Schöne und fleißige Tage in Cairns

Bei fantastischem Wetter sind wir in Cairns angekommen, es herrscht Urlaubsgefühl. Die dunkelgrünen Berge geben einen Hinweis darauf, dass das Wetter nicht immer so schön ist. Leider erwischen wir eine Regenperiode. Es regnet und regnet. Wir laufen jeden Tag zum Supermarkt und tragen eine große Rucksackfüllung an Bord. Das Angebot ist sehr gut und die Preise durchaus akzeptabel, insbesondere im Vergleich zu Vanuatu und Neukaledonien. Eine gute Gelegenheit die Vorräte aufzustocken. Vor allem, weil Australien nördlich von hier sehr dünn besiedelt ist und es lange dauern wird, bis wir wieder in der Nähe eines Supermarktes liegen. Lauter Leckereien wandern in unsere Schapps, Nüsse und Körner, Rotwein, allerlei Dosenfutter, Getränke, Haferflocken, usw. Fast alle Gläser sind bereits wieder mit vorgekochten Gerichten gefüllt. Besonders freuen wir uns über das reichliche Obst- und Gemüseangebot zu traumhaften Preisen. Auf dem Markt kaufen wir ganze Rücksäcke voller Maracujas, Melonen, Avocados, Grapefruits, Papayas, Paprikas, Tomaten und Gurken. Und wir nutzen die Chance Dinge zu essen, in deren Genuss Langfahrer nur selten kommen, wie zum Beispiel frische Pilze.

Ein neues Land ist immer spannend, auch bei alltäglichem erlebt man etwas. Wir lernen, dass wir vormittags zwar Bier und Rum kaufen können, die kleinen Weinkanister dürfen wir aber erst nach 16 Uhr. Australien hat viele Regeln. Gasflaschen dürfen nicht im Auto transportiert werden, für uns kein Problem, wir haben ja kein Auto. Aber wir wollen eine australische Gasflasche kaufen. Der Marina-Mitarbeiter, den wir fragen, wo wir eine Flasche kaufen könnten, fährt uns kurzerhand zu einer Tankstelle, die Gas verkaufen und bringt uns wieder zurück zum Schiff (übrigens ganz legal mit dem Pickup). Ausgesprochen nett! Nach 10 Monaten können wir zum ersten Mal eine Waschmaschine nutzen. Bei dem regnerischen Wetter freuen wir uns auch über den Trockner.

Inzwischen ist auch die Biosecurity-Inspektion abgeschlossen. Der Ärger darüber, dass wir nicht nur die Preissteigerung ab dem 1. Juli, sondern auch einen Überstunden- und Wochenendzuschlag bezahlen mussten, obwohl wir am Donnerstagvormittag im Juni eingereist sind, ist zwar nicht ganz vergessen aber immerhin verdrängt.

Am Sonntag ist das Wetter schöner und wir machen einen langen Spaziergang entlang der Promenade. Hier stehen viele schöne Bäume, es gibt große Rasenflächen, tolle Spiel- und Sportplätze. Von dort geht’s weiter zum botanischen Garten. Uns gefällt besonders der Regenwaldweg. Wir haben schon ganz platte Füße, als wir dort ankommen und wollen auf dem Rückweg den Bus nehmen. Da der nächste Bus erst in einer Stunde fährt, drehen wir noch eine Runde. Als wir schließlich wieder auf dem Boot ankommen, fordern unsere Füße vehement einen Ruhetag.

Mitte der Woche bessert sich das Wetter, aber auf dem Weg nach Norden soll es windig werden. Ein guter Grund unseren Aufenthalt zu verlängern. Man kann hier ganz viel unternehmen und es gibt eine riesige Spaßindustrie. Mit dem Speedboat im Zickzack auf dem Fluss herumrasen, Heliflüge übers Riff, Tagestouren auf kleine Inseln, Schnorchel- und Tauchtouren, verschiedene Zoos und Tierparks. Die meisten Aktivitäten verlangen ein gut gefülltes Portemonnaie, der Eintritt ins Aquarium kostet 50 AUD (30 Euro), die 3-stündige Kulturtour 150 AUD (90 Euro), eine Tour nach Kuranda in den Regenwald ab 180 AUD (110 Euro). Regenwald hört sich interessant an, nach Kuranda kann man mit einer Museumseisenbahn oder mit einer Seilbahn fahren, beides ist teuer. Ein Blick aufs Busnetz zeigt, dass es eine gute Verbindung dorthin gibt. Donnerstag fahren wir mit dem Bus für 7 AUD nach Kuranda. Dort gibt es eine schöne kleine Wanderung auf gepflegten Wegen und wir gönnen uns noch einen kleinen Abstecher. Tolle Pflanzen mit riesigen Blättern säumen den Weg, wir sehen und hören viele Vögel, leider zeigt sich der riesige Helmkasuar nicht. Von diesen großen flugunfähigen Vögeln sehen wir nur die Fußspuren.
Im Ort gibt es eine große Ansammlung von Esoterikbedarfsläden, von Wikingern bis zu Nepalesen, von Duftherzen bis zu Klangschalen ist alles vertreten. Wir verzichten darauf uns die Zukunft vorhersagen zu lassen und bummeln lieber durch Souvenirgeschäfte und Galerien.

Ein wenig Kultur kann nicht schaden. Am Freitag gehen wir in die Galerie und sehen uns auch die Ausstellung im ehemaligen Gerichtsgebäude an. Beide Ausstellungen sind sehr übersichtlich. Vieles gefällt mir nicht, oder vielleicht verstehe ich es auch nicht alles. Einige Kunstwerke haben mir gut gefallen, diese Collage aus Kaffeesäcken und die in Braille Schrift geschriebenen Geschichten hinter dem „Do not touch“ Schild beispielsweise.

Eigentlich brauchen wir gar kein Programm. An der Strandpromenade mit der Lagune, dem öffentlichen Badeplatz, kann man schön spazieren gehen. Es gibt sehr viele schöne, laute und interessante Vögel. Abends fliegen hunderte von Papageien in ihre Schlafbäume und machen dabei einen unglaublichen Lärm, ein Pelikan sitzt immer auf einem Stein an der Küste und guckt sich Touristen an und im Dunkeln streiten sich die Flughunde lautstark um die besten Plätze in den Bäumen. Auf dem Night-Market kann man Souvenirs, Tüddellüt und Hässlichkeiten kaufen, sich massieren lassen, asiatisch essen oder Leute gucken.
Zwischendurch erledigen wir Kleinkram, Rigg-Check, Dieselkanister füllen, Streicheleinheiten für den Motor, das Bimini nachnähen, der Bildschirm hat einen Wackelkontakt. Irgendwas will immer erledigt werden.

Ein kleiner Nachtrag

Dem Beitrag von unserer Überfahrt habe ich Umlaute spendiert, nun lässt er sich etwas besser lesen.
Hier gibt es noch einige Fotos von Aore und Luganville auf Santo. In den Tagen vor unserer Abfahrt haben wir nicht so viel unternommen, sondern nur ein paar Einkäufe erledigt, waren auf dem Markt in Luganville und sind auf Aore spazieren gegangen. Am Morgen unserer Abfahrt haben wir ein Wassertaxi nach Luganville genommen. Wir waren beim Zoll, Immigration und Port Office, haben unsere Pässe stempeln lassen, die Leuchtfeuergebühren von ca. 60 Euro bezahlt und uns die Clearance abgeholt, anschließend haben wir Brot und Pampelmusen gekauft und unsere letzten Dieselkanister an der Tankstelle gefüllt. Nachmittags haben wir uns schließlich auf den Weg nach Australien gemacht.

Ankunft in Cairns

Der Dreiviertel-Mond malt eine silberne Straße auf den Ozean und sie führt geradewegs nach Australien. In den letzten Stunden der Nacht, wenn der Mond im Westen untergegangen ist, haben wir Gelegenheit den grandiosen Sternenhimmel zu bestaunen. Zur Wachübergabe gehören jetzt die wirklich wichtigen Infos: Jupiter ist noch zusehen, Antares im Skorpion leuchtet gelb an Backbord.
Die vorletzte Nacht auf See ist so schön, dass wir kurz überlegen abzudrehen und gleich bis zur Torresstraße durchzufahren, entscheiden uns dann aber doch für Cairns.

Wir fahren ganz langsam, wir wollen am liebsten früh morgens ankommen. Im Dunkeln dürfen wir nicht in die Marina und der Ankerplatz gilt als nicht so ganz einfach, das ist im Hellen auch besser. Also reffen wir nicht aus und freuen uns, wenn wir nicht so flott sind. Am späten Nachmittag sichtet Nobbi schließlich Australien. Bei Sonnenuntergang sind wir noch außerhalb des Riffs und ich gehe ins Bett, weiß ich doch, dass es eine lange Nacht werden wird. Um neun wache ich auf, Nobbi hat inzwischen das Leuchtfeuer der Durchfahrt gefunden. Hier steigt der Meeresgrund stark an, von 1000m auf etwa 60. Bei schlechtem Wetter sicher unangenehm oder auch gefährlich, heute merken wir es nur daran, dass das Echolot wieder etwas anzeigt. Ich übernehme das Ruder, eigentlich wollten wir die Maschine starten, wenn wir ins Great Barrier Reef einfahren, aber das Wetter ist ruhig und wir können segeln. Ganz hoch am Wind schleichen wir uns in die breite Durchfahrt. Nobbi meldet uns bei Cairns VTS, der Verkehrszentrale, an. Dort hat man unser AIS schon gesehen. Nun darf Nobbi noch ein bisschen in die Koje und ich genieße die ruhige Nacht. Mit jeder noch so kleinen Böe erkämpfe ich mir etwas Höhe, der Ehrgeiz ist geweckt, nun wollen wir ganz bis zum Ende segeln. Um eins steht wieder ein Kurswechsel an, Nobbi ist wieder wach und kocht erstmal Tee. Ein großes Schiff kommt vorbei, ein Schlepper überholt und der Wind schläft ein. Wir sind mit nur 2 Knoten unterwegs, aber da wir ohnehin etwas zeitig dran sind, ist das auch egal. Ganz langsam schummeln wir uns in die Trinity Bay. Es ist kalt. Kalt für die Tropen. Erstmal noch einen Tee trinken. Um vier bergen wir die Segel und schmeißen die Maschine an. Nobbi fragt bei der Verkehrszentrale ob wir in das Fahrwasser nach Cairns einfahren dürfen. Wir dürfen. Der Wind bläst genau von vorn und nimmt stetig zu. Ich ziehe zum ersten Mal auf dieser Überfahrt eine Jacke an. Der Mond ist untergegangen, es ist stockdunkel. Im Dunkeln wirkt die Fahrrinne schmal, das ist sie nicht, und sie ist sehr gut befeuert. Ein Frachter nähert sich. Wir sind entspannt, denn gerade haben wir über Funk gehört, dass die sympathische Frau von der Verkehrszentrale uns gemeldet hat. „Die Marisol ist im Fahrwasser“ „Ja, die Yacht habe ich gesehen und auch auf dem AIS“. Das beruhigt ungemein, wenn sich ein Frachter kurz vor einem ins Fahrwasser einfädelt. Das Ganze wiederholt sich kurz daran mit einer riesigen Motoryacht. Schön, wenn auf einen aufgepasst wird. Um sechs geht die Sonne auf und wir erreichen die Marina. Nobbi ruft die Marina, die Frau von der Verkehrszentrale meldet sich, ab halb sieben können wir es versuchen, noch ist da niemand. Wir drehen einen Kringel und beobachten die ganzen Motoryachten, die zum Fischen rausfahren.
Um sieben liegen wir am Steg. Ein netter Marina-Mitarbeiter hilft uns nicht nur beim Festmachen, sondern checkt uns auch gleich ein. Unglaublich nett und zuvorkommend. Wir bekommen ganz viele Infos und beim Zoll hat er auch schon angerufen. Die Mitarbeiter vom Zoll haben gute Laune und unsere Unterlagen, die wir vorher emailt hatten dabei. Wir füllen noch ein bisschen was aus und unterhalten uns. Sie übernehmen auch die Aufgaben der Immigration, leider gibt es auch hier keinen Stempel mehr in den Pass. Das ist wirklich schade. Die Arbeit unter Deck macht ein weiterer Mitarbeiter, der etwas später eintrifft, ein netter Labrador. Er schnüffelt sich durch unser Schiff auf der Suche nach Geld, Zigaretten und Drogen. Der Hund ist zufrieden mit uns und um halb neun sind wir fertig. Nun warten wir auf die Biosecurity. Wir dürfen nicht von Bord, aber einen Schritt auf den Steg trauen wir uns um den Wasserschlauch anzuschließen und in der Wartezeit das Boot vom Salz zu befreien. Mittags ist immer noch niemand da. Der hilfsbereite Marina-Mitarbeiter telefoniert für uns. Schließlich kommen zwei Herren von der Biosecurity, die uns vom Steg aus befragen z.B. ob unterwegs jemand gestorben oder erkrankt ist. Wir bekommen einen kleinen Zettel als Bestätigung, dürfen nun die gelbe Q-Flagge einholen und von Bord gehen. Sonst darf noch nichts, vor allem nicht der Müll, das Boot verlassen, die Inspektion steht noch aus, wann diese stattfindet ist unklar.

Wir sind müde, wenig verwunderlich nach der Nacht. Erst jetzt stelle ich fest, dass ich von abends um neun bis am nächsten Morgen um halb sieben von Hand gesteuert habe. Kein Wunder, dass ich ein bisschen „Schulter“ habe.
Der erste Eindruck von Cairns ist super, die Stadt ist grün, extrem sauber und es herrscht ausgelassene Urlaubsstimmung. Unser erster Gang führt in den Supermarkt. Nach einem späten Mittagessen mit leckerem Körnerbrot und Tomaten! ziehen wir ein zweites Mal los. Im Shoppingcenter folgt ein Kulturschock. Nouméa war doch sehr beschaulich. Wir wollen nur eine SIM Karte kaufen und fragen im Telefonladen. Die extrem nette Mitarbeiterin erklärt uns die Tarife und schickt uns in den Supermarkt, da sie selbst keine Karten mehr hat. Wir hatten schon gesehen, dass wir die SIM Karten dort kaufen können, trotzdem hat sich der Abstecher in den Telefonladen gelohnt, ich wäre ja nie draufgekommen, dass ich Holländerin bin. Man muss sich mit seinem Pass registrieren. Von der Lady im Telefonladen wissen wir, dass das System so seine Probleme mit Dänemark und Deutschland hat, einfach deutsche Passnummer und Königreich Niederlande angeben und schon funktioniert es!
Wir freuen uns auf ein paar Tage in Cairns und dann geht es weiter nach Norden.

Unterwegs nach Cairns

Noch gut 500 Meilen nach Cairns. Der Wind kommt aus der richtigen Richtung, immer schön Südost und wir müssen nur ab und zu an der Windsteueranlage zupfen. Trotzdem ist es nicht gemütlich. Der Seegang ist garstig. Ab und zu wird es eine halbe Stunde wunderbar ruhig und gleichmäßig, kaum entspannt man sich, tauchen wieder vorwitzige, spitze, Wellen auf, die sich unvermutet direkt hinter Maris Heck brechen. Wir werden also durchgeschüttelt und sammeln blaue Flecken. Noch nie war ich an Tag 4 so seekrank und noch nie hatte ich selbst an Tag 5 einen Magen, der mich ununterbrochen daran erinnert, dass das nicht sein muss mit dem Segeln. In fast allen Fächern stecken inzwischen Küchenhandtücher um das Klappern abzustellen, der Topflappen sorgt bei den Gabeln für Ruhe. Jetzt gibt es nur noch leichte Knatschgeräusche und das Klatschen und Rauschen der Wellen.
Die Tage vergehen unaufgeregt. Schlafen, essen, lesen, Podcasts, Musik hören. An Tag sieben habe ich den sechsten Krimi begonnen, Podcastmäßig liegen diesmal BR und SWR weit vorne. Von Klassik für Klugscheißer, Expeditionsberichten und Interviews bis zu Plastikrecycling werden wir gut unterhalten und immer schlauer. Nobbi hört und singt Torfrock während er den Wassermacher bewacht. Ich komme so in den Genuss eines Konzerts und der Wassermacher wird beaufsichtigt. Wir haben Angst, dass er bei diesem Geschaukel Luft ziehen könnte. Kochen und Duschen sind Schwerstarbeit, lohnen sich aber. Frisch geduscht, mit vollem Bauch, ist man gleich etwas weniger müde.
Zum Glück gibt es auch diese wunderbaren Momente. Sternenklare Nächte, das Kreuz des Südens liegt an Backbord, an Steuerbord leuchten Venus, Mars und die schmale Mondsichel abends um die Wette, bevor sie zeitig untergehen.
Jeden Abend kommt ein Tölpel (immer der gleiche?) und versucht zu landen. Wir möchten nicht, dass er den Windsensor oder den Verklicker platt macht und blasen mit der kleinen Tröte, die wir für Brückenöffnungen und ähnliches an Bord haben. Das mag er nicht, schlägt mit den Flügeln und macht einen neuen Versuch. Er darf gerne auf dem Seezaun oder auf dem Bananaboot schlafen, konnte sich bisher aber nicht dazu entscheiden dort zu landen.
Vor einigen Tagen hatten wir nachts einen Hai im Kielwasser, er hat uns einige Zeit begleitet und ist dann abgedreht. Ein bisschen unheimlich. Ob er sich vielleicht auf den Weg zum Minerva-Riff gemacht hat? Von den Atangas haben wir gehört, dass dort ein Hai eine Seglerin vom Paddleboard gestupst hat. Zum Glück ist nichts passiert!
Morgen oder übermorgen queren wir die Schifffahrtsroute, da werden wir wohl mal ein Schiff sehen und in vier oder fünf Tagen sollten wir Australien erreichen.

Tangkyu tumas Vanuatu!

Einen Monat haben wir in Vanuatu verbracht und viel erlebt. Es hat uns sehr gefallen, die abwechslungsreiche Natur, die Kanu- Besuche und die zurückhaltende Neugier der Menschen. Highlight unseres Besuchs war das Naghol (Landdiving) in Pentecost, ein tolles Erlebnis bei dem wir außerdem großes Glück mit dem Wetter hatten. Und natürlich die Dugongs!

Nun zieht es uns weiter. In diesem Jahr warten noch viele Meilen und spannende Reiseziele auf uns. Wir werden von hier nach Australien segeln, Cairns soll unser erster Hafen sein. 1300 Meilen und etwa 10 Tage liegen vor uns. Drückt uns die Daumen für eine schöne und ereignislose Überfahrt.

Schnorcheln, Bojensalat und Luganville

Am Mittwoch scheint die Sonne. Wir entschließen uns noch einen Tag zu bleiben. Zur Feier des Tages gibt es einen Kuchen (Hefezopf mit Buchweizen und Schokostückchen). Zwei Frauen im Kanu kommen vorbei, sie verbringen fast den ganzen Tag damit am Riff zu angeln. Die Fische, die sie rausholen sind sehr klein. Wir wollen auch ans Riff, aber zum Schnorcheln. Mit dem Dinghi lassen wir uns übers Riff treiben. Wir sehen viele Fische, alle Exemplare sind sehr klein, und auch einige schöne Korallen, aber auch große Bereiche in denen alle Korallen kaputt sind. Netze und Leinen geben Auskunft was hier passiert ist und die beiden Frauen auf dem Riff führen uns vor, wie schwer es ist hier noch Fische zu angeln. Der steigende Bevölkerungsdruck in den kleinen Gemeinden ist auch eine Bedrohung für die Riffe und ihre Bewohner, zumindest für die Riffe, die so gut zugänglich sind wie die innerhalb von der großen Bucht von Port Stanley.
Eine andere Bedrohung für die Umwelt war uns bereits in der Umgebung von Port Vila aufgefallen und danach an allen Plätzen, außer auf Ambrym. Überall wächst eine Schlingpflanze. Sie überwuchert alles, Sträucher und Bäume. Es handelt sich um Merremia peltata, das Windengewächs heißt auf Bislama big lif rop und wird auch Camouflage Vine genannt. Die Geschichte zur Einführung ist so unglaublich (dumm), dass sie vermutlich stimmt. Die Amerikaner sollen sie im zweiten Weltkrieg eingeführt haben, um ihre militärischen Anlagen zu tarnen. Klappt super, alles wird getarnt. Intakte Wälder können sich gegen diesen Eindringling zur Wehr setzen, aber Bereiche in denen es einen stärkeren Einschlag gab, werden schnell überwuchert.
Wir spazieren an dem kleinen Strand der Insel Suaro, vor der wir liegen auf und ab. Eine Familie hat hier einen niedlichen Hof mit einem großen Garten. Bananen, Papaya, Kürbisse und viele andere Pflanzen wachsen zwischen und um die Hütten und natürlich gibt es auch hier viele Hühner.

Eine Schlingpflanze die alles überwuchert.

Donnerstag klingelt der Wecker wieder früh. 42 Meilen sind es bis nach Luganville und der Wetterbericht verspricht wenig Wind mit kräftigen Böen, wir können also nicht abschätzen wie schnell wir unterwegs sein werden. Die dunklen Wolken motivieren uns nicht, lieber würden wir uns wieder ins Bett legen. Tatsächlich sind wir dann sehr flott unterwegs und erreichen die Insel Espirito Santo und Luganville schon um 14 Uhr. Die Ankerplatzsituation vor Luganville ist etwas schwierig, deshalb haben wir eine Boje gegenüber der Stadt, an der Küste der Insel Aore reserviert. Eine Tauchbasis hat hier vier Bojen, als wir ankommen sind alle frei. Wir liegen dicht am Strand auf 30m Wassertiefe. Als wir an der Boje anlegen regnet es und wir verstecken uns erstmal unter Deck. Nachmittags stellen wir uns bei dem Besitzer der Bojen vor und machen einen Spaziergang auf Aore. Hier ist es sehr ruhig. Aber schön.

Die folgende Nacht gehört dann leider in die Kategorie „gar nicht lustig“. Abends stellen wir fest, dass Mari sich in ihrer Boje verheddert hat, die Bojenleine hat sich um den Kiel gewickelt und Mari beginnt immer mal wieder sich auf die Seite zu legen. Wir bekommen sie zunächst nicht frei, aber dann kentert die Tide, der Druck auf die Leine lässt nach und mit vereinten Kräften können wir Mari befreien. Wir gucken einen Film und als Nobbi bereits im Bett liegt, stelle ich fest, dass die Boje wieder hinterm Kiel hängt. Nobbi steht also wieder auf. Es beginnt zu regnen. Im strömenden Regen versuchen wir unser Boot zu befreien. Schließlich paddelt Nobbi auf der Badeleiter stehend Maris Heck über die Leine, die ich anleuchte, damit wir uns orientieren können. Die Mooringleine ist einfach zu lang und sie schwimmt. An der Leine sind, zum Schutz der Korallen, Kanister als Auftriebshilfe befestigt. Eine davon ist auf etwa drei Meter Tiefe. Danach kommen noch einmal 10 m Leine bis zur Boje die auf der Wasseroberfläche liegt und dann noch ein Stropp mit einer kleinen Boje. Wenn der Tide kentert, treibt Mari über die Bojenleine, die sich dann hinterm Kiel verheddert. Wir nehmen nun ein paar Meter der Bojenleine an Deck, auch wenn das hier ausdrücklich verboten ist. Inzwischen sind wir beide klatschnass und liegen erst um halb eins in der Koje. Ich schlafe schlecht, zwischen vier und Viertel vor fünf beobachte ich wie Mari sich nun problemlos mit der kenternden Tide dreht.
Am nächsten Morgen rudern wir an Land und fragen, ob wir so liegen bleiben dürfen. Der Bojenbesitzer ist nicht besonders erstaunt oder interessiert, aber wir können so liegen bleiben.

Wir rufen uns ein Wassertaxi um nach Luganville zukommen. Die Stadt liegt gegenüber auf der Nachbarinsel. Die Strecke ist nicht nur mehr als eine Meile lang, sondern die Welle erscheint uns auch ganz sportlich. Wir hatten genug Abenteuer und haben keine Lust auf irgendwelche Katastrophen mit dem Dinghi. Danny holt uns ab und mit Lichtgeschwindigkeit (ok, fast) erreichen wir das andere Ufer. Unsere Dieselkanister schließen wir an der Tankstelle an und sehen uns die kleine Stadt an. Auf dem Markt gibt es Paprika, endlich mal wieder Gemüse, außerdem kaufen wir eine Papaya, Maracujas und Bananen. Der Supermarkt ist recht gut sortiert und wir können nicht nur unsere Biervorräte auffüllen, sondern bekommen auch Eier und eine Salami. Als wir nun auch noch die Dieselkanister gefüllt haben sind wir sehr schwer bepackt und legen eine Pause in dem kleinen Restaurant nahe der Anlegestelle ein. Die Pizza ist sehr gut und man hat einen netten Blick aufs Wasser. Auf dem Weg zum Anleger treffen wir Danny, der uns wieder in Rekordgeschwindigkeit zum Boot zurück bringt. Der Rest des Freitags fällt für mich aus, mich quält eine Migräneattacke.
Samstag steht große Wäsche auf dem Programm. Leider haben wir keine Möglichkeit gefunden unsere Wäsche waschen zu lassen, deshalb waschen wir auch unsere Bettwäsche und Handtücher per Hand. Nobbi rudert ab und zu zum Wasserhahn und füllt die Kanister, die Bettlaken nehmen wir schließlich mit zum Steg und spülen sie dort. Nachmittags schnorcheln wir im flachen Wasser. Der Korallengarten, den die Besitzer der Tauchbasis über Jahre angelegt hatten, ist beim letzten Zyklon leider zerstört worden. Trotzdem ist die Artenvielfalt bei Fischen und Korallen beeindruckend, auch wenn es sich meist um kleine Exemplare handelt. Clownfische in einer Anemone und Riesenmuscheln (Tridacta) kann man sich ansehen ohne nass zu werden, direkt vom Steg.

Port Stanley – und wieder Malakula

Die Überfahrt von Pentecost zurück nach Malakula bietet deutlich mehr Abwechslung als der Langfahrtsegler sich wünscht. Vor uns liegt ein langer Schlag, also klingelt Sonntagmorgen der Wecker, es gibt Kaffee und dann gehen wir Anker auf. Wir setzten das Groß im ersten Reff und segeln ganz gemütlich los. Eine dicke dunkle Wolke schiebt sich durch die Düse zwischen Ambrym und Pentecost und hat Wind im Gepäck. 35 Knoten in Böen, da werden die Wellen platt gedrückt. Wer weiß, was da noch kommt. Wir binden das zweite Reff ins Groß, Böen mit deutlich über 40kn machen deutlich, dass das eine ganz gute Idee war. Immerhin sind wir schnell. Die Wolke zieht vorbei, der Wind nimmt ab. Wir reffen aus, der Seegang ist schauklig, das kennen wir ja bereits. Der Wind verschwindet ganz. Wir motoren, das wäre nicht so schlimm, wenn der Seegang uns nicht so quälen würde. Wir binden wieder ein Reff ins Groß, weil das Segel bei jeder Welle hin und her schlägt, die Segellatten biegen sich, der Mast bebt. Nicht mal eine Stunde später sind wir froh um das Reff, wir haben wieder frischen Wind und rauschen mit sechs bis sieben Knoten unserem Ziel entgegen. Die Einfahrt nach Port Stanley ist einfach, die Durchfahrt zwischen zwei Inseln ist gut zu sehen und sehr tief. Plötzlich taucht etwas großes Schwarzes ganz am Rande meines Gesichtsfeldes auf und ich erschrecke sehr (zugegebenermaßen ist es nicht so schwierig mich zu erschrecken). Fünf Delfine springen synchron aus dem Wasser. Was für ein netter Schreck. Die schlanken, kleinen Tiere begleiten uns noch eine ganze Weile. Wir bergen die Segel und laufen den Ankerplatz an. Hier könnte man liegen, aber kuschelig und geschützt ist es nicht. Nur eine Meile weiter gibt es einen anderen Platz hinter einem Riff. Da die Bewölkung so dunkel ist, sehen wir nicht viel, trauen uns mit Hilfe des Satellitenbildes aber trotzdem zwischen die Riffe. Hier gefällt es uns. Recht tief ist der Platz, fast 20m, aber ab und zu muss man seine Ankerkette ja auch mal baden. Nach 48 Meilen und einem sehr anstrengenden Segeltag sind wir froh angekommen zu sein.

Wir gönnen uns einen Tag Pause, ausschlafen, Eindrücke und Fotos sortieren, eine kleine Handwäsche, gemütlich kochen, abends einen Film. Die Flaute, die der Wetterbericht uns versprochen hatte, ist abgesagt. Schade eigentlich. Auch schade, dass es so grau ist, die kleinen Inselchen mit Mangroven und hellen Stränden und die türkisenen Riffe wären bei Sonne so viel schöner. Am Dienstag wollen wir trotzdem an Land, Zeit sich ein wenig zu bewegen, abgesehen von den Schwimmeinheiten ums Boot. Außerdem könnten wir einen Laden gebrauchen. Wir würden gerne Brot kaufen und auch die Biervorräte neigen sich dem Ende zu.
Mit dem Dinghi fahren wir zu einem Anleger, an dem ein kleiner Inselfrachter liegt. Knapp eine Meile ist die Pier entfernt. Für unser kleines Dinghi sind die Wellen ganz schön hoch. Wir rauschen dahin und hoffen, dass uns die Wellen nicht einholen. Hinter dem Anleger dürfen wir unser Schlauchboot an einem Laternenpfahl anbinden. Gleich werden wir an einen guten Platz gewinkt und mehrere Männer versichern uns, dass unser Boot hier sicher ist.
Auf dem Anleger stapeln sich die Waren. Die kleine Fähre pendelt zwischen Santo und Malakula und versorgt den Ort. Auf den Kartons stehen jeweils der Empfänger und die Anzahl der Pakete. Während noch Ladung gelöscht wird, wird gleichzeitig bereits neue Ladung an Bord gebracht. Kava in großen Säcken soll nach Santo gebracht werden. Das kleine Schiff hängt ziemlich schräg an der Pier. Ein Durcheinander, irgendjemand hat sicher den Durchblick. Wir laufen drei Kilometer zum Laden in Lakatoro und finden eine gut ausgebaute, zweispurige Straße vor und auch etwas Verkehr. Nette Grundstücke und arme, heruntergekommene Häuser wechseln sich ab. Es gibt einige ganz kleine Läden, eine Tankstelle, einen Bauhof und ein paar Bars. Und, leider viel Müll. Am Straßenrand liegen Verpackungen und Plastikflaschen. Einige Grundstücksbesitzer räumen bei sich auf dem Grundstück und am Straßenrand vor ihrem Haus auf. Der Müll ist ein riesiges Problem. Schon auf den kleineren Inseln ist uns aufgefallen, dass der Müll einfach fallengelassen wird. Als die Kinder nach dem Land-Diving Wassereis gegessen haben, flog die Verpackung einfach in die Büsche. Wenn wir den Kindern einen Bonbon schenken, packen wir sie ihnen aus, oder sammeln das Papier ein, sonst geht es direkt ins Meer. Dass es auf Pentecost, in der Revelieu Bay auf Epi oder in den Maskelynen recht sauber war, liegt nicht an der guten Müllentsorgung, sondern an dem sehr eingeschränkten Konsum. An allen Orten liegen hinter fast jeder Hütte leere Waschmittelflaschen und Getränkedosen. Hier, auf dem Weg nach Lakatoro haben wir aber sehr viel mehr Müll gesehen, als in den Orten zuvor. Im besten Fall wird der Müll verbrannt, allerdings sind die Feuer nicht heiß genug und so schwelt es nur vor sich hin. Meist weht er am Straßenrand ins Gebüsch oder ins Meer. Besorgniserregend. Mit steigender Verfügbarkeit verpackter Produkte wird das Müllproblem in kurzer Zeit dramatisch wachsen.
Das führt natürlich unweigerlich zu der Frage, was wir mit unserem Müll an Bord machen. Falls wir in Luganville keine Entsorgungsmöglichkeit finden, nehmen wir ihn mit nach Australien und dort wird uns die Biosecurity davon befreien.

In Lakatoro weist ein Schild auf ein Handwerkszentrum hin. Das Angebot beschränkt sich weitgehend auf geflochtene Taschen. Die zuständige Dame spricht gut Englisch, fragt uns aus, wo wir herkommen, wie lange wir schon unterwegs sind, wo wir vor Anker liegen und erzählt fröhlich wo sie wohnt, wo wir einkaufen können und dass der Markt geöffnet hat. Auf dem Markt kaufen wir Pampelmusen, Kokosnüsse und Zitronen und stellen fest, dass die Preise hier ein halb bis ein viertel so hoch sind wie in Port Vila. Auf der anderen Seite des Sportplatzes gibt es eine Bank und den Laden der Kooperative. Der Manager erzählt uns, dass 670 Menschen Anteile besitzen und Dividende ausgeschüttet bekommen, fast alle leben hier im Ort. Er ist stolz darauf für die Kooperative zu arbeiten und zeigt uns, was sie alles im Angebot haben. Die Produktpalette ist beachtlich, Lebensmittel, Schulsachen, Haushaltswaren und Kleidung. Für uns gibt es hier frisches Brot und Bier.
Auf dem Rückweg sehen wir uns noch die anderen Läden in Lakatoros Geschäftszeile an, die teilweise ein sehr überschaubares Angebot haben. In einem Laden kaufen wir zwei Donut-artige Gebäckstücke und stärken uns für den Rückweg. Eine Gruppe Jungs begleitet uns und probiert ihr Englisch aus.
Die Dinghi-Fahrt zurück zu Mari wird sehr nass. Wieder an Bord müssen wir uns erstmal trocken legen.

Island Cabbage

Was esst ihr eigentlich, wie proviantiert ihr euch? Schreib doch mal darüber! Tatsächlich habe ich schon ein paar Mal begonnen und bin dann wieder davon abgekommen und an meinem Perfektionismus gescheitert. Nun beginne ich einfach mitten drin und in Zukunft soll es auf der Seite einen Unterpunkt zum Thema Futter an Bord geben.

Ob wir auch Island Cabbage haben wollen hatte Robert in Pentecost gefragt. Sehr gerne habe ich geantwortet, auch wenn ich nur eine diffuse Vorstellung hatte, was das sein könnte. Den neukaledonischen „Kanaken-Kohl“ mochten wir gern. Robert brachte uns sein hübsches Bündel Blätter. Was macht man nun damit. Eine kurze Internetrecherche ergab, dass es sich bei Island Cabbage um eine Vielzahl verschiedener Pflanzen handeln kann.
Ich entscheide mich für eine Spinat-ähnliche Zubereitung mit Südsee-Blubb. Das hatte uns mit Taroblättern schon so gut geschmeckt, auf Samoa haben wir es das erste Mal gegessen.
Die Blätter habe ich gründlich gewaschen, in Streifen geschnitten und blanchiert (sicher ist sicher, Vanuatu hat eine Vielzahl unerfreulicher Parasiten im Angebot). Dann habe ich Zwiebelstückchen und Knoblauchscheiben in Olivenöl angedünstet, die Blätter hinzugegeben, das Ganze mit reichlich Kokosmilch abgelöscht und mit Salz und Pfeffer gewürzt.
Uns hat es sehr geschmeckt. Dazu gab es Reis und Mango-Chutney.

Island Cabbage in Island Tupperware
Sieht nicht nur lecker aus, war’s auch.

Pentecost – Naghol oder Landdiving

Das Landdiving oder Naghol gehört wohl zu den international bekanntesten Bildern von Vanuatu. Junge Männer, die mit Lianen an den Fußgelenken von einem hölzernen Turm springen. Der Vorläufer des Bungeejumpings. Hier, im Süden der Insel Pentecost, findet jährlich dieses Ritual statt, das der Demonstration der Männlichkeit, der Bitte um eine gute Yams-Ernte, dem Aufrechterhalten alter Traditionen und heute auch dem Ankurbeln des Tourismus gilt. Von April bis Juni wird samstags gesprungen. Aus logistischen Gründen gibt es jetzt einen Sprungplatz in der Nähe des Flughafens, den anderen Turm haben wir bereits von unserem Ankerplatz mit dem Fernglas entdeckt.
Wir haben uns bereits in Port Vila erkundigt, da wir etwas widersprüchliche Angaben finden. Die Dame im Tourismusbüro schreibt uns die Bucht auf, in der wir ankern sollen, und versorgt uns mit Telefonnummern und Emailadressen.
Als wir die Bucht an Pentecosts Westküste erreichen sind wir erstaunt, wir hatten mit weiteren Yachten gerechnet und finden eine leere Bucht vor. Insgesamt sind so früh in der Saison aber auch erst wenige Boote in Vanuatu unterwegs, soweit wir das einschätzen können.
Ich schreibe eine E-Mail an den Spokesman des Dorfes, dass wir gerne das Naghol sehen möchten. Schnell trifft eine Antwort ein und bald darauf sitzt Bartholomew in unserem Cockpit, er hat sich von einem jungen Mann mit dem Kanu vorbei paddeln lassen. Wir erzählen, dass noch ein weiteres Boot ankommen wird (wir haben uns in Port Vila kennengelernt und sind in Kontakt geblieben) und wir zu viert dabei sein wollen. Wenig später treffen Alison und Andy mit ihrer „Venture Lady“ ein und Bartholomew besucht auch sie an Bord. Es gibt etwas Verwirrung wann es am nächsten Morgen losgehen soll, daher werden wir zur Beratung ins Nakamal, das Versammlungshaus des Dorfes gebeten. Für uns und die Kinder gleichermaßen interessant.

Am nächsten Morgen treffen wir uns um acht am Strand. Von hier geht es auf der Ladefläche eines Pick-ups nach Ratap, das oberhalb gelegene Dorf. Mit uns reisen noch eine Handvoll Leute, darunter zwei Mädchen, die zuerst schüchtern sind. Die Kleine neben mir nimmt dann aber Körperkontakt auf und kuschelt sich an mich. Im Dorf angekommen, warten wir zunächst auf die anderen Touristen, die mit dem Flieger ankommen sollen. Wir dachten, es gäbe viel mehr Zuschauer, tatsächlich ist das ganze Dorf jedoch für acht Besucher auf den Beinen.
Die Wartezeit macht Spaß, wir lernen den Chief kennen und schütteln viele Hände. Das kleine Guesthouse, in dem man übernachten kann sollen wir besichtigen, wir sehen uns die Kavapflanzen mitten im Dorf an und neben dem Kassenhäuschen hängt eine Schlange auf einem Baum. Und wir haben Gelegenheit uns den Turm in Ruhe anzusehen. Ein toter Baum bildet die Basis, um die der Turm gebaut wurde. Das ist Männersache, Frauen dürfen beim Bau nicht beteiligt sein und dürfen auch nicht auf den Turm klettern. Zu den Seiten ist der Turm mit Lianen abgespannt. In jedem Jahr wird ein neuer Turm aufgebaut, dieses Jahr ist er fast zwanzig Meter hoch. Natürlich muss ich ein Foto „Mari und der Naghol-Turm“ machen, auch wenn Mari da unten in der Bucht doch sehr klein ist, gehört das zu den ganz besonderen Bootsportraits.

Um acht geht’s am Strand los
Der Turm – 20 m hoch
Der Lianen-Spleiß

Eine Sage zum Naghol erzählt von einem Paar, dass sich streitet, die Frau läuft schließlich von ihrem Mann weg und er verfolgt sie. Sie klettert auf einen Banyan-Baum und als ihr Mann ihr nachfolgt springt sie in die Tiefe. Er nimmt an, dass sie in den Tod gestürzt ist, möchte nicht ohne sie leben und springt hinterher. Der Mann stirbt, die Frau jedoch überlebt, weil sie sich Lianen an die Knöchel gebunden hat. Ursprünglich sollen Frauen gesprungen sein, irgendwann haben das dann die Männer übernommen, auch weil sie sich nicht von den Frauen austricksen lassen wollen.

So lustig kann es sein Fotos anzugucken!

Die Aufregung der Dorfbewohner als der Truck mit den vier anderen Besuchern naht, ist rührend. Es folgt eine offizielle Begrüßung mit Blumenkränzen. Die Männer bekommen außerdem eine Tasche umgehängt, darin sollen sie Geschenke mitbringen wenn sie das nächste Mal wieder kommen. Außerdem werden wir gebeten, allen Menschen die wir kennen vom Dorf Ratap und dem Naghol zu erzählen und dafür Werbung zu machen. Das tun wir sehr gerne!

Dann gibt es für jeden eine Trinknuss und das eigentliche Ritual beginnt.
Sechs Jungen und Männer springen heute. Der Jüngste, der den Sprung aus geringster Höhe macht, beginnt, der erfahrenste Springer ist als letztes dran. Die anderen Dorfbewohner singen und tanzen zur Unterstützung, auf der einen Seite die Männer, auf der anderen Seite die Frauen. Alle tragen traditionelle Kleidung, wobei Kleidung insbesondere für die Männer ein irreführender Begriff ist. Penisköcher ist wohl das richtige Wort für diese minimale Art der Bekleidung. Die Jungs tragen ein Blatt, das in ein Band eingesteckt wird, das um die Taille geschlungen ist. Die Männer tragen ein Futteral aus Stoff, das in einen Ledergurt eingeschoben wird. Die Frauen haben eine Art „Bastrock“ an und dazu eine Kette aus Grünpflanzen um den Hals. Die Selbstverständlichkeit, der Stolz und die Lässigkeit mit der die wenige Kleidung würdevoll getragen wird, gefallen uns.
Zurück zum Sprung. Einige Männer lockern den Boden in der Landezone immer wieder auf. Die vorbereiteten Lianen werden sortiert. Die ausgewählten Lianen wurden am Tag zuvor geschnitten, die Enden werden zerfasert, um sie an die Knöchel zu knoten. Diese Enden sind mit Bananenblättern umwickelt. Der Springer steigt auf den Turm und klettert auf seine Absprungvorrichtung, andere Männer helfen nun die Blätter zu entfernen und die Lianen zu befestigen. Sorgfältig wird kontrolliert, dass die Lianen sich nicht am Turm verhaken, der Chief überwacht das Ganze vom Boden aus.
Schließlich steht der Springer auf seinem Absprungplatz, er wird laut angefeuert, reckt die Hände in den Himmel, biegt sich nach hinten, verschränkt die Hände vor der Brust und springt.
Sofort nach dem der Springer auf der Erde aufgekommen ist, wird er von anderen Männern aufgerichtet, die Lianen werden von den Fußgelenken geschnitten und er wird vom Ladeplatz geleitet. Die Lianen sind zwar flexibel und auch der Absprungplatz gibt nach, trotzdem sieht es gefährlich aus und ist es auch. Die Lianen enden nur einen halben Meter über dem abfallenden Landeplatz. Der Springer kommt also immer auf der Erde auf.
Die Springer sind stolz, wenn sie es geschafft haben. Die erfahrenen Männer in der Landezone loben die Sprünge. Die Springer werden hoch angesehen in ihrer Dorfgemeinschaft.
Das Ganze wiederholt sich bei jedem Sprung, immer höher klettern die Männer auf den Turm und tatsächlich springt der letzte ganz besonders elegant. Diesen letzten Sprung gucke ich mir einfach nur an, ich will ihn voll und ganz genießen, kein Video, kein Foto, einfach ganz direkt auf die interne Festplatte für besondere Erinnerungen.

Vor jedem Sprung wird die Erde aufgelockert.
Er betritt seine Absprungvorrichtung.
Die erfahrenen Männer passen auf, dass die Lianen nicht verschlungen sind.
Die Männer auf halber Höhe halten die Lianen frei.
Ein Junger Springer auf dem Turm
Der Springer reckt die Armen in den Himmel
Der entschlossene Absprung
Er springt!
Im Sprung!
Der Sprung!
Der Springer wird in Empfang genommen.
Sie richten den Springer auf.
Die Liane wird vom Fuß geschnitten.
Ob er in den nächsten Jahren auch springen wird?

Hinterher gibt es ein traditionelles Mittagessen Laplap aus Yams und Taro mit Süßwasserkrabben. Laplap ist das Nationalgericht Vanuatus. Taro oder Maniok werden geraspelt und die Gemüsemasse wird in einem Bananenblatt im Ofen gegart. Das Laplap kann auch aus Kochbananen oder Brotfrucht sein. Hier gab es zwei Versionen aus Taro und aus Yams.
Voller toller neuer Eindrücke machen wir uns auf den Rückweg. Wieder sitzen wir auf der Ladefläche und wieder ist die Geschwindigkeit in Anbetracht der Straßenverhältnisse ganz schön sportlich. Wohlbehalten und müde erreichen wir den Strand an dem unser Dinghi wartet.

Das Naghol sehen zu können, hat uns sehr gefreut. Wir hatten gehofft, dass es klappt, aber manches Mal spielen Wind und Wetter bei Seglerplänen einfach nicht mit. Die Freude und Neugier der Dorfbewohner, die Natürlichkeit mit der sie ihre Traditionen präsentieren, das ergreifende Ritual, das zu touristisches Zwecken durchgeführt wird, aber kein professionelles Tourismus-Event ist, hat uns viel Spaß gemacht und uns berührt.
Sehr gerne kommen wir der Bitte nach für einen Besuch in Ratap zu werben, uns hat es sehr gefallen!

Und hier das ganze in Bewegung

Dorfleben auf Pentecost

Wir ankern in der weiten Homo Bay im Südwesten der Insel Pentecost. Vor dem langen steinigen Strand liegen wir schön ruhig. Von draußen sieht es zunächst nicht so aus. Die Überfahrt von Ambrym war bumpy, in der Düse zwischen Ambrym und Pentecost war der Wind sehr böig und der Seegang unangenehm. Bis kurz vorm Ankerplatz waren wir sehr schnell und sehr ungemütlich unterwegs. Glücklicherweise stellt sich der Platz dann doch als angenehm heraus, kurz vorm Strand nimmt der Seegang ab und nun schaukeln wir nur ganz leicht.

Robert paddelt mit dem Kanu zu uns und freut sich, dass wir ihn an Bord einladen. Ob er mal nach vorne gehen darf, aufs Vorschiff? Vom Bug aus winkt er seinen Freunden an Land zu. Er fragt, ob wir Obst haben möchten und verspricht später wieder zu kommen. Wir werden reichlich versorgt. Fünf Papayas, vier Kokosnüsse, vier Pampelmusen und ein Bündel „Island Cabbage“ hat er dabei, als er zurückkehrt. Außerdem bringt er seinen kleinen Sohn mit und hat zwei Teenies im Schlepptau. Kennt ihr das, junge Männer, die sich mit irgendwelchen tollen Autos fotografieren lassen? Hier übernimmt Mari heute die Rolle des heißen Sportwagens. Alle wollen einmal aufs Vorschiff und den Freunden am Strand winken.

In der großen Bucht liegen drei Dörfer und es gibt einen erstaunlich regen Bootsverkehr. Da sind zum einen die kleinen Motorboote, die durch die Bucht flitzen und zum anderen die kleinen Frachter. Als wir ankommen liegt ein Schiff vor Anker und Waren werden auf kleine Boote umgeladen. Am zweiten Abend fährt ein Frachter zwischen uns und dem Strand durch. Es ist stockdunkel und wir sind froh, dass wir kurz vorher das Ankerlicht eingeschaltet haben. Das Schiff hat eine Klappe am Bug und fährt einfach auf den Strand. Das ganze Dorf ist auf den Beinen. Taro in Säcken wird verladen, immer kommt noch jemand mit einem Sack auf dem Rück angerannt. Und auch in unserer letzten Nacht ankert wieder ein Schiff in der Bucht.

Endlich haben wir sonniges Wetter. Wir nutzen die Chance und waschen am nächsten Morgen Wäsche, nach den vielen feuchten Tagen hat sich einiges angesammelt. Mittags wandern wir am Strand entlang und wollen uns ansehen, welche Waren hier umgeschlagen werden. Reis, Fischdosen und Frühstückscracker werden in die kleinen Motorboote verladen. Wir wollen wissen, ob die Waren mit einem der Schiffe, die wir gesehen haben, gekommen sind und erfahren von einem Mann, dass es sich um einer Hilfslieferung der Regierung handelt. Er koordiniert die Verteilung auf die kleinen Gemeinden. Nicht nur die Schäden durch die Wirbelstürme (Pentecost wurde zuletzt 2020 getroffen), auch die schnell wachsende Bevölkerung stellt die kleinen Dorfgemeinschaften vor Probleme.

Auf dem Rückweg laufen wir durch die Dörfer und werden überall nett begrüßt. Dass wir uns für das Angebot des kleinen Ladens interessieren, sorgt für allgemeines Gekicher, wir sollen uns das Nachbargeschäft, quasi Bootsausrüster und Baumarkt, auch noch ansehen. Immer wieder werden wir aufgefordert zu fotografieren, ob wir die beiden Damen bitte fotografieren könnten und die Jungs beim Fußball-Training?
Die Kinder laufen gerne ein Stückchen mit uns, helfen das Schlauchboot aus dem Wasser an Land zu ziehen oder zurück ins Wasser zu schieben. Insbesondere die Mädchen sind zu Beginn oft schüchtern, tauen aber schnell auf. Als wir einmal nur drei Kinder am Strand treffen, nehmen wir sie ein Stückchen im Dinghi mit. Unsere schnelle wachsende Popularität ist uns selbst etwas unheimlich, aber es ist schon sehr rührend wenn eine Kinderschar winkt, wenn man ins Schlauchboot klettert.