bilderbuch.
Der Wind setzt ein.
Nobbi schäkelt zwei Leinen in unsere Ankerkette ein.
Ein traditionelles Boot unter Segeln.
Freundliche Fischer.
Auf dem Hinweg unter Segeln, zurück hilft der Motor.
Der versprochene Wind setzt ein und wir sind nun wieder flotter unterwegs. Aus Süden rollt eine hohe Dünung heran, aus Nord-Osten läuft die kleine und kürzere Windsee dagegen, wir werden zwischen beiden Wellensystemen hin- und her geschubst. Wieder kommen die Delfine zu Besuch und unterhalten uns mit ihren Kunststücken. Sie springen nicht nur hoch aus dem Wasser, sie machen auch elegante Schraubendrehungen. Ich habe Halsschmerzen und fühle mich krank. Nachts trage ich nun einen Schal und Nobbi macht mir zu Beginn jeder Nachtwache eine Kanne Tee. Nach ein paar Tagen fühle ich mich zum Glück wieder fit. Südlich von Madagaskar wird es windig. Sechs Windstärken aus Osten treiben uns voran. Wir haben den Strom der nach Westen setzt gefunden und sind schnell unterwegs. Auch wenn wir immer wieder siebener Böen haben, ist der Seegang nicht so hoch wie befürchtet und wir sind ziemlich zufrieden mit der Welt um uns herum. Wir queren die Schifffahrtsroute zwischen dem Kap der Guten Hoffnung und Singapur und sehen in jeder Wache Schiffe. Meistens ändern die großen Handelsschiffe ihren Kurs schon früh und wir kommen uns kaum einmal näher als drei Meilen. Nur einmal ruft Nobbi ein Schiff über Funk. Keine Reaktion. Wir beschließen ihn über DSC direkt anzurufen, dann klingelt es auf der Brücke und lässt sich schwer ignorieren. Auf Nobbis Frage, ob er uns gesehen habe und ob er uns bitte ausweichen könne, wir würden segeln, kommt ein zackiges „Yes, Sir!“. Der große Erzfrachter ändert seinen Kurs nun um 30 Grad und passiert uns mit reichlich Abstand. Da war wohl jemand anderweitig beschäftigt oder hatte geschlafen.
Leider trägt der Wetterbericht nicht zur entspannten Stimmung an Bord bei. Das Tief im Norden, das wir schon vor unserer Abfahrt beobachtet hatten, hat inzwischen einen Namen bekommen und ist damit bereits der zweite Tropische Sturm dieser Saison und er zieht, sehr untypisch für diese Jahreszeit, auf die Südspitze Madagaskars zu. Uns wird er nicht mehr gefährlich werden, höchstens für etwas mehr Wind südlich von Madagaskar sorgen. Nervös macht uns die Wetterlage bei Südafrika, denn dort zeigt sich ein Windfeld, gefolgt von einer Front und Südwind. Das ist nicht das Wetter was wir uns für unseren Landfall wünschen. Erst hoffen wir, dass die Front etwas später kommt. Doch unsere Hoffnungen werden nicht erfüllt. Jede neue Vorhersage zeigt eine stärkere Front und länger andauernden Südwind. Wir beschließen einen etwas nördlicheren Kurs einzuschlagen, um uns die Option nach Norden abzudrehen offenzuhalten. Leider heißt das, dass wir das schöne Strömungsband verlassen müssen und zeitweise Gegenstrom haben werden. Nun beginnen anstrengende Tage, wir wägen die verschiedenen Optionen ab. Keine der Möglichkeiten gefällt uns richtig gut und alle sind hunderte Meilen entfernt.
Entscheiden wir uns den direkten Weg nach Richards Bay zu segeln erwarten uns mindestens 24 h Windstärke 7 bis 8 aus Nord, je nachdem wann wir ankommen auch länger. Kommen wir nicht rechtzeitig an, treffen wir auf die Front die Südwind in Sturmstärke bringt. Diese Situation gilt es auf jeden Fall zu vermeiden. Wenn starke Südwinde auf den nach Süden laufenden Agulhas-Strom treffen entstehen hier sehr schnell sehr gefährliche, hohe und steile Wellen vor denen sogar die Seekarten („abnormal waves“) warnen. Alternativ könnten wir im Südwesten Madagaskars hinter der kleinen Insel Nosy Ve Schutz suchen und von dort nach Passieren der Front und dem Südwind erneut starten. Oder wir könnten in Mosambik Schutz suchen. Dort gibt es zwei Möglichkeiten, entweder bei Linga-Linga oder in der großen Bucht vor Maputo. Das große Rechnen beginnt. Kaum haben wir das große Windfeld südlich von Madagaskar hinter uns, erwartet uns eine ausgedehnte Flaute. Die Planung wäre einfacher wenn wir nicht so langsam wären, Maris Bauch muss massiv bewachsen sein, wir waren noch nie so lahm. Unsere Dieselvorräte haben wir bisher nicht angetastet, wir können also einen Teil der Strecke motoren. Allerdings wollen wir nicht unsere ganzen Vorräte aufbrauchen, da wir noch Diesel für die Strecke nach Richards Bay brauchen werden. Wir schlafen schlecht. Die Entscheidung liegt uns im Magen. Was sollen wir tun? Es zehrt an den Nerven bei Schwachwind zu versuchen vor einem nahenden Sturm zu fliehen. Schließlich fällt die Entscheidung für die Bucht von Maputo und den Ankerplatz bei Ilha Portugueses oder Ilha Inhaca. Am 23. November (Tag 12) entscheiden wir, uns nicht mehr umzuentscheiden. Das Vergleichen der verschiedenen Wettermodelle und das Befragen der Strömungskarten war in dieser Form nur möglich, weil Starlink diesmal gut funktioniert. Wir hatten, anders als auf der Etappe von Cocos nach Rodrigues, jeden Tag eine gute Satelliten Verbindung.
Wo sollen wir die Front abwettern? Alle Optionen sind hunderte Meilen entfernt.
Eineinhalb Tage motoren und motorsegeln wir in Richtung Maputo. Wir steuern per Hand. Da wir die Segel gesetzt haben, um wenigstens einen kleinen Hauch Wind einzufangen und das Ruder der Windsteueranlage angebaut ist, ist der Ruderdruck für unseren kleinen elektrischen Autopiloten zu hoch und für die Windsteueranlage haben wir meistens nicht genügend Wind. Dank der moderaten Welle gehen die Wachen schneller um als befürchtet. Viele Podcasts tragen uns durch die Nachtwachen und wir versorgen einander mit Tee und Keksen. Vormittags segeln wir einige Stunden bei sehr wenig Wind und die Hydrovane steuert, so dass wir beide etwas Schlaf nachholen, den Motor checken, kochen, aufräumen und duschen können, bevor es in eine weitere Nacht unter Motor geht. Ein großer Wal taucht mehrfach neben uns auf. Walbegegnungen sind etwas ganz besonderes. Dies war ein sehr großes Tier, viel größer als Mari. Eine extrem aufdringliche Schwalbe flattert um uns herum und landet immer wieder. Auf der Starlinkantenne, auf den Schoten, auf dem Bimini, auf dem Seezaun. Aber sie ist unzufrieden und flattert immer hektischer, sie fliegt ins Boot und sieht sich unter Deck um, doch wir scheuchen sie wieder nach draußen. Schließlich findet sie ins Schwalbenfest und übernachtet dort. Wo auch sonst!
Dann ist der Wind wieder da. Am Abend von Tag 14 haben wir wieder sechs bis sieben Windstärken. Diesmal segeln wir mit halben Wind, das ist nicht ganz so angenehm. Vor Einbruch der Dunkelheit nehmen wir das Bimini weg, damit es nicht zur Lärmkulisse und damit zum Stresslevel beiträgt. Wir sind froh Strecke zu machen. Morgens dreht der Wind immer weiter nach Nord. Wir kämpfen um jede Segelmeile zur Ansteuerung. Wir wollen nicht unnötig Diesel verschwenden. Im Fahrwasser nach Maputo ist viel los. Gleich vier Schiffe treffen wir und stoppen sogar, um einen Frachter bei der Einfahrt ins Fahrwasser nicht zu behindern.
Die letzten Meilen sind mühsam. Die Sonne brennt erbarmungslos auf uns herunter. Ich spanne mir ein Handtuch an der Wäscheleine als Sonnenschutz. Das Bimini haben wir ja vorsorglich eingepackt. Der Wind dreht auf Südost und kommt nun gegenan. Kurz vorm Ankerplatz nimmt er auf satte sechs Windstärken zu. Das wäre jetzt nicht nötig gewesen. Am 26. November fällt am 15. Tag um 14:00 Uhr der Anker östlich der Ilha Portugueses. Hier haben wir guten Schutz gegen den in der Nacht zu erwartenden Nordwind.
Wir freuen uns, dass wir angekommen sind. Zwar haben wir unser Ziel (noch) nicht erreicht, aber wir sind auf dem gewünschten Kontinent gelandet und haben wieder einen Ozean überquert! Unsere Ankunft feiern wir mit einem Glas südafrikanischen Rotwein. Eigentlich hatten wir eine gute Überfahrt über den Indischen Ozean. Lediglich wenige Tropfen Regen, keine (größeren) Schäden, meistens angenehme Bedingungen und schöne Tierbegegnungen. Die ganze Etappe sind wir barfuß und in kurzen Hosen gesegelt, nachts brauchten wir manchmal eine leichte Windjacke und ein Handtuch über den Knien. Stressig war die Passage wegen der wechselhaften Bedingungen und des drohenden schlechten Wetters.
Hier ist es schön. Ilha Portugueses ist eine kleine, flache Insel mit weißem Strand. Auf der Insel sind Sonnenschirme und ein großes Restaurant für Kreuzfahrtgäste. Das große MSC Schild weist auf die Nutzung hin. Jetzt ist hier nichts los. Eine Handvoll Touristen baden im flachen Wasser und werden später von Motorbooten abgeholt. Zurück bleiben nur einige Wächter. In der Ferne sehen wir die Silhouetten der Hochhäuser Maputos. Die Hauptstadt Mosambiks liegt einige Meilen westlich auf der anderen Seite der großen Bucht. Wir wollen nicht nach Mosambik einklarieren, deshalb werden wir nicht an Land gehen. Zwar sind wir neugierig auf das fremde Land, doch Mosambik gilt nicht als sehr Segler freundlich. Uns scheint es keine gute Idee zu sein in der Nähe der Hauptstadt zu ankern, wo es gerade massive Demonstrationen gibt. Wir wollen versuchen gewissenmaßen unterm Radar zu bleiben, das schlechte Wetter hier abzuwettern und dann wieder zu verschwinden.
Morgen werden wir uns einen anderen Ankerplatz suchen müssen. Die Front, die den Südwind im Gepäck hat können wir hier nicht abwettern. An diesem Ankerplatz haben wir keinen Schutz nach Süden. Doch das ist morgen. Heute Nacht schlafen wir erst einmal lang und fest.
Über dem warmen Mosambik-Strom entsteht eine lange Wolke.
Schwalbe sucht Wohnung.
Schwalbe im Schwalbennest.
Hohe Wellen.
Auf der Suche nach Schatten.
Angekommen. Ankerplatz an der Ilha Portugueses.
Sonnenaufgang über Ilha Inhaca.
Dem vorletzten Eintrag habe ich noch einige Bilder hinzugefügt.
Einige haben sich bereits Sorgen gemacht. Wir uns auch. Nach 20 Tagen sind wir endlich in Richards Bay angekommen. Wir haben einen ungeplanten Umweg gemacht und haben einen Sturm abgewettert, hatten mühsame Flauten- und wunderschöne Segeltage. In den nächsten Tagen werden wir ausführlich berichten. Jetzt sind wir einfach nur froh in Afrika angekommen zu sein.
Delfine! Eine große Gruppe von etwa 30 Tieren begleitet uns am frühen Morgen. Plötzlich kommt Hektik auf, Vögel schießen vom Himmel herab, fliegende Fische flüchten in alle Richtungen, die Delfine geben Gas. Das ganze dauert nur wenige Minuten, dann ist es wieder ruhig. Da war wohl ein Fischschwarm, den Delfine und Vögel zum Frühstück gesucht hatten. Heute ist bereits Tag 5 unserer Überfahrt von La Réunion nach Richards Bay in Südafrika. Sehr weit gekommen sind wir bislang allerdings nicht.
Die Abfahrt verläuft etwas hektisch, auch wenn das Ablegemanöver trotz kräftiger Böen hervorragend klappt. Im Hafenbecken treffen wir eine große Schülergruppe mit Kanus und Jollen beim Segeltraining. Dazwischen verstauen wir Leinen und Fender und setzen das Großsegel im Schutz der Molen. Im Lee der Insel haben wir erst Wind, dann wieder keinen, Böen ums nächste Kap und schließlich ein paar Stunden schönen Segelwind. So könnte es immer weitergehen! In der Nacht wird der Wind immer weniger, am Nachmittag des zweiten Tages sind wir froh, dass wir immerhin die Richtung halten können. Tag 3 hält gar keinen Wind für uns bereit. Die Windanzeige zeigt immer wieder 0.0 an. In das Groß haben wir ein Reff eingebunden, die Segellatten knallen sonst mit den Wellen hin und her. Das erzeugt nicht nur ein nervtötendes Geräusch, es macht auch das Segel kaputt. Nachmittags starten wir den Motor und lassen den Wassermacher laufen. Nach zwei Stunden stellen wir die Maschine wieder ab. Wir sind mitten im Hoch gelandet, nirgends um uns herum ist Wind. Wir müssten zwei Tage motoren um Segelwind zu erreichen. Das wollen wir nicht, vielleicht brauchen wir unseren Diesel im zweiten Teil der Überfahrt noch. Also genießen wir die Ruhe, baden und backen Brot. Eine Gruppe von Mahi Mahis, das sind wunderschöne Golddoraden, begleitet uns. Wir gönnen uns ein Bier auf dem Vorschiff, wo wir im Schatten der schlaff herunterhängenden Genua sitzen. Nachts überholt uns eine Flotte chinesischer Fischerboote. Um ein paar Meilen versetzt durchpflügen sie den Ozean. Wir denken an unsere Mahi Mahis und sind sehr froh, als wir sie morgens wiedersehen. Diesmal sind sie davon gekommen. Auch der nächste Tag vergeht driftend oder schleichend. Immerhin sind wir wieder auf unsere Kurslinie zurückgekehrt. Wir üben uns in Geduld. Die Wettervorhersage verspricht etwas Wind für abends. Das Wasser ist so unglaublich blau. Und es scheint von unten zu leuchten. Die kleinen gestreiften Fische unter unserem Boot wagen sich ein paar Meter voraus, um dann lieber wieder in Maris Schatten zurückzukehren. Schüchtern sind sie nicht. Als wir baden, stupsen sie uns an. Pünktlich zum Abendessen füllen sich die Segel mit Wind. Wir sind wieder unterwegs. Nicht schnell, aber stetig. Der Wind hat die ganze Nacht durchgehalten. Wir haben Vollmond, es war also die ganze Nacht hell. Immer wieder unbegreiflich, dass die indirekte Beleuchtung so effektiv funktioniert! Bevor der Mond im Westen untergegangen ist, wurde es im Osten schon hell. Sehr angenehm. Ab morgen soll es wieder stärker wehen. Dann werden wir endlich mehr Strecke machen, aber das Leben an Bord wird auch wieder umbequem. Statt uns über die bescheidene Geschwindigkeit zu ärgern genießen wir also die letzten gemütlichen Stunden. Ich beginne nun das vierte Buch auf dieser Überfahrt. Die Flaute hat dazu geführt, dass ich nicht seekrank war und schon seit dem zweiten Tag lesen kann. Ihr seht, Schwachwind hat durchaus Vorteile, man kommt nur nirgends an.