Eine schöne Überfahrt und der Tag der Geschenke

Es wird Zeit den Motor anzuschmeißen. Zwei Knoten Fahrt sind dann doch zu langsam. Wenn wir jetzt die Maschine starten, sind wir morgen früh in Mauritius. Aber vorher wollen wir baden. Wann hat man schon Gelegenheit mitten im Indischen Ozean ein Bad zu nehmen. Das Wasser ist hier 4000 Meter tief. Eigentlich ist die Wassertiefe völlig irrelevant, überall wo Mari schwimmt, kann ich nicht stehen, trotzdem ist es ein komisches Gefühl.
Die Überfahrt von Rodrigues nach Mauritius startete rau und windig. Die erste Nacht war ungemütlich. Böen mit sieben Bft sind ein bisschen unheimlich, wenn man ruhige Tage am Anker verbracht hat. Mitten in der Nacht geht ein Schapp auf und der Inhalt einer Plastikbox ergießt sich in den Salon. In der Box waren auch Drahtbürsten für die Bohrmaschine und leider fliegen zwei in unseren Hochglanz-lackierten Salontisch, eigentlich das einzige Teil, das zuvor nicht auf der „demnächst-lackieren-Liste“ stand. Wir regen uns nicht darüber auf, wir sind heil froh, dass die ohrenbetäubenden Geräusche eine so harmlose Ursache hatten. Nobbi, der gerade Wache hatte und im Niedergang saß, dachte im ersten Moment der Mast sei von oben gekommen.
Am nächsten Tag lässt der Wind nach und bald auch die Wellen. Wir werden langsamer und am zweiten Tag bereits so langsam, dass sich abzeichnet, dass wir nicht nach drei Tagen frühmorgens Mauritius erreichen. Es ist wunderbar hier draußen. Der Sternenhimmel ist unglaublich klar, der schönste Himmel seit Monaten. Das Boot rollt in den Wellen, die von achtern kommen. Das Leben an Bord ist angenehm, wir lesen, hören Podcasts und der Schlaf ist erholsam. Dann sind wir eben einen Tag länger unterwegs. Besser langsam segeln als schnell motoren.
Die Schiffe, die von Singapur nach Südafrika fahren (oder andersrum), fahren zwischen Mauritius und Rodrigues hindurch. Wir sehen nun also häufiger Schiffe. Nach den manchmal haarigen Schiffsbegegungen in SE-Asien sind die Zusammentreffen mit den großen Frachtern eine Wohltat. Wir sehen sie häufig schon auf 12 Meilen (zumindest im Dunkeln) und sollten wir uns eng begegnen ändern die meisten schon viele Meilen entfernt ihren Kurs um den Abstand zu vergrößern. Während die großen Schiffe so gut beleuchtet sind, können sie uns hingegen nicht sehen. Unsere Lichter soll man über zwei Meilen sehen, so eng begegnen wir uns aber selten. Sie sehen nur unseren kleinen Pfeil auf dem AIS.
Am Dienstag (29.10.) erreichen wir in den frühen Morgenstunden den Windschatten Mauritius. „Sailing Yacht Marisol for Mauritius Coast Guard“ die Küstenwache ruft uns und fragt, wo wir hinwollen, wie viele Personen an Bord sind und warum wir Mauritius besuchen wollen. Als ich antworte „just for fun“ muss der Wachhabende lachen. Die Insel riecht süßlich, nach Zucker, nach Melasse. Ein interessanter Geruch. Spannend, dass „Land“ so unterschiedlich riecht, manchmal ganz grün nach Vegetation, manchmal nach Erde oder blumig und diesmal eben süß. Als die Sonne aufgeht treiben wir vor Port Louis, Mauritius Hauptstadt und dem einzigen „Port of Entry“. Der Morgen ist wunderschön. Die aufgehende Sonne zaubert ein goldenes Licht und die hohen Berge Mauritius zeichnen sich dunkel ab. Wir melden uns bei „Port Control“ und warten. Vor sechs Uhr darf niemand in den Hafen einlaufen. Mit uns gemeinsam kommen drei Tanker und einige Fischer an. Es herrscht ein reger Funkverkehr, die einen warten auf einen Platz im Hafen, die anderen wollen nur Proviant übernehmen oder Crews austauschen.
Um sieben Uhr erreichen wir die Zollpier. Die Pier ist interessant, wir liegen im Hafenbecken vor einem Restaurant. Wer an Land will, muss über den Zaun klettern. Kaum sind wir festgemacht, werden wir von Gen begrüßt, wir kennen uns aus Indonesien und sind in Kontakt geblieben. Da wir noch nicht eingereist sind (die gelbe Q-Flagge weht noch unter der Saling), dürfen wir sie nicht zu uns an Bord einladen. Aber wir können uns über den Zaun unterhalten und sie verwöhnt uns mit Cappuccino und Schoko-Croissants. Was für ein schöner Willkommensgruß!
Zunächst kommt Health-Control, wir füllen Formulare aus und bekommen ein Papier. Dann kommt der Zoll und nimmt Nobbi mit zum Papiere ausfüllen, dort erledigt er auch gleich den Schreibkram für die Coast Guard. Als nächstes kommen vier Leute vom Zoll an Bord, führen eine Kontrolle durch und füllen weitere Papiere aus. Nun müssen wir warten, auf Immigration und auf ein Papier vom Zoll.
Inzwischen sind zwei weitere Yachten angekommen, eine möchte bei uns längsseits gehen. Das ist uns nicht so recht, das Hafenbecken ist unruhig und die andere Yacht viel schwerer und erheblich größer als wir. Es gibt keine andere Möglichkeit, also stimmen wir zu. Die Segler auf dem anderen Boot, haben nicht nur ihr Schiff gut im Griff, sie sind auch sehr nett und wir kommen ins Gespräch. Wir haben reichlich Zeit uns zu unterhalten, auch bei ihnen kommt der Zoll an Bord, obwohl sie nur in den Gewässern Mauritius unterwegs waren. Wir warten noch immer auf die Immigration. Ich laufe zur Coast Guard und frage, wann wir mit der Immigration rechnen können. Inzwischen ist Wind aufgekommen und es wird mühsam das Boot von der Betonwand abzuhalten. Schließlich kommt der Beamte von Immigration und stempelt unsere Pässe. Wir wären nun fertig, hätte der Zuständige nicht vergessen unser Zollpapier zu unterschreiben. Also warten wir weiter. Endlich bekommen wir den fehlenden Wisch und können ablegen. Der ganze Spaß hat über fünf Stunden gedauert, aber alle mit denen wir gesprochen haben waren außerordentlich nett.
Wir würden gerne für mindestens eine Nacht, gern auch etwas länger im Hafen in Port Louis liegen. Noch liegen die 18 Yachten der WorldARC (das ist eine Rally mit ziemlich großen Booten) in dem Hafenbecken, doch wir wissen, dass die gleich alle auslaufen. Marisol passt hervorragend an einen kleinen Platz in der Einfahrt. Dort legen wir an und ich laufe ins Hafenbüro.
Bei Hafenmeister ist es sehr nett. Ich werde vielen Leuten vorgestellt, schüttle Hände und alle sind sehr zuvorkommend. Wir bekommen nicht nur einen Platz für mehrere Tage, ich bekomme auch noch das Mittagessen des Hafenmeisters geschenkt. Unglaublich. Ich fühle mich sehr willkommen und gerührt. Darüber hinaus ist der scharf gefüllte Roti (ein dünner Fladen) extrem lecker. Nachdem die Rally-Yachten ausgelaufen sind, legen wir uns ins Hafenbecken.
Mein Auge schmerzt etwas, seit über einer Woche ist es rot und entzündet. Auf Rodrigues gibt es keinen Augenarzt. Ein Freund riet mir per „telemedizinischer“ Beratung zur Behandlung mit Augentropfen. Christopher wurde zum Schiffsarzt befördert, in Frankfurt erkennt man ihn fortan an der Mütze, meine Symptome wurden besser und ich war beruhigt. Nun meldet sich mein Auge wieder und ich beschließe einen Termin zu vereinbaren. Die nette Mitarbeiterin am Telefon informiert mich, dass der Arzt die nächsten Tage in anderen Teilen der Insel arbeitet und diese Woche außerdem gleich zwei Feiertage hat. Ich solle mich sofort ins Taxi setzen und kommen. Sie sendet mir die Adresse per WhatsApp und ich suche mir ein Taxi. Mein Auge wird gründlich untersucht. Der Arzt wirkt sehr kompetent, ist modern ausgestattet und sehr sympathisch. Zuviel Sonne und eine Entzündung ist die Diagnose, mit der Fernbehandlung des deutschen, internistischen Kollegen ist er zufrieden. Mit zwei Rezepten für Augentropfen und der Ermahnung immer eine Sonnenbrille zu tragen werde ich entlassen. Bezahlen darf ich den Arztbesuch nicht, ich werde eingeladen. Unglaublich, das dritte Geschenk an diesem Tag, von einem völlig Fremden. Ich bin tief berührt.
Die Dunkelheit bricht bereits herein als ich zurück zum Hafen laufe. Vermutlich wird dringend davon abgeraten auf leeren Straßen im Dunkeln durch Port Louis zu laufen. Egal. Große Flughunde kreisen am Himmel, die Luft ist weich und angenehm. Es ist interessant hier, aber ich bin hundemüde (quasi flughundemüde). Letzte Nacht habe ich drei Stunden geschlafen, verteilt auf zwei Pausen.
Nach einem schnellen Abendessen fallen wir in die Koje. Was für ein Tag: lauter nette Begegnungen und gleich dreimal wurde ich völlig unerwartet beschenkt.
Wir freuen uns drauf Port Louis zu erkunden!

Ein Bad im Indischen Ozean.
Bei Sonnenaufgang setzt Nobbi die gelbe Flagge.
Schiff mit Wolkenloch.
Die Fischer liegen im Päckchen.
Hinter den Booten der Coast Guard ist die Zollpier, an der wir anlegen.
Nachmittags liegen wir endlich im Hafen.

Gemütliches Leben auf Rodrigues und eine neue Batterie

Montagmorgen klingelt der Wecker um viertel vor fünf. Das Versorgungsschiff ist wieder da und liegt vor dem Hafen am Anker. Wir müssen Platz machen, damit das große Schiff drehen kann. Wir fahren hinaus und nutzen die Gelegenheit den Wassermacher laufen zu lassen. Pünktlich zum Frühstück um halb acht liegen wir dann wieder an unserem alten Platz am Anker.
Alle Reparaturen, die wir in Cocos erledigt haben, waren erfolgreich. Das ist außerordentlich erfreulich. Der Schwanenhals, durch den die Kabel laufen ist nun so gut abgedichtet, dass auch bei dem schweren Wetter kein Wasser hineingekommen ist. Die neue Toilettenpumpe tut ihren Dienst und auch die Reparatur des Kartentisches hält bisher durch.
Leider gibt es eine neue Baustelle. Die Starterbatterie des Motors hat ihren Dienst eingestellt. Als wir auf See die Maschine starten wollten, brach die Spannung zusammen. Wir haben die Batterie überbrückt und den Motor mit den Hausbatterien gestartet. Unsere Messungen ergaben, dass die Kapazität auf nur etwa 30 % zurückgegangen ist und die Batterie damit leider hinüber ist. Durch Zufall entdecken wir einen Laden mit Batterien und bringen unsere alte zum Vergleich gleich mit. Die nette Verkäuferin will nicht glauben, dass sie kaputt ist, die sähe doch super aus und sei fast neu. Sie lädt sie einige Stunden für uns. Wir messen erneut und nun zeigt sie viel höhere Werte an. Bei der nächsten Messung jedoch, sacken diese bereits ab. Schließlich kaufen wir einen neuen Akku und nehmen den alten erstmal wieder mit. Der Motor kann mit der alten Batterie nicht gestartet werden. Leider stellen wir nun fest, dass der neue Akku zu hoch ist und nicht in das Fach passt. Glücklicherweise dürfen wir die Batterie zurückgeben und finden dann in einem anderen Laden eine passendere. Ende letzter Woche haben wir also viel Zeit damit verbracht mit dem Dinghi hin- und herzufahren, zu den Läden zu laufen und Batterien zu transportieren. Hoffentlich ist dieses Thema nun erledigt.

Unsere Zeit verbringen wir mit kleinen Wanderungen und Spaziergängen, mit Pausen im Stammcafé und mit Bootsgetüddel. Sonntag sind wir die Küste entlang nach Norden gelaufen, haben die Fischer beim Auslegen neuer Festmacherbojen beobachtet und Familien beim Picknick und Baden. Entlang des Strandes gibt es einige kleine Hotels und Restaurants. Die Stimmung war sehr schön, ruhig und entspannt. Die Sonne schien, das Meer leuchtete türkis. Das nächste Mal ziehe ich für 10 km Fußweg dann doch lieber Schuhe an, in FlipFlops bekommt man platte Füße.
Die Insel ist klein und so treffen wir nun häufiger Bekannte: der Beamte von Immigration sitzt unter einem Baum am Meer, unsere Lieblingsverkäuferin aus dem Supermarkt kommt gerade aus einem Restaurant und einige aus unserer Reisegruppe von La Reunion machen den gleich Spaziergang wie wir. In der Apotheke treffen wir Aline, die Reiseleiterin, und im Café wird uns der Kapitän des Versorgungsschiffs vorgestellt. So erfahren wir auch, dass das Schiff nagelneu ist und erst im Dezember aus der Werft in China abgeholt wurde.

Irgendetwas gibt es immer zusehen. Der Delfin war wieder im Hafenbecken und ein Fischschwarm ist rhythmisch auf uns zu gesprungen. Platsch, platsch, platsch, koordiniertes Tauchen unter unserem Boot hindurch, platsch, platsch, platsch. Verrückt!
Ein großes Fischerboot ist das erste Mal Rodrigues angelaufen und wird von den Honoratioren mit Musik und einer Ansprache begrüßt. Auf der Pier werden Kühe in Containern mit Fenstern verladen und dürfen vorher noch neben der Tankstelle grasen. Im Tabakladen gibt es Eier, aber keinen Tabak und Nobbi war mal wieder beim Friseur. Mit umgerechnet zwei Euro war das eine sehr günstige Verschönerungsmaßnahme.
Inzwischen sind zwei weitere Yachten angekommen, es ist nett wieder Gesellschaft zu haben und neue Leute kennenzulernen. Sicherlich werden wir uns demnächst erneut über den Weg laufen, denn hier haben alle Segler das gleiche Ziel: Südafrika. Wir machen uns morgen auf den Weg nach Mauritius. Wo wir schon einmal in der Gegend sind, wollen wir uns die berühmte Briefmarke ansehen, außerdem soll die Insel sehr hübsch sein.

Das Versorgungsschiff ist wieder da.
Der Fischer ist ganz schön rostig…
… bekommt aber den ganz großen Bahnhof.
Nördlich von Port Mathurin gibt es nette Hotels.
Die Fischerboote bekommen neue Bojen.
Die Kinder spielen an der Straße.
Ist ein Container für Kühe ein Cowtainer?
Die Kühe schweben an Deck.
Bei Niedrigwasser auf Muschelsuche.
Wie transportiert man Ziegen?

Schildkröten streicheln

François Leguat veröffentliche 1708 sein Buch, in dem nicht nur von seinen Abenteuern während der Zeit, in der er mit einer Gruppe Männer auf Rodrigues lebte, erzählt, sondern auch die Fauna und Flora beschreibt. Dieses Buch ist eins der wenigen Zeugnisse wie die Insel vor der massiven Verwüstung durch den Menschen aussah. Nach ihm ist das Naturschutzgebiet im Süden der Insel benannt.
Etwa 280.000 Landschildkröten sollen Rodrigues bevölkert haben, bevor sie zwischen 1730 und 1770 ausgerottet wurden. 2006/2007 wurden Schildkröten zweier Spezies, die als die nächsten lebenden Verwandten der ausgestorbenen Rodrigues-Schildkröten gelten, im François Leguat Schutzgebiet ausgewildert. Die Aldabra-Schildkröten stammen von den Seychellen, die Strahlenschildkröten von Madagaskar. Heute leben 3000 Tiere im eingezäunten Reservat.
Inzwischen wird eine dritte Spezies aufgezogen. Die madagassische Schnabelbrustschildkröte ist auf Madagaskar fast ausgestorben, dort werden sie leider noch immer gejagt und verkauft. Die Art soll erhalten werden und die Tiere sollen irgendwann wieder in ihrer Heimat ausgewildert werden.
Rodrigues bildet mit La Reunion und Mauritius die Inselgruppe der Maskarenen. Die Inseln sind vulkanischen Ursprungs, liegen weit weg vom afrikanischen Kontinent und waren nie mit ihm verbunden. Dadurch hat sich eine einzigartige Flora und Fauna mit vielen endemischen Arten entwickelt.
Auf Mauritius gab es den recht bekannten Dodo und auch Rodrigues hatte einen flugunfähigen großen Vogel. Den 90 cm großen Solitär gab es nur hier und er wurde wohl schon 1760 ausgerottet. Nicht nur für die eingeschleppten Haustiere war er eine leichte Beute, er soll den ersten Bewohnern ausgesprochen gut geschmeckt haben. In einer Tropfsteinhöhle auf dem Gelände des Schildkrötenreservates wurde eines der Solitär-Skelette ausgegraben.
Bei der Führung besuchen wir diese Höhle. Durch die große Höhle führt ein Weg, auf dem man bequem laufen kann. Manchmal wird er sehr schmal oder man muss den Kopf gehörig einziehen. Und natürlich besuchen wir mit der Führung die Schildkröten. Die jungen Tiere leben in großen Gehegen, die größeren sind überall unterwegs.
Die riesigen Landschildkröten lassen sich tatsächlich nicht nur bereitwillig streicheln, sie kommen auf einen zu, reiben ihren Hals am Hosenbein und fordern einen auf ihren faltigen Hals zu kraulen. Ich bin verliebt und wäre gerne dort geblieben und hätte noch ein paar Stunden Schildkröten gestreichelt und auch Nobbi krault bereitwillig Hälse.

Die Herrin über die Höhle.
Auf dem Weg in die Höhle!
In der Höhle warten Tropfsteinformationen auf uns und natürlich die üblichen Geschichten zu Stalagmiten und Stalaktiten.
Der Solitär war ein recht großer, flugunfähiger Vogel.
In dieser kleinen Schlucht leben viele der Schildkröten.
Zunächst sind wir unsicher, ob wir die Schildkröten streicheln dürfen. Aber sie lassen uns keine Wahl.
Die Schildkröten richten sich auf und zeigen ihren langen Hals.
Auch auf dem Kopf mögen sie gekrault werden.
Es macht riesigen Spaß, ich wäre gerne noch länger geblieben.

Unser Tag verläuft wieder einmal anders als geplant. Morgens nehmen wir den Bus von Port Mathurin in den Süden der Insel und wollen von der Hauptstraße zum Naturschutzgebiet laufen. Als wir uns gerade darüber unterhalten, wie schön es ist mal wieder zu laufen, hält ein Reisebus neben uns. Die Reisegruppe aus La Reunion ist mit Mireille und Aline unterwegs. Sie nehmen uns nicht nur die drei Kilometer zur Schildkrötenstation mit, sondern adoptieren uns für den Rest des Tages. Nach unserm Besuch bei den Schildkröten fahren wir zu einem Restaurant, wo wir Mittagessen. Nachmittags kurven wir über die Insel, sehen uns zwei Kirchen an und halten bei einer Hängebrücke über eine tiefe Schlucht in der Ziegen, Schweine, Vögel und ganz viele Flughunde leben. Besonders schön ist die Rückfahrt entlang der sonnigen Nordküste, auf der „unsere“ Gruppe viele Lieder mitsingt. Die beiden Reiseleiterinnen sprechen gutes Englisch, mit den Leuten aus der Reisegruppe ist die Kommunikation leider schwierig, weil unser Französisch einfach noch immer schlecht ist. Trotzdem fühlen wir uns sehr willkommen. Uns wird Platz am Tisch gemacht, wir werden immer wieder eingeladen dabei zu sein, angelächelt und wir lachen viel zusammen. Der schöne Tag war ein tolles, völlig unverhofftes Geschenk. Leider werden wir La Réunion vermutlich nicht besuchen können. Wir bekommen keinen Platz im Hafen, da alles durch die Ozean-Rallys auf Wochen ausgebucht ist. Aber immerhin haben wir nun einige Bewohner der Insel kennengelernt!

„Unsere“ Gruppe vor der Höhle, leider nicht ganz vollständig.
Unsere Gastgeberinnen: Mireille und Aline.
Gute Laune im Bus
Eine ungewöhnliche Kirche besuchen wir weit im Süden der Insel.
Nobbi wagt sich über die Hängebrücke.
Ein Flughund dreht seine Runden in der Schlucht,

Rodrigues – eine sympathische Insel

Seit einer Woche sind wir schon in Rodrigues und die Zeit vergeht schnell. Die kleine Insel ist 19 km lang und 9 km breit und von einem riesigen Riff umgeben. Sie gehört zu Mauritius und hat 40000 Einwohner, von denen ungefähr ein Viertel in der Hauptstadt Port Mathurin wohnt.
Die unbewohnte Insel war schon länger bei den arabischen Seefahrern bekannt, wurde aber erst 1538 nach einem portugiesischen Steuermann benannt. Die Holländer unternahmen einen halbherzigen Besiedlungsversuch, eine Gruppe von Franzosen lieferte sich Kämpfe mit den Holländern und lebte hier zwei Jahre. Nachdem sie die Insel verlassen hatten, schrieb einer von ihnen ein Buch, das die Franzosen zur erneuten Kolonialisierung motivierte. 1808 wurde Rodrigues von den Briten besetzt. Als Mauritius 1968 unabhängig wurde, war man auf Rodrigues wenig begeistert. Man wäre gerne britisch geblieben. Seit 2002 ist Rodrigues eine autonome Region innerhalb Mauritius.
90 % des Landes gehört dem Staat und die Bewohner pachten es jeweils auf zehn Jahre. Fleisch und ein wenig Fisch und Tabak sind die einzigen Exportgüter, wobei die Landwirtschaft an akutem Wassermangel leidet und die Umwelt wiederum an Überbevölkerung und extensiver Landwirtschaft.

Der Ankerplatz im Hafenbecken gefällt uns, auch wenn ganz schön viel Staub und Dreck vom Hafen an Bord geweht wird. Das Dinghi hat einige interessante Flecken bekommen und ist sehr schmutzig. Das Anladen ist je nach Welle und Strömung nicht ganz einfach. Manchmal können wir das Dinghi an einem Schlepper anbinden, dann ist es einfacher auf die Pier zukommen. Bei Niedrigwasser ist diese nämlich ganz schön hoch und wir müssen über die Fender für die großen Schiffe an Land klettern, was uns mit neuen Flecken auf der Kleidung versorgt.
Vor einigen Tagen hatten wir einen Delfin am Ankerplatz, große Schildkröten sehen wir fast täglich. Obwohl wir die Tiere schon so oft gesehen haben, nutzt es sich einfach nicht ab. Immer wieder schön.

Zwischendurch waren wir sechs Yachten, nun liegen wir hier allein. Als das Versorgungsschiff den Hafen verlassen hat, gab es einige Aufregung im Ankerfeld. Einige Boote mussten das Hafenbecken verlassen, um Platz für das große Schiff zu machen. Während die ersten Anker auf gingen, kam ein anderer Segler an und versuchte zu ankern. Sein Anker verhakte sich hinter der Kette eines anderen Bootes. Das ist doof, kann aber mal passieren. Doch nur wurde es spektakulär. Er schleppte das andere Boot quer durch die Bucht, zwischen uns anderen Booten hindurch. Zunächst ohne zu bemerken, dass er ein Boot im unfreiwilligen Schlepp hatte. Das hätte sehr, sehr schief gehen können! Die Crew des vor uns ankernden Boots eilt zur Hilfe und kann die beiden Boote voneinander trennen, doch dann streikt der Außenborder der Helfer. Nun schleppt Nobbi die Helfer zurück zu ihrem Boot. Bei dem starken Wind ist das ambitioniert, unser Dinghi lässt sich dann nicht besonders gut manövrieren. Am Ende sind alle wieder auf ihren Booten und glücklicherweise ist nichts kaputt gegangen.

Die Zeit ist gefüllt mit Alltagsgetüddel. Handtücher und Bettwäsche haben wir an Land zum Waschen gegeben, alles andere wird an Bord mit der Hand gewaschen. Wir kaufen im Supermarkt ein, Obst und Gemüse gibt es auf dem Markt und Baguette in der Bäckerei. Baguette scheint subventioniert zu werden, es kostet nur 10 Cent, doch auch sonst sind die Preise nicht so hoch wie die Insellage vermuten lassen würde. In einem Café, nur eine Querstraße vom Hafen entfernt, gibt es einen leckeren Mittagstisch und fantastischen Kaffee. Fritierte Kleinigkeiten zum Mittagessen, wie Samosas und Frühlingsrollen, kosten am Stand bei der Bank nur etwa einen Euro. Für uns beide zusammen. Vormittags ist buntes Leben auf den Straßen von Port Mathurin, nachmittags wird es ruhig und um kurz nach vier werden die Bürgersteige hochgeklappt. Alle Läden sind dann geschlossen und es wird noch ruhiger. Die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit. Fast alle sprechen neben Kreol und Französisch auch Englisch und sind offen und kommunikativ. Man grüßt sich auf der Straße und lächelt sich an. Hier kann man es sehr gut aushalten.

Es ist einigermaßen kompliziert an eine SIM-Karte zu kommen. Zuerst gehen wir zum Port Captain, erklären, dass wir eine SIM-Karte kaufen wollen und bekommen einen Brief, der bestätigt, dass wir im Hafen liegen. Im Laden der Telefongesellschaft ist es rappelvoll und als wir nach langem Warten endlich dran sind, erklärt uns die Mitarbeiterin, dass sie uns nicht im System finden könne, wir müssten zur Immigration oder zur Polizei gehen. D.h. eine Mitarbeiterin eines Telefonladens kann auf die Daten der Einwanderungsbehörde zugreifen? Vielleicht gar mit ihrem privaten Telefon? Wir versuchen nicht über Datenschutz und Datensicherheit nachzudenken und laufen zur Immigration. Der Mitarbeiter lernt von seiner Vorgesetzten, wie man uns ins System einträgt. Unter „Bootsname“ gibt man den Namen des Bootes ein… Es dauert ewig. Dann geht’s wieder zur Telefonladen, dort ist es immer noch sehr voll. Als wir endlich dran sind, stellt die Mitarbeiterin fest, dass sie uns noch immer nicht finden kann. Wir laufen also wieder zur Immigration. Nach dem wir eine halbe Stunde im Büro gewartet haben und niemand auftaucht, haben wir keine Lust mehr und gehen Kaffee trinken.
Zwei Tage später versuchen wir erneut unser Glück. Bei der Immigration werden wir nun beide erneut ins System eingegeben, diesmal geht es viel schneller. Auch beim Telefonladen brauchen wir kaum warten, hier ist es heute nicht so voll. Zunächst versuchen wir es mit meinem Pass, doch das System findet mich nicht, aber Nobbi wird gefunden. Nun ist es ganz einfach und wir können eine Touristen-SIM-Karte für umgerechnet 15 Euro mit unglaublichen 200 GB Datenvolumen kaufen.

Fischer an der Riffkante hinter unserem Heck
Hier gibt es Leckereien zum Mittagessen
Nobbi im Café
Die Container werden Sack für Sack ausgeladen
Fast alle Menschen sind sehr kommunikativ und offen
Der wichtigste Laden: in dieser Bäckerei gibt es die leckeren Baguettes.
Das Versorgungsschiff läuft aus.

Segler Hugh hat ein Auto gemietet und lädt uns zu einem Ausflug ein. So eine Gelegenheit lassen wir uns nicht entgehen. Morgens trifft sich unsere kleine Reisegruppe auf der Pier. Wir sind zu fünft, vier Boote sind vertreten. Im Naturschutzgebiet Grand Montagne machen wir eine geführte Wanderung. Wir erfahren einiges über die Tiere und Pflanzen der Insel. Viele Pflanzen haben sich an die großen Schildkröten angepasst, die alle Blätter fressen, die sie erreichen können. Häufig weisen die heimischen Pflanzen Heterophyllie auf, d.h. sie haben im bodennahen Bereich andere, stachelige Blätter als in Regionen, die die Schildkröten nicht erreichen können. Die Geschichte der Insel ist traurig und leider typisch. Die Schildkröten wurden innerhalb weniger Jahre ausgerottet, eigneten sie sich doch ausgezeichnet als Frischproviant auf Schiffen, der Regenwald wurde abgeholzt und eingeführte Haustiere bedrohten die heimische Tierwelt. Wir sehen viele Vögel und besondere Pflanzen, die wir ohne unseren Guide nicht erkannt hätten.
Nachmittags fahren wir an die Südküste, besuchen wunderbar feine, weiße Strände, legen eine Pause am Kite-Surfer Strand ein und trinken ein Bier auf der Terrasse eines netten und vermutlich sehr teuren Strandhotels. Auf der Südseite der Insel sind die Hänge nicht ganz so steil, dafür noch trockener. Überall weiden Ziegen und Kühe, sogar am Strand. Entlang der Küstenstraße sehen wir Oktopusse, die in der Sonne zum Trocknen aufgehängt wurden. Es gibt einige sehr schöne Anwesen, die meisten Menschen leben hier aber ein einfaches und armes Leben.
Vielen Dank an Hugh für die Einladung. Wir hatten einen tollen Tag und haben viel von der Insel gesehen!

An der Station geht’s los.
Ausblick über die Nordostküste und das Riff.
Wunderschöne Seidenspinne
Hat sie nicht tolle, rote Beine?
Segler beim Landgang
Der Madagaskarweber hat das schönste Kleid.
Den Rodriguesweber gibt es nur hier, auf Rodrigues.
Dies ist Ramosmania rodriguesii, sie war eine der seltensten Pflanzen der Welt. Es gab nur noch ein einziges Exemplar! Die Vermehrung war schwierig und erst nach vielen Versuchen gelang es in Kew Gardens Pflanzen zu ziehen, die Früchte bilden.
Stopp am Wurststand
Der Strand der Kite-Surfer

Ankunft auf Rodrigues

Nach dem vorangegangenen windigen Teil der Passage sind diese ruhigen Tage eine nette Abwechslung. Teilweise haben wir nur noch knappe 3Bft. Von achtern ist das auf dem Ozean ein bisschen wenig. Wir können geradeso segeln. Wir baumen die Fock aus, mal an Steuerbord, mal an Backbord und rollen sie etwas ein, Hauptsache sie schlägt nicht. Das nervt und macht das Segel kaputt.
Dann kommt die hohe Welle von dem riesigen Tief im Süden, die uns schon vor einige Tagen im Wetterbericht angekündigt wurde, und überlagert sich mit der kurzen Windsee aus Osten. Anders als befürchtet ist das nicht schlimm. Die Welle aus Süden ist zwar hoch aber sehr lang und so segeln wir mal bergauf, mal bergab. Das Wellenmuster ist merkwürdig, manchmal kann man kaum sagen, ob eine Welle auf einen zukommt oder wegläuft.

Am letzten Tag auf See frühstücken wir gemütlich im Cockpit, duschen und starten dann den Wassermacher. Innerhalb nur einer Stunde nimmt der Wind von drei Beaufort auf fünf bis sechs zu. Wir beschließen das zweite Reff wieder einzubinden. Dabei entdecken wir, dass an Deck ein (kaputter) Sicherungsring liegt. Das ist nicht gut, der fehlt irgendwo. Schnell stellen wir fest, dass er vom Lümmel stammt, d.h. von der Verbindung zwischen Baum und Mast. Das hätte sich spektakulär entwickeln können. Ein Hammerschlag bringt den Bolzen wieder an seinen Platz, ein neuer Sicherungsring hält ihn hoffentlich in Position.
Als Nobbi den Wassermacher spülen und ausschalten will, läuft die kleine Förderpumpe nicht. Ein Kabel ist lose, eine Sicherung durchgebrannt. Nobbi ersetzt die Sicherung und bastelt das Kabel wieder an. Die Pumpe läuft trotzdem nicht. Dann kippt der Elektrokoffer aus und die Ersatzteile ergießen sich auf den Fußboden. Stecker, Schalter, Schrumpfschläuche, Klemmen, Kabelschuhe und Werkzeuge. Leider haben wir in der Hektik eins der Ventile vom Wassermacher nicht geschlossen und so geht fast das ganze frisch produzierte Wasser wieder verloren. Es reicht, das Chaos ist groß genug. Wir sammeln alle Teile ein und beschließen den Fehler später am Ankerplatz zu suchen.
Zum Luftholen setzen wir uns ins Cockpit, kaum entspannen wir ein wenig, klatscht eine vorwitzige Welle an die Bordwand, schwappt über die Sprayhood und ergießt sich über uns. Mein frisches T-Shirt, die gerade gewaschenen Haare, die Kissen – alles ist nass.
Wenige Stunden später entscheiden wir uns für das dritte Reff. Der Wind nimmt immer weiter zu und außerdem sind wir zu schnell. Wir können Rodrigues heute nicht mehr erreichen und wollen, wenn irgend möglich, nicht im Dunkeln ankommen. Auch das Bimini packen wir wieder ein.
Nobbi hängt schon wieder kopfüber überm Wassermacher, er mag nicht warten und will das Problem finden. Zufrieden taucht er wieder auf. Die Pumpe schnurrt wieder. Es gab noch ein loses Kabel.
Der Seegang nimmt schnell zu. Leider kommen Wind und Welle von der Seite, von achtern wäre es netter. Abends haben wir 30 Knoten Wind, in Böen über 40. Das sind sieben Beaufort in Böen acht bis neun. Das wäre jetzt nicht nötig gewesen. Nach den ruhigen Tagen fällt es uns schwer sich wieder daran zu gewöhnen, an das Heulen des Windes und die heranrauschenden Wellen. Aber eigentlich geht’s ganz gut, Mari macht das schon. In der zweiten Hälfte der Nacht nimmt er Wind etwas ab. Trotzdem haben wir das Vorsegel so weit wie möglich verkleinert und das Groß weit geöffnet. Langsam segeln ist bei so viel Wind schwierig.

Um Mitternacht sehen wir die Lichter von Rodrigues. Als es gegen fünf langsam hell wird, können wir die grünen Hänge der Insel bereits gut sehen, falls sie nicht gerade in einem Schauer verschwinden.
Gegen sechs sprechen wir mit der Coast Guard, fahren in die Mathurin Bay, ankern dort vor dem Hauptort und warten auf weitere Anweisungen. Kaum ist der Kaffee fertig, werden wir angefunkt. Wir sollen ins Hafenbecken fahren und dort ankern. Das Hafenbecken ist eine rechteckige Fläche, die vor der Handelspier ins Riff gesprengt wurde. An der Pier liegt der Versorgungs-Frachter „Peros Banhos“.
Wir hatten erwartet eine ganze Reihe von Yachten zu treffen, doch außer uns, sind nur zwei weitere hier. Skyfall, die Yacht, die wir auf See getroffen haben, ist einen Tag vor uns angekommen, und Mehalah ankert gleichzeitig mit uns.

Ein Boot kommt längsseits und bringt die Offiziellen an Bord. Zwei sind von der Gesundheitsbehörde, einer von der Coast Guard, einer von der Hafenbehörde, einer ist zuständig für Drogen. Bei den anderen wissen wir es nicht. Alle sind sehr freundlich, wir füllen viele Seiten aus und bekommen erklärt, wie wir weiter vorgehen sollen.
Nach dem Frühstück pumpen wir gerade das Dinghi auf, als wir angefunkt werden, wo wir blieben. Wir sollen an Land kommen. Bei Immigration füllen wir zwei Formulare pro Person und zwei Formulare pro Boot aus. Im Nachbarbüro beim Zoll füllen wir acht Formulare (oder waren es noch mehr?) aus und anschließend zwei, die an die Hafenbehörde weitergegeben werden. Immer wieder Bootsname, Registrierungsnummer, Heimathafen, Passnummern. Nein, wir haben keine Fracht an Bord. Es geht flott, der Mann vom Zoll hilft ordentlich beim Ausfüllen. Das kannst du einfach weglassen, hier musst du nur unterschreiben. Und so weiter. Dann schenkt er mir einen Apfel, über den ich mich sehr freue. Wir haben vor zwei Tagen unseren letzten Apfel gegessen.
Als nächstes müssen wir eine Gebühr für die Inspektion durch die Gesundheitsbehörde bezahlen. Umgerechnet 35 Euro kostet der Spaß, kein Schnäppchen, aber es sind die einzige Gebühren, die bei der Einreise anfallen. Wir brauchen Bargeld und gehen zunächst zum Geldautomaten.
Zwei Minuten vor 14 Uhr finden wir den richtigen Schalter. Ein Schild informiert, dass man passend zahlen muss. Kleingeld haben wir nicht, versuchen es aber trotzdem. Die Dame wechselt unsere großen Scheine und wir bekommen eine Quittung. Dann schließt sie, der Schalter öffnet erst am Montag wieder. Glück gehabt!
Mit unserer Quittung können wir bei der Gesundheitsbehörde ein Einklarierungspapier bekommen. Das Büro befindet sich im Obergeschoss vom Marktgebäude. Ein Schild gibt die Öffnungszeiten an. Montag bis Freitag von neun bis zwölf. Wir hören, dass noch jemand im Büro ist, unterhalten uns etwas lauter und gucken durch alle Fenster. Es klappt, ein Mitarbeiter öffnet für uns den Schalter und übergibt uns das Dokument. Sehr nett, wie wir finden!

Nun sind wir mit den offiziellen Teil fertig und es beginnt die Kür. Auf dem Markt kaufen wir Ananas, Kiwi und Äpfel, dann reißen wir uns los. Die Bäckerei finden wir mit der Nase. Baguette und zwei Törtchen reichen für den ersten Hunger. Im Supermarkt wähnen wir uns im Schlaraffenland. All die feinen Dinge. Schinken, Butter, Käse (kein Cheddar-artiges Zeug das entfernt an Käse erinnert, sondern richtiger Käse!), dazu Rotwein und mauretanischer Rum. Mit leuchtenden Augen laufen wir durch die Gänge, bestaunen wunderbare Konserven (wie grüne Bohnen und saure Gurken) und Schokolade.
Unser letzter Einkauf in Belitung ist sechs Wochen her und war eher enttäuschend, seit dem letzten besser ausgestatteten Supermarkt sind zehn Wochen vergangen. Diese Auswahl an (bezahlbaren!) Leckereien haben wir seit Dili vor über einem Jahr nicht mehr gesehen.
Abends sind wir beim Nachbarboot auf einen Drink eingeladen, dann fallen wir sehr müde ins Bett.

Wir sind stolz auf uns und unsere Marisol. Die 2000 Meilen haben wir 15 Tagen und 20 Stunden zurückgelegt und waren damit etwas langsamer als gedacht. Einige Tage waren wir sehr schnell unterwegs, an anderen konnten wir gerade eben segeln. Der Indische Ozean ist seinem Ruf gelegentlich ein „nasty ocean“ zu sein gerecht geworden. Der Seegang war durchaus imposant. Unser drittes Reff hatten wir zuvor noch nie eingebunden.
Unser besonderer Dank gilt Mareike und Philipp, die uns immer dann via InReach mit Wetterberichten versorgt haben, wenn Starlink nicht kooperieren wollte. Inzwischen können wir an der Wellenhöhe ablesen, ob wir wohl eine Internetverbindung bekommen werden. Wie im richtigen Leben sind gute Freunde eben wertvoller als technische Gimmicks. Außerdem gibt es von ihnen neben den nüchternen Informationen auch aufmunternde Worte.

Unsere Windsteueranlage steuert Mari unermüdlich und fehlerlos.
Bei wenig Wind gibt’s Auslauf auf dem Vorschiff.
Wie genießen die ruhigen Tage.
Eine unvergessliche Walbegegnung
Sonnenaufgang auf See.
Mitten auf dem Ozean treffen wir die Yacht Skyfall.
Einfahrt nach Port Mathurin.
Die Offiziellen kommen an Bord.

Zwischen Cocos und Rodrigues

Heute (7.10.) ist Tag 13 unserer Überfahrt. Wir segeln Schmetterling, das Groß an Steuerbord, die Fock Backbord. Einige hübsche Wölkchen verzieren den blauen Himmel. Wir sitzen im Cockpit und lesen, in der Pantry kühlt der Vanillepudding ab. Ein traumhafter Segeltag. Auch gestern war es schon so schön. Zwar hätten wir ein wenig mehr Wind vertragen können, aber wenn es so gemütlich ist an Bord, will man sich nicht beklagen.
Es wird nicht so bleiben. Die Bewegungen der See werden langsam konfuser. Die Windsee kommt von achtern, eine lange Dünung kommt aus Süden, also von Backbord.
Auch die bisherigen Bedingungen waren, gelinde gesagt, abwechslungsreich.

Schweren Herzens gehen wir am 25. September Anker auf und verlassen die türkise Lagune von Cocos. Noch lange sehen wir die weißen Wattewolken, deren Unterseite grünlich die Lagune von Cocos Keeling reflektieren.
Die ersten zwei Tage sind wir mit moderatem Wind recht gemütlich unterwegs. Die Seebeine können langsam wachsen und wir finden in unseren Wachrythmus.
Am dritten Tag nimmt der Wind zu. Immer wieder haben wir Böen um 30 kn. Das sind sieben Bft. Vor der Nacht binden wir das zweite Reff ein und verkleinern die Fock. So sind wir die nächsten drei Tage unterwegs. Der Wind weht mit fünf bis sechs Beaufort und immer wieder haben wir siebener Böen. Es ist nicht gemütlich, aber wir sind flott unterwegs. Die Wellen werden immer höher und sind teilweise sehr konfus, dadurch ist das Leben an Bord sportlich. Jeder Handgriff will geplant werden. Lässt man seine Müslischale los, ist sie weg. 
Am siebten Tag haben wir durchgehend mindestens sechs Beaufort, die Böen erreichen acht Windstärken. Der Wind kommt südlicher und so segeln wir zwischen halben und raumem Wind. Die Böen können ihre Kraft voll entfalten. Zeit das dritte Reff einzubinden, zum ersten Mal auf dieser Reise. Der Wind heult im Rigg, die Geräusche machen Stress. Das Bimini macht Flap-Geräusche und knallt wenn eine Böen drunterfasst. Das nervt. Wir bauen es ab. Eine gute Idee, wir haben noch genauso viel Wind, aber es hört sich nicht mehr so bedrohlich an.
Die Wellenhöhe hat auf  4m zugenommen. Das heißt dazwischen gibt es auch sehr viel höhere Wellen. Überall weiße Kappen um uns herum. Der Seegang ist kein Problem, nur manchmal wird einem ein bisschen merkwürdig, wenn sich plötzlich so ein tiefes Wellental auftut. Mari stört das alles wenig, sie segelt unbeirrt immer weiter und weiter. Maris erste Besitzerin nannte ausgerechnet die Irische See ihr Heimatrevier. Ein Segelrevier, das für seine rauen Bedingungen bekannt ist. Diesem Umstand verdanken wir es, dass unser Rigg zusätzlich ein Babystag und Backstagen hat, und der Mast damit quasi besonders gut abgespannt ist. Backstagen können wirklich nerven bei diesem Wetter aber wir wissen sie jetzt zu schätzen.
Nahezu durchgehend fliegt Wasser ins Cockpit. Der untere Teil des Steckschotts sorgt dafür, dass das Wasser nicht in die Kabine kommt. Die Nachtwachen verbringen wir auf dem Fußboden sitzend. Dort kann man nicht um- oder runter fallen. Der Comfort Seat zwischen Navisitz und Pantry positioniert stellt sich als überraschend gemütlich heraus. Nur gelegentlich stecken wir die Nase raus um Luft zu schnappen und  sicherzugehen, dass hier niemand anders unterwegs ist. Ab und zu regnet es, merkwürdigerweise ist es eher Sprühregen, kein kräftiger Schauer.
Am neunten Tag, mittlerweile haben wir den dritten Oktober, nimmt der Wind ab, wir nehmen ein Reff aus dem Groß und sind weiter flott unterwegs. Noch immer gibt es diese Sprühschauer, aber dazwischen ist es nett.
Der nächste Tag erwartet uns mit schönstem Segelwetter: Sonne, blauer Himmel, der Ozean leuchtet in seinem schönsten Blau. Der Wind hat weiter nachgelassen, Zeit weiter auszureffen. Gerade sind wir mit dem Manöver fertig, erleben wir so einen wunderbaren Moment, der alle mühsamen, unbequemen, respekteinflößenden Segelstunden und -tage wegwischt. Eine Gruppe von Walen hat uns entdeckt und kommt neugierig näher. Es sind wohl etwa 15 Tiere, die größten vielleicht sieben oder acht Meter lang. Sie kommen ganz dicht ans Boot und schauen uns an. Dann schwimmen sechs Tiere nebeneinander direkt unter unserem Heck und drehen ihren Bauch nach oben. Ein unglaublicher Augenblick. Deutlich können wir die Pfeiflaute hören, mit denen sie sich verständigen. Immer wieder kommen die Tiere ganz dicht vorbei, bevor sie Kurs ändern und in der blauen Weite des Ozeans verschwinden.

Der Wind nimmt weiter ab und die Segel beginnen zuschlagen. Wir suchen einen Kurs und eine Segelstellung, bei der nicht ständig unser Rigg geschüttelt wird. Nach wenigen Stunden ist das schöne Wetter vorbei. Aus allen Richtungen ziehen große Wolken auf. Es ist verrückt,  es sieht aus als würden sich hier alle Wolken tummeln, die der Wettergott gerade nirgends unterbringen konnte. Die Wolken haben keinen Wind im Gepäck. Es bleibt schwachwindig und die zweite Hälfte der Nacht ist sternenklar.

Tag 11 unserer Überfahrt beginnt mit einem schönen Sonnenaufgang, das erste Mal auf dieser Etappe wird die Sonne nicht von großen Wolken versteckt.
Da wir weit südlich unserer Kurslinie stehen und mit dem schwachen Ostwind und der konfusen Dünung unseren Westsüdwest-Kurs nicht halten können, halsen wir. Gelegentlich schwächelt der Wind, dann fällt Mari in ein Loch und die Segel schlagen. Aber das Wetter ist wunderbar. Blauer Himmel und Sonnenschein, Zeit das Bimini wieder aufzubauen. Segeln kann so entspannend sein!

Das Tief nördlich von uns füllt sich nur langsam auf. Wir stellen fest, dass es einen Namen bekommen hat: „Ancha“. Quasi ein erster potentieller Zyklon der Saison. Das braucht man nun wirklich nicht. Es hat aber nur noch 25 kn Wind in seinem Zentrum und tut uns nichts. Südlich von uns kocht die Wetterküche und wird uns in den nächsten Tagen wohl eine hohe Welle schicken. Das hört sich ungemütlich an. Ein Grund mehr das schöne Wetter und die angenehmen Bedingungen zu genießen. Und Gelegenheit uns ein wenig zu pflegen. Ich habe nur einige blaue Flecken. Nobbis linker Arm schmerzt seit einem etwas verunglückten Dinghi-Anlegemanöver in Belitung und war gerade etwas besser geworden, als er in Cocos wieder bei einem Dinghimanöver an unserer Bordwand in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das ewige Festhalten, sich Abstützen und die Reffmanöver dienten nicht der Schonung. Aber sein blaues Auge ist kaum noch zu sehen. Er ist von einer großen Welle durch die Kabine katapultiert worden, hat sich mit dem schmerzenden Arm am Küchenblock abgefangen und ist mit dem Kopf am Fensterverschluss aufgekommen.

Seit über einer Woche haben wir kein Schiff gesehen und jetzt treffen wir hier 1400 Meilen von Cocos entfernt eine Yacht, die einen Tag nach uns losgefahren ist. Das ist lustig und extrem unwahrscheinlich. Wir plaudern ein wenig über Funk mit der Crew der Skyfall, kurz darauf sehen wir einander nicht mehr.
Eine wunderschöne Segelnacht verwöhnt uns.  Wir wecken einander nun wieder mit Informationen zu Sternenbilder. „Ori (Bordslang für Orion) wartet schon auf dich, Venus und Mond sind nicht mehr zusehen, Jupiter steht nahe des Aldebaran“.

Abschiedsschmerz

Wir könnten immer so weiter machen. Ein bisschen am Boot tüddeln, ein Brot backen, spazieren gehen, baden, schnorcheln, mit den Krebsen spielen, die türkise Lagune betrachten und andere Segler treffen.
Zwischendurch gibt es mal einen heftigen Guss oder kräftige Böen. Bei mehr Wind baut sich eine kleine Welle in der Lagune auf, die dafür sorgt, dass wir bei Dinghi-Fahrten klatschnass werden. Deshalb fahren wir dann in Badezeug an Land. Warm genug ist es.
Morgen oder übermorgen werden wir weiterfahren. 2000 Meilen und zweieinhalb bis drei Wochen sind es nach Rodrigues, unserem Ziel. Wir hoffen auf eine unspektakuläre Überfahrt ohne Schäden.

Ein Spaziergang auf der Palmenallee.
Seglertreffen zum Sundowner.
Sonnenuntergang
Abends auf dem Weg zum Steg stolpern wir fast über diesen großen Palmendieb. Diese großen Krebse können durchaus siebzig Jahre alt werden!
Kokospalmen gab es hier schon bevor die Plantagen angelegt wurden.
Auf einem Boot gibt es immer etwas zu tun. Nobbi repariert den Kartentisch.
Auch im Paradies wird auf der Windseite Müll angespült.
Nobbi rettet ein Einhorn vom Riff.
Krebse werfen coole Schatten!
Der Strand ist so schön und der Sand so fein, dass sogar Strandmuffel Nobbi hier baden möchte.
Er, oder sie, zieht seit Stunden Kreise um unser Boot.
Im Abendlicht auf dem Steg.

Post aus der Kombüse

„Inga, was kochst du?“ Ich soll öfter schreiben, was wir kochen wenn wir weit weg von gut gefüllten Supermärkten unterwegs sind, nur vergesse ich das immer.

Quinoa Frühstück
Quinoa waschen und in einer Mischung aus Wasser und Orangensaft kochen. Dazu gibt es Apfelstückchen, getrocknete Aprikosen, Rosinen, gehackte Mandeln und Honig. Sehr lecker!

Wrap mit Ei
Ein (Rühr-) Ei (oder zwei, wenn die Versorgungslage das her gibt) in die Pfanne schlagen und einen Wrap aufs noch flüssige Ei legen so, dass die beiden eine innige Verbindung eingehen. Umdrehen und auch von der anderen Seite braten. Mit Tomaten, Gurken und Zwiebel belegen und großzügig würzen. Ketchup, Mayo oder Chilisoße helfen, wenn man keine Avocados hat (also meistens) oder zu faul ist eine Guacamole zu machen. Als wir keine Tomaten und Gurken mehr hatten, haben wir die Wraps mit gedünstetem Kohl belegt.

Möhren-Kartoffel-Puffer
Aus unseren letzten Kartoffeln habe ich Möhren-Kartoffel-Puffer gemacht. Möhren und Kartoffeln reiben, mit Senf, Salz und Pfeffer würzen, ein paar Haferflocken unterrühren und mit etwas Mehl binden. Eine Viertelstunde ruhen lassen und in Öl kleine Puffer braten. Dazu gab es einen Tsatsiki- ähnlichen Dip aus Joghurt.

Da wir nicht nur den Quinoa, sondern auch die Wraps und die Kartoffeln aufgegessen haben, wird es in den nächsten drei Wochen, bis wir einen Supermarkt erreichen, etwas anderes zu essen geben.

Ein Bootsschild für den Yacht Club

An einigen Orten ist es Tradition, dass Segler sich verewigen. Hier auf Cocos ist es üblich ein Schild mit dem Namen des Bootes zu malen und es an einer Palme oder am Yacht Club aufzuhängen. Die Bezeichnung Yacht Club könnte falsche Assoziationen wecken, es handelt sich um einen überdachten Sitzplatz mit Beleuchtung und einem großen Wassertank, in dem Regenwasser gesammelt wird.
Einige Basteleien sind sehr kreativ. Es gibt Schiffsmodelle und Fischerbojen bemalt als Globus, alte Flaggen und sogar ein Stück eines Segels. Es wurde lackiert, betakelt, geschnitzt, in Stein gehauen und sogar gestrickt. Die Kreationen bestehen aus allem, was sich an Bord findet oder am Strand gesammelt wird, folglich gibt es viele Werke aus FlipFlops.
Das älteste Schild, das wir gefunden haben, ist aus 2009, die meisten sind ziemlich jung. Zwischendurch hat wohl ein Sturm aufgeräumt oder die alten Schilder wurden abgenommen. Es macht Spaß nach Schildern von Crews zu suchen, die wir kennen.

Natürlich werden auch wir aktiv und ich bemale ein Stück Holz mit dem Marisol Schriftzug. Mir macht es Spaß, auch wenn ich immer etwas Angst davor habe eventuell eine Farbdose umzukippen. Alle fünf Farben kommen zweimal zum Einsatz und so bin ich einige Tage immer wieder beschäftigt. Um unser Schild aufzuhängen leihen wir uns eine Leiter bei einer kleinen Baustelle. Nobbi hat neben einem Schraubbolzen auch eine Unterlegscheibe, einen Akkuschrauber, Bohrer, einige Leinen und Bändsel und noch weiteren Kleinkram eingepackt und so hängt unser Schild nun weit oben an einer Palme.

Der Yacht Club mit den Schildern der Boote

Cocos Keeling: Schöner wird’s nicht

Die Lagune leuchtet in allem Blautönen von eisblau über türkis bis dunkelblau. Das Wasser ist so klar, dass man nicht nur Haie und Doktorfische sieht sondern auch jeden Seegrashalm und jede Seegurke. Der weiße Strand ist aus ganz feinem Sand, die Palmen rascheln im Wind. Wir werden nicht müde an Deck zu stehen und uns an den Wasserfarben zu freuen. Es ist unmöglich inmitten dieser Türkisität schlechte Laune zu haben.
Cocos Keeling, die Keelinginseln oder Kokosinseln, sind eine kleine zu Australien gehörende Inselgruppe, die aus zwei Atollen besteht. Nord-Keeling ist heute Naturschutzgebiet und darf nicht betreten werden. Wir ankern im südlichen Atoll, auf dessen Ring 24 Inseln liegen. Der Ankerplatz an dem Yachten stoppen dürfen, liegt vor Direction Island. Diese Insel ist unbewohnt, nur auf Home Island und auf West Island leben Menschen.

Knapp 600 Menschen nennen diesen abgelegenen Ort Heimat. Auf Home Island wohnen die Cocos-Malaien. Die Gemeinde umfasst etwas mehr als 400 Menschen moslemischen Glaubens. Die meisten nicht moslemischen Bewohner leben auf West Island. Die australisch-moslemische Gemeinde verdankt Cocos seiner ungewöhnlichen Geschichte.
Die Atolle wurden vermutlich 1609 von William Keeling, der Kapitän bei der Britischen Ostindien-Kompagnie war, entdeckt. James Horsburgh kartographierte die Inseln, nach ihm ist heute eine der Inseln benannt. Auf den Inseln strandeten einige Schiffe, deren Besatzungen sich daraufhin für einige Zeit hier aufhielten.
Nun wird die Geschichte gelinde gesagt skurril. 1826 wurde Alexander Hare von den Niederländern hier hergeschickt. Er war vorher Commissioner in Borneo gewesen. Er brachte seine malaiischen Leibeigenen und seinen 40-köpfigen Harem mit. Er, also vermutlich eher seine Arbeiter, legte Kokosplantagen auf drei der Inseln an. Nach Konflikten mit seinem Verwalter John Clunies-Ross verließ er die Insel. Dieser übernahm die autoritäre Herrschaft, führt eigene Gesetze und eine eigene Währung ein. Zwischenzeitlich müssen furchtbare Zustände geherrscht haben. Er und nachfolgend seine Söhne herrschten bis die australische Regierung 1968 auf die feudalen Zustände aufmerksam wurde und die UN schließlich einen Bericht forderte. Um den unhaltbaren Zustand zu beenden kaufte Australien der Familie Clunies-Ross die Inseln ab. Seitdem wird auf Kokos Keeling demokratisch gewählt, es gilt der australische Dollar und Australien kümmert sich um die Infrastruktur, wie Krankenversorgung und Schule.

1900 wurde ein Unterseekabel von West-Australien nach Cocos verlegt und weiter nach Rodrigues (bei Mauritius) und später nach Singapore. So wurden Australien und Europa verbunden. Bald kam ein Turm für die Funkverbindung mit Schiffen hinzu. Seit 1901 gab es auf Direction Island eine Station der britischen Telegrafie Firma. Auf Direction Island gab es Wohnhäuser, Büros und Freizeiteinrichtungen. Auf Grund der Strategischen Bedeutung spielte Cocos in beiden Weltkriegen eine kleine Rolle. 1914 tauchte das deutsche Kriegschiff Emden hier auf, mit dem Auftrag das Unterseekabel und die Funkverbindung zu zerstören. Das gelang teilweise, bevor die Emden wiederum von der Sydney so schwer beschädigt wurde, dass sie aufgegeben werden musste. Die Geschichte, wie die Besatzung der Emden mit einem schwer beschädigten Schoner nach Sumatra segelte und es von dort via Jemen zurück nach Deutschland schaffte, ist mehr als wild.
Auch im zweiten Weltkrieg wurde Cocos nicht verschont. 1944 fielen zwei japanische Bomben auf das Atoll und einige Menschen wurden getötet. 1945 waren hier für einige Wochen mehr als 8000 Soldaten stationiert.

Die Geschichte dieses kleinen Atolls kann man auf einem kleinen Wanderweg über Direction Island erkunden. Der Weg ist nur gute drei Kilometer lang, da alle paar hundert Meter ein Schild steht, das gelesen werden möchte, waren wir über zwei Stunden unterwegs.

Die Tage vergehen schnell. Rumgetüddel im Boots-Haushalt, baden, ein Inselspaziergang, Schnorcheln, Treffen mit anderen Seglern zum Sundowner an Land. Waren wir bei Ankunft das einzige Boot, herrscht nun ein stetes Kommen und Gehen. Wir freuen uns nette Segler kennenzulernen, viele werden wir wieder treffen, haben wir doch alle das gleiche Ziel.

Zwei sehr nette Australier laden uns zu einem Ausflug ein. Nur einmal in der Woche gibt es die Möglichkeit mit der Fähre nach Home Island zu fahren, dann kann man jedoch nicht weiter nach West Island fahren, weil man sonst die Fähre, die einen zurück nach Direction Island bringt verpasst. Mit dem großen Dinghi fahren wir nach Home Island und nehmen von dort die Fähre nach West Island. So haben wir die Möglichkeit beide bewohnte Inseln zu sehen.

Auf Home Island bekommen wir Australische Dollar am Geldautomaten und kaufen in dem kleinen Supermarkt ein. Natürlich sind die Inselpreise sehr hoch, aber wir freuen uns über frische Eier! Im Shire Office bezahlen wir die Ankergebühr für den Liegeplatz. Dann sehen wir uns etwas im kleinen Ort um und trinken Kaffee.
Eine moderne Fähre bringt uns auf die andere Seite der Lagune nach West Island, ein Bus fährt in den Ort. Wie nicht anders zu erwarten ist es hier sehr ruhig. Wir sehen uns bei der Tourismus Information um und besuchen die Polizei. Hier bekommen wir unsere Clearance, so dass wir nächste Woche weiter segeln können.
Zwar gibt es auf West Island einige Gästehäuser, ein Café, eine Bar, eine Galerie und zwei Restaurants, jedoch sind die Öffnungszeiten sehr übersichtlich. Die Galerie hat schon wieder geschlossen, ist zu Fuß nicht erreichbar und der Fahrradverleih hat nicht geöffnet. Mittagessen im Restaurant gibt es zwischen 11:30 und 13:00. Das Café, das andere Restaurant und die Bar sind zu. Nach dem Essen laufen wir die 4 km zurück Richtung Fähre und machen ab und zu eine Pause am Wasser.
Hier sehen wir einige Palmendiebe, die riesigen Krebse, die Kokosnüsse knacken. Die großen Exemplare laufen über den Weg, wollen dann aber nicht aus ihren Löchern kommen, die kleineren zeigen sich bereitwillig. Auf Direction Island haben wir diese besonderen Krebse bisher nicht gesehen, bekannt sind sie vor allem von Christmas Island.

Mit der Fähre geht’s wieder nach Home Island und mit dem Dinghy zurück zum Ankerplatz. In unserem kleinen Schlauchboot mit 3PS Motor wäre das eine sehr lange, mühsame und nasse Fahrt geworden. Wir danken Pete und Angus sehr für die Gelegenheit beide Inseln zu sehen und für die nette Gesellschaft.