Kupang – Ankommen in Indonesien

Sonntag nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg und verlassen Dili. Wir hatten mit einem windstillen Morgen gerechnet und sind überrascht, dass es recht windig ist. Super, dann können wir segeln. Zunächst haben wir Gegenstrom, nach gut einer Stunde kommt der Strom aber von achtern und schiebt uns. Wir kommen flott voran und es macht richtig Spaß. Unsere Idee: wir ankern eine Nacht an der Küste Timors und segeln dann den Rest der Strecke in einem Stück. Früh ahnen wir, dass aus unserer Nacht am Anker nichts werden wird. Als wir das Kap runden, hinter dem wir ankern wollen, sehen wir ein weißes Band aus brechenden Wellen. Eine Stromkante? Zunächst sind die Wellen nicht sehr hoch, aber sehr spitz und wild. Wir werden aufgestoppt, wieder Gegenstrom. Unsere Idee, dass es sich vielleicht um ein dünnes Band handelt und wir tiefer in der Bucht glattes Wasser finden, bewahrheitet sich nicht. Wir müssen einsehen, dass wir hier keinen Ankerplatz finden, wir ändern den Kurs und sehen zu, dass wir dieser Waschmaschine entkommen. Diese Nacht werden wir durchsegeln. Ich übergebe Nobbi das Ruder und gehe unter Deck, nach ein paar Minuten wundere ich mich, dass es so ruhig ist. Nobbi grinst, der Seegang wurde ausgeschaltet, wir segeln bei ruhigem Wasser dahin. Auf die letzten zwei Stunden hätten wir verzichten können.
Abends müssen wir ein wenig motoren, dann können wir wieder segeln. Nun schiebt der Strom gewaltig, manchmal sind wir mit neun Knoten unterwegs. Für uns ist das schnell. In den Morgenstunden schläft der Wind ein und wir motoren. Das Wasser ist glatt, die Fahrt ist angenehm und wir wissen nun, dass wir heute noch ankommen werden. Nur die letzten zwei Stunden sind wieder unangenehm. Aus der Bucht von Kupang weht der Wind sehr böig mit bis zu fünf Windstärken. Schläft dann ein, weht wieder. Und eine fiese, steile Welle stoppt uns auf. Elendig langsam kämpfen wir uns motorsegelnd nach Kupang. Mit dem Fernglas versuchen wir die anderen Segler zu sehen, wo haben die geankert? Wir sind erstaunt, tatsächlich liegt hier keine andere Yacht, nur ein Boot, dass anscheinend schon seit einiger Zeit verlassen ist, schaukelt im Schwell. Wir ankern neben den Fischerbooten in der Namosain-Bucht und sind sehr froh angekommen zu sein. Überraschenderweise ist die nächste Nacht die ruhigste seit Wochen, damit hätten wir nicht gerechnet, als wir uns gegen die Welle in die Bucht gekämpft haben.

Dienstagmorgen (22. August) geht’s an Land. Wir wollen einreisen. Die Einreise nach Indonesien gilt als etwas aufwendig. Lange war ein Agent nötig, das ist inzwischen nicht mehr der Fall. Wir haben versucht uns gut zu informieren und das Glück, dass befreundete Segler erst vor kurzem hier eingereist sind und uns sehr geduldig alle Fragen beantwortet haben.
Insgesamt ist der Prozess umständlich, verläuft aber sehr freundlich und recht flüssig, hat aber auch einige kleine „Passierschein A38-Momente“. Was das heißen soll, liest du kein Asterix? Jeder möchte, einen Stempel der anderen Behörde, sodass man alle zuerst besuchen soll.
Erste Station ist die Biosecurity (oder Health oder Quarantine). Dort sagen wir, dass wir da sind. Das ist bereits bekannt. Wir sollen wieder zum Hafen fahren und dort am Strand die Beamten treffen, die an Bord kommen wollen. Nobbi steigt mit den zwei Beamten ins Dinghi. Ich muss an Land bleiben, sonst wird es im kleinen Schlauchboot zu nass. Sie wollen die Covid-Impfungen sehen, fotografieren das Erste-Hilfe-Kit und füllen ein bisschen Papier aus. Zurück an Land, müssen wir wieder zur Biosecurity und dort unsere Unterlagen abholen und das berühmte „Green Book“ bezahlen. Auf dem Weg halten wir beim Geldautomaten.
Nun geht’s zum Zoll, dort zeigen wir unsere Pässe, Bootspapiere und die Clearance vom letzten Hafen. Da wir keine Kopien dieser Dokumente haben (oder sie nicht rausrücken wollen), macht der Beamte Fotos mit seinem Telefon, alles ganz unkompliziert. Nachmittags wollen sie zur Kontrolle an Bord kommen.
In der Zwischenzeit dürfen wir schon mal zur Immigration am Flughafen fahren und bekommen einen Zettel mit, den wir uns dort stempeln lassen sollen. Bei der Immigration geben wir unsere Visa und Pässe ab, es dauert ein wenig, dann haben wir die Aufkleber mit QR-Code unserer Visa im Pass. Nun sollen wir den Zettel, den wir uns von Immigration für Customs stempeln lassen sollen, von Customs und Biosecurity stempeln lassen und eine Kopie zur Immigration zurückbringen. Das ist ein bisschen ärgerlich, denn der Weg zur Immigration ist recht weit.
Nun geht es zurück zu Marisol. Inzwischen sind wir sehr hungrig und froh, dass ich am Tag zuvor unterwegs ein Bananen-Walnuss-Brot gebacken habe, das wir nun vertilgen. Inzwischen meldet sich der Zoll-Beamte (via WhatsApp), wir sollen sie mit dem Dinghi vom Strand abholen. Nobbi wartet beim Hafenmeister, es dauert. Er wird mit lustigen Geschichten unterhalten. Irgendwann tauchen die Zöllner auf. Einer der beiden hat etwas Angst im Dinghi, da unser Boot nicht ganz dicht ist, sodass man immer nasse Füße bekommt, das findet er unheimlich. Es werden ein paar Papiere ausgefüllt, unsere (sehr bescheidenen) Alkoholvorräte protokolliert, unsere Medikamente und Signalmittel kontrolliert und fotografiert. Die beiden sind sehr nett, wir bekommen alle Papiere genau erklärt und am Ende machen wir dann noch ein paar Selfies zusammen im Cockpit.
Am Mittwoch stoppen wir auf dem Weg zum Zoll bei der Biosecurity und holen uns den fehlenden Stempel für Immigration ab. Das geht ganz schnell und ist der erste Stopp, wo wir nur Indonesisch sprechen. Überhaupt hat es sich gelohnt, dass wir ein wenig Indonesisch gelernt haben. Es macht unglaublich Spaß unsere Kenntnisse auszuprobieren. Nobbi freut sich, dass sie Zöllner seine Aussprache loben. Wir haben einen Fahrer der uns die ganze Zeit fährt und immer auf uns wartet. Er lacht sich kaputt über unsere Sprachversuche, bringt uns aber lauter neue Worte bei.
Beim Zoll ist keiner der Zuständigen da. Wir sitzen aber sehr nett auf einem gemütlichen Sofa und bekommen Tee serviert, so wartet man gerne. Hier können wir nun unsere fertigen Papiere abholen und wir bekommen ebenfalls den Stempel auf dem Papier für die Immigration. Wir fahren zur Immigration brauchen dort nur eine Minute und brauchen nicht warten. Dort treffen wir die Crew eines anderen Bootes und weil sie nicht in angemessener Kleidung aufgetaucht sind, haben sie alle einen Sarong bekommen. Wir sind froh unsere „Einklarierungs-Uniform“ aus Bluse bzw. Hemd und langer Hose angezogen zu haben.
Nun ist der Pflichtteil für heute erledigt. Wir nutzen die Gelegenheit und lassen uns zu Telkomsel fahren, um eine SIM Karte zu kaufen. Auch das ist etwas kompliziert. Ausländische Telefone müssen registriert werden. Die Mitarbeiterin ist sehr nett, erledigt alles für uns, lässt uns auch gleich die zugehörige App installieren und erklärt uns, worauf wir beim Buchen neuer Tarife achten müssen. Es gibt zum Beispiel Datentarife in denen ein Teil des Datenvolumens nur in einer bestimmten Region in Anspruch genommen werden kann, muss man ja wissen. Ist aber alles nicht so wichtig, denn es gibt sehr viel Datenvolumen für wenig Geld und das Beste ist, man hat fast überall Netzverbindung sobald man Land sieht! Den letzten Stopp machen wir bei einem Getränkehandel, wo wir unsere Biervorräte auffüllen.

Am Donnerstag erledigen wir die letzte Etappe des Behördenmarathons. Wir müssen quasi aus dem Einreisehafen ausklarieren. In anderen Ländern heißt das Inter-Island-Clearance. Dafür müssen wir zum Hafenmeister. Das ist einfach, der ist direkt am Hafen und wir brauchen kein Taxi. Er bekommt eine Kopie des Zettels mit den vielen Stempeln, unsere Clearance aus Dili und Kopien unserer Papiere. Dass dieser Besuch spannend werden könnte, wussten wir vorher. Er ist etwas speziell. Alles ist ganz lustig, er macht ein paar Späße und stellt unsere Papiere aus, Zielhafen Lombok. Vermutlich werden wir in Lombok einen Stopp machen, unser Zielhafen ist es jedoch nicht. Wir wollen, dass er unser letzten indonesischen Hafen Batam in unsere Papiere schreibt. Er findet das sei egal. Vielleicht ist es das. Aber wenn es egal ist, kann er doch auch Batam eintragen? Er will nicht. Nun werde ich böse. Schnell habe ich noch ein paar Wörter nachgeguckt und mache ihm dann in sehr wilden Mischung aus Indonesisch und Englisch klar, dass ich möchte, dass da Batam steht. Wir erklären, dass unser Boot klein ist und wir flexibel bleiben wollen. „No problem, Mam“. Er stellt den Wisch nochmal aus. Und kassiert natürlich eine „Bearbeitungsgebühr“, darauf waren wir vorbereitet und haben keine Kraft mehr uns zu wehren. Alle sind fröhlich, es folgen Selfies im Büro.
Damit haben wir den Behördenkram fürs erste erledigt. Ob wir alles richtig gemacht haben, wissen wir erst, wenn auch die Ausreise problemlos funktioniert. Insgesamt lief es ganz smooth. Gute Laune und ein Bootsstempel (!) helfen sehr viel weiter. Die Beamten waren schier begeistert und wollten den Marisol-Stempel auf alle Papiere haben. (Für nachfolgende Segler stellen wir gerne noch alle Infos zusammen, wenn wir erfolgreich wieder ausgereist sind. Falls ihr jetzt einreisen wollt und Fragen habt, meldet euch.)

Nun brauchen wir noch Diesel. An der Tankstelle direkt am Hafen gibt es nur subventionierten Diesel, den dürfen wir aber nicht tanken. Ein „Agent“ hat sich uns seit Tagen aufgedrängt und obwohl wir klar gemacht haben, dass wir ohne ihn einklarieren werden und er auch nirgends mitgekommen ist, ist uns klar, dass wir seine ungefragte Hilfe wohl irgendwie honorieren müssen. Also beschließen wir, ihn Diesel organisieren zu lassen. Eine Frau fährt mit dem Roller zur nächsten Tankstelle und füllt unsere Kanister dort.
Nachdem Nobbi den Diesel und unsere Papiere an Bord gebracht hat, haben wir das Pflichtprogramm erledigt und können uns noch etwas umsehen. Kupang ist eine etwas staubige Stadt. Für indonesische Verhältnisse mit 440.00 Einwohnern eher klein, ist es im Gegensatz zum beschaulichen Dili doch recht groß. Viele Christen leben hier, eine Kirche oberhalb der Bucht fällt uns schon beim Ankern auf. Gegen fünf werden wir allerdings von den Muezzins der Moscheen geweckt. Es ist recht viel Verkehr und wir pirschen uns am staubigen Straßenrand entlang bis zu einem Obstladen. Die Verkäuferin ist nett und das Obst so günstig, dass wir gar nicht handeln mögen. An einem kleinen Stand kaufen wir noch Tomaten und Auberginen, vermutlich bezahlen wir zu viel, denn wir bekommen noch einige Tomaten und eine Aubergine geschenkt. Bei drei kleinen Mädchen wollen wir später Bananen kaufen, dürfen aber erst gehen, nachdem wir gemeinsam mit der Verkäuferin vom Nachbarstand Fotos gemacht haben. Vitaminmangel ist zunächst nicht zu befürchten.
Wir schleppen unser Obst noch ziemlich weit durch die Stadt, aber bevor wir wieder auf dem Boot sitzen müssen wir uns auch mal bewegen. In einem luftigen Restaurant essen wir und ich bin stolz, dass ich mein Essen inklusive Sonderwünsche auf Indonesisch bestellen kann.
Zurück an Bord verstauen wir das Dinghi an Deck, waschen das ganze Obst und Gemüse und räumen etwas auf. Am nächsten Morgen soll es weitergehen, eigentlich könnten wir einen Ruhetag gebrauchen, aber wir haben dem Hafenmeister versprochen binnen 24 Stunden auszulaufen. Nachdem wir am Mittwoch wildes Wetter am Ankerplatz hatten, nachmittags drehte der Wind um 360 Grad, leider mit satten fünf Windstärken, so dass es etwas hektisch im Ankerfeld wurde, sind wir auch gar nicht so wild auf eine Verlängerung in Kupang. Die Stadt Kupang lädt nicht unbedingt zu längeren Aufenthalten ein, doch die netten, offenen Menschen machen, mal wieder, den Unterschied. Schon lange haben wir in drei Tagen nicht so viel gelächelt und gelacht.

Obrigado Timor Leste

Gestern haben wir ausgecheckt. Das ging ziemlich zügig, war wieder sehr nett und günstig war es auch. 13,42 Dollar Hafengebühr haben wir bezahlt, sonst gab es keine Gebühren, weder beim Ein- noch beim Auschecken.
Heute waren wir auf dem Markt und haben uns mit Obst und Gemüse eingedeckt. Wassermelone, Maracuja, Papaya, Möhren, Zwiebeln, Avocado, Bananen, Knoblauch, Soursop und Kartoffeln. Gestern haben wir ein nettes Restaurant entdeckt. Bei Dilicious gibt es sehr leckeres lokales Essen. Wir haben die Chance genutzt und waren heute gleich wieder dort. Den Kaffee haben wir allerdings wieder bei Pateo getrunken, dort beim portugiesischen Supermarkt gibt es nämlich sehr gute Pasteis de Nata. Außerdem wollten wir an den letzten Tagen nun nicht mit unseren neuen Gewohnheiten brechen.
Auf dem Rückweg haben wir uns darüber unterhalten, dass wir Dili interessant finden und es, auch wegen der guten Versorgungslage, gut noch ein wenig hier aushalten könnten. Diese Einschätzung bekam kurz darauf einen Dämpfer. Auf dem Ankerplatz zeigen sich viele Schaumköpfe, die Wellen brechen sich. Die Dinghifahrt ist feucht, das Anlegen an Mari sehr sportlich. Mari schaukelt wild. Auf dem Sofa liegend geht’s, aber sonst macht es keinen Spaß. Trotzdem entschließen wir uns das Dinghi an Deck zu nehmen. Erst muss der Außenborder ans Heck. Nobbis Einsatz im Boot erinnert an Bullriding, allerdings in nass, fröhlich schwappen die Wellen ins Dinghi. Der zweite Teil, das Dinghi aus dem Wasser nehmen, umdrehen und unter dem Baum an Deck legen klappt dagegen routiniert und Blessuren frei.
Morgen geht’s weiter. Nächste Station: Indonesien. Dili hat uns gefallen, nicht nur wegen der Pasteis de Nata und des portugiesischen Rotweins. Wir haben sehr nette, offene, freundliche Menschen getroffen. Fazit: ein lohnenswerter Stopp!

Mittagsschlaf im Baumarkt? Kein Problem!
Hier wohnt das gute Essen!
Kokosnusspause
Deutsche Entwicklungshilfe die ankommt. Mit Fahrplan!
Großes Obst- und Gemüseangebot.

Touristenprogramm – Die Unabhängigkeit, Tais, Christus und weiße Strände

Wer sich mit Osttimor beschäftigt, kommt am blutigen Weg in die Unabhängigkeit nicht vorbei. Wir besuchen das „Museo da Resistência“, das Osttimors Weg in die Unabhängigkeit beschreibt. Hier gibt’s eine kleine Zusammenfassung, die Geschichte ist natürlich sehr viel komplizierter.
Die ersten Menschen lebten schon vor etwa 40.000 Jahren auf Timor. Als die Europäer im 16. Jahrhundert hier auftauchten gab es eine Vielzahl kleiner Reiche. Im 18. Jahrhundert kämpften vor allem Portugal und die Niederlande um die Vorherrschaft. Nachdem Portugal einige Inseln an die Niederländer verloren hatten und ihnen auch den Westteil der Insel überlassen musste, behaupteten sie sich im Ostteil Timors und machten schließlich Dili zur Hauptstadt der Kolonie. Das Hauptinteresse lag auf dem Gewinn von Sandelholz und später Kaffee. Im zweiten Weltkrieg wurde Osttimor trotz Portugals Neutralität von den Japanern besetzt. Im folgenden Guerillakrieg starben schätzungsweise 50.000 Menschen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Indonesien unabhängig von den Niederlanden, während Osttimor portugiesisch blieb.
In den 1970 Jahren hat Portugal genug eigene Probleme, mit der Nelkenrevolution geht 1974 die Diktatur zu Ende. Osttimor hat etwa den Status einer vergessenen, ausgebeuteten Kolonie am Rande der Welt. In Portugal wird 1975 ein Gesetz verabschiedet, das beinhaltet, dass Osttimor dekolonialisiert werden soll. In Osttimor beginnt ein Bürgerkrieg zwischen den beiden größten Parteien. Die FRETILIN siegt und ruft die Unabhängigkeit aus, doch dann greift Indonesien zu. Durchaus mit Duldung durch US-Amerikaner und Australier, die auf eine schnelle Herstellung geordneter Verhältnisse hoffen.
Es beginnt eine grausame indonesische Besatzungszeit. Bis 1979 wird ein Viertel bis ein Drittel der Bevölkerung getötet, direkt oder durch Hunger. Auch in den folgenden Jahren kommt es immer wieder zu Deportationen, Ermordung von Führungspersonen der Unabhängigkeitsbewegung, getöteten Journalisten und 1991 zum Santa Cruz Massaker.
Nachdem der Konflikt lange kaum ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit dringt, setzen sich vor allem Portugal und Australien für die Unabhängigkeit Osttimors ein. Schließlich gibt es 1999 ein Referendum, bei dem sich 80 % der Bevölkerung für die Unabhängigkeit ausspricht. Daraufhin kommt es noch mal zum Aufflammen der Gewalt durch Milizen und die indonesische Armee. Nun wird von der UN eine Friedenstruppe entsandt und der Konflikt beendet. Am 20. Mai 2002 wird Osttimor unabhängig.
Das Museum ist modern und den gesamten Text gibt es auf Portugiesisch, Tetum und Englisch. Wir haben viel gelernt und nun Appetit auf leichtere touristische Inhalte.

Tais heißen die traditionellen gewebten Stoffe. Es gibt sie in unzähligen Mustern, viele sind sehr schön bunt und in der Regel sind sie aus Baumwolle. Die gesamte Produktion vom Spinnen übers Färben bis zum Weben erfolgt normalerweise innerhalb der Familie. Die Stoffe werden als Kleidungsstücke getragen, aber haben auch kulturelle Funktionen, dienen als Mitgift, Geschenk und heute als Souvenir. Hier in Dili gibt es einen eigenen Tais Market. Wir sind die einzigen Besucher, was ein wenig beklemmend ist. Die Verkäufer warten auf Kundschaft, spielen Karten und lassen ihre Hähne kämpfen. Auch auf Marisol gibt es nun einen Tais.

Im Tourismusbüro haben wir Postkarten bekommen und brauchen nun Briefmarken. Wir laufen zur Post und denken zunächst, dass wir vergebens gekommen sind, es scheint geschlossen zu sein. Doch dann entdecken wir die beiden Mitarbeiterinnen. Die beiden kümmern sich rührend um uns. Unsere Briefmarken werden liebevoll mit Uhu auf die Karten geklebt, dann werden sie gestempelt. Sie schenken uns jedem eine Flasche Wasser und freuen sich als wir fragen, ob wir ein Foto machen dürfen. Auf dem Weg zur Post entdecken wir einen Chinesischen Tempel, den wir uns ansehen dürfen.

So schön kann ein Postbesuch sein!

Der öffentliche Nahverkehr ist mit sogenannten Mikrolets, Minibussen, organisiert. Sie fahren auf zwölf festgelegten Routen. Man winkt sie ran, wenn man einsteigen möchte und klopft mit einer Münze an den Handlauf, wenn man aussteigen möchte. Das System ist einfach, günstig (eine Fahrt kostet 25 Cent) und sehr effektiv. Gestern waren wir 17 Fahrgäste plus Fahrer, sehr kuschelig. Uns macht es Spaß mit den kleinen Bussen zu fahren und wir nutzen sie unter anderem, um zu der Landspitze zu kommen, auf der die Christus-Statue steht. Diese ist nach der in Rio die zweitgrößte der Welt und wurde 1996 aufgestellt. Viele Stufen führen nach oben an den Fuß der Statue „Cristo Rei do Dili“, belohnt werden wir mit dem Ausblick auf die Stadt und schöne Strände.

Dili – Ankern im Herzen der Stadt

Osttimor ist ein junges Land mit einer jungen Bevölkerung. Erst 2002 wurde Osttimor endgültig Unabhängig und das Medianalter der 1,3 Mio. Einwohner liegt bei etwa 20 Jahren. Portugiesisch und Tetum sind die offiziellen Sprachen, es werden jedoch viele weitere lokale Sprachen, außerdem Indonesisch und Englisch gesprochen. Praktisch alle Bewohner, ungefähr 98 %, sind katholisch, das liegt vor allem an der Rolle der katholischen Kirche während der indonesischen Besetzung. Gezahlt wird mit US-Dollar, ähnlich wie in Panama gibt es eigene Münzen.
Osttimor umfasst den Ostteil der Insel Timors (wer hätte das gedacht), die Exklave Oecusse weiter im Westen der Insel Timor und zwei kleine Inseln. Die Größe von 15.000 km2 entspricht etwa der Größe Schleswig-Holsteins. Und, ein wenig unnützes Quizshow-Wissen, Osttimor ist das einzige asiatische Land, das ausschließlich auf der Südhalbkugel liegt.
Dili ist die Hauptstadt und liegt an der Nordküste der Insel. Und mitten im Herzen der Stadt, gegenüber vom Regierungspalast, liegen wir. Unser Ankerplatz ist mäßig romantisch, dafür aber sehr zentral. Uns gefällt es hier.

Am Sonntag, am Tag nach unserer Ankunft, pumpen wir unser Dinghi auf und fahren an Land. Bei der Policia Maritima gibt es einen Strand, dort können wir anlanden. Wegen des leichten Schwells, brauchen wir ein gutes Timing beim Sprung auf den Strand.
Bei der Policia Maritima interessiert sich niemand für uns, es wird geangelt und Billard gespielt. Schließlich ist Wochenende. Bei der Immigration treffen wir, wie erwartet niemanden an. Wir genehmigen uns unseren Landgang selbst und fahren mit dem Taxi ins Timor Plaza Einkaufszentrum, kaufen SIM Karten samt Datenpaket und essen dort.

Am Montag melden wir uns bei der Policia Maritima, wir dürfen unser Boot gerne an ihrem Strand lassen, und sollen zur Immigration am Hafen gehen. Dort schickt man uns zur Gesundheitsbehörde. In einem kleinen Büro füllen wir ein Formular aus, unsere Impfpässe werden begutachtet und eine Crewliste abgestempelt. Der Chef kommt auch noch vorbei und möchte sich ein wenig unterhalten. Zurück zur Immigration. Dort liegen schon die zwei Einreiseformulare für uns bereit, die ich ausfülle, während Nobbi sich mit den Beamten unterhält. Werder Bremen ist bekannt, Borussia Dortmund findet man sympathisch. Die Pässe werden gestempelt, außerdem auch wieder eine Crewliste. Nobbi zieht unseren Bootsstempel raus und stempelt die Crewliste ebenfalls, das stößt auf große Begeisterung. Wir sollen nun zum Hafenmeister gehen. Ob wir nicht auch zum Zoll müssen? Stimmt, erst zum Zoll. Beim Zoll ist keiner, der uns abfertigen darf. Wir sollen zum neuen Handelshafen fahren. Das wollen wir nicht so gern, das ist 15km entfernt und wir sind nicht so sicher, wo wir da genau hinfahren sollen. Also gehen wir erstmal zum Hafenmeister, der nette Immigration-Beamte schleust uns in den Sicherheitsbereich des Hafens, wir können die Abkürzung nehmen. Dort beschäftigen wir gleich drei Beamte, ob wir eine Crewliste hätten? Wieder füllen wir ein Formular aus, unsere Pässe werden kopiert. Wir erzählen, dass wir zum Zoll im Handelshafen fahren sollen. Der Hafenmeister findet das zu teuer und zu gefährlich. Nachmittags sei doch sicherlich ein Beamter dort. Wir geraten in ein Büro der Hafendirektion, ob wir schon beim Hafenmeister waren und ob wir einen Beleg bekommen haben? Ob wir den Beleg nicht erst bei der Abreise bekommen, fragen wir. Ein Telefonat bringt Klärung und man ist sich einig, den Beleg gibt’s bei der Ausreise und wir sollen nicht zum Handelshafen fahren. Wir gehen wieder zum Zoll, der Mitarbeiter ruft seinen Chef an und bespricht mit ihm, dass wir nachmittags wiederkommen. Als wir zurückkehren liegt das Zollformular unterschrieben bereit, wir brauchen es nur noch auszufüllen, in der Hafendirektion wird es kopiert und schon sind wir einklariert.
Das ganze Prozedere war etwas chaotisch, aber alle die wir getroffen haben waren freundlich und bemüht. Alle Stationen sind nur wenige Meter voneinander entfernt. Unsere wenigen Portugiesisch Bruchstücke haben manches Lächeln hervorgerufen und Geduld und Freundlichkeit, wie so oft, weitergeholfen. Gestern waren wir auf dem Hafengelände um ein Foto zu machen und werden sehr enthusiastisch begrüßt, da darf man mich dann sogar Mami nennen.

Man kann hier überraschend gut einkaufen. Schade, dass wir so gut proviantiert sind und eigentlich gar nichts brauchen. Besonders angetan hat es uns der portugiesische Supermarkt. Wir genießen wunderbare Pasteis de Nata, die tollen portugisischen Törtchen, spanischen Käse und portugiesischen Rotwein. Außerdem kann man hier auch nett Mittagsessen.
Auf dem Gemüsemarkt müssen wir uns für einen Stand entscheiden, die Auswahl ist groß. Eine sympathische junge Frau macht das Rennen. Wassermelone, Maracuja, Bananen, Tomaten und Gurken wandern in unsere Tasche. Die junge Frau ist geschäftstüchtig und möchte uns auch Mangos, Ananas und Soursop verkaufen, wieder versprechen wiederzukommen, wenn wir aufgegessen haben.

Wir bummeln an der Promenade entlang wundern uns über die unzähligen Stände mit exakt identischem Warenangebot nebeneinander und beobachten das Leben. Junge Männer bieten Handyreparaturen an, magere Katzen warten auf die Reste aus den Garküchen und überall gibt es Kokosnussverkäufer. Nobbi war beim Friseur und der Haarschnitt ist ganz gut geworden, besonders wenn man bedenkt, dass er mit einer Küchenschere und einem kaum funktionierenden Haarschneider gemacht wurde.
Die Fischer kommen rein, laden ihre Fische ab und versorgen sich mit Lebensmittel und Wasser. Wir wollen uns das Spektakel von nahem ansehen, aber es stinkt höllisch. Im flachen Wasser werden die Fische ausgenommen, sortiert und gewogen.
Die Kanalisation ergießt sich ins Meer und der Strand ist dreckig. Plastikmüll. Ums Schiff ist es dank des starken Wasseraustausches erstaunlich sauber und wir sehen immer wieder Schildkröten neben dem Boot. Ich muss hier aber nicht baden. Osttimor soll viele fantastische, unberührte Strände haben, dass der vor der Hauptstadt nicht dazugehört, ist wenig überraschend. Im Zentrum der Stadt ist es erstaunlich sauber, die Fusswege sind frisch gefegt und die Rinnsteine wurden von Müll befreit, entfernt man sich etwas weiter sieht es anders aus. Vielleicht kommt es aber auch nur drauf an, wo die Stadtreinigung gerade unterwegs war.

Mittags kommt etwas Thermik auf und der Seegang nimmt zu, deshalb sind Dinghifahrten um die Mittagszeit ein wenig sportlicher, morgens und abends ist es meist sehr ruhig. Wir waren jetzt jeden Tag mittags unterwegs und sind immer heil an den Strand und wieder zurück an Bord gekommen. Wenn der Wind abends nachlässt, legt Mari sich gerne quer zum Schwell und schaukelt dann etwas oder auch etwas mehr. Ab und zu muss man sein Glas festhalten, damit es nicht vom Tisch hüpft. Wir haben überlegt einen Heckanker zu setzen, uns dann aber dagegen entschieden. Eigentlich wollen wir bald weitersegeln, gerade fühlen wir uns aber sehr wohl hier.

Acht Tage steile Wellen und raues Segeln

Es ist kurz vor Mitternacht. Wir segeln bei wenig Wind und kaum Welle entlang der Nordküste Timors. Der Mond ist noch nicht aufgegangen, der Sternenhimmel wunderschön klar, keine einzige Wolke zeigt sich. An Land sehe ich weit entfernt einige Lichter von Häusern, Straßenlaternen und gelegentlich die Scheinwerfer eines Autos. Unsere Bugwelle funkelt mit dem Sternenhimmel um die Wette, Millionen von Meeresbewohnern fluoreszieren. Auch die Delfine, die mich seit einer halben Stunde begleiten, ziehen einen glitzernden Schweif hinter sich her. Diese Momente sind es, die dabei helfen die weniger schönen und anstrengenden Teile der Überfahrt bald zu verdrängen.
Am Freitag, 4. August verlassen wir Australien und starten vormittags als der Strom kentert. Flott geht es an Thursday Island vorbei, in der Enge danach schiebt der Strom kurz mit bis zu sechs Knoten, ganz schön aufregend. Wir segeln entlang des Schifffahrtsweges. Das flache Wasser leuchtet milchig türkis, die Welle ist nicht hoch aber ruppig und wir haben mal wieder ordentlich Wind. Hier ist es wirklich unglaublich flach, nach 50 Seemeilen ist die Wassertiefe noch immer nur bei 20m. Am zweiten Tag sehen wir zwei Fischerboote, eines aus Saudi-Arabien und eines aus Aserbaidschan im australischen Seeraum. Wir können sie und ihre Netze, die mit Bojen markiert sind und ein eigenes AIS Signal aussenden (und bei uns auf dem Bildschirm auftauchen), gut umfahren.
Hier ist deutlich mehr Schiffsverkehr als in den Weiten des Pazifiks, wir sehen jeden Tag mehrere große Schiffe. Containerschiffe, Tanker, Bulkcarrier. Die Begegnungen sind ausgesprochen friedlich, ihre Kurse sind leicht auszumachen und sie führen identifizierbare Lichter. Wir achten darauf, dass wir geradeaus segeln und keine Verwirrung stiften. Mehrere Schiffe, die uns sonst etwas nahe gekommen wären, ändern den Kurs um ein paar Grad ohne dass wir darum bitten müssen. So soll es sein.
Am Abend des sechsten Tages verlassen wir die ausschließliche Wirtschaftszone Australiens und segeln gleichzeitig über die 200m Tiefenlinie, jetzt fällt die Wassertiefe auf 500m. Eigentlich für uns völlig uninteressant, aber der sogenannte Kontinentalschelf ist für die Unterwasserwelt extrem attraktiv. Wir merken es daran, dass wir plötzlich zick-zack zwischen den Fischern segeln müssen. 20 Schiffe und mehr sehen wir gleichzeitig, dazwischen unzählige Bojen. Die Beleuchtung ist kreativ. Vorne rot hinten grün, sieben weiße, ein blaues Licht. Die wenigsten der Fischer haben AIS, obwohl es sich um große Schiffe handelt. Die Bojen senden grün-blaue Blitze, rotes Funkeln oder weißes Glimmen. Es ist schwierig den Überblick zu behalten, welche Boje gehört zu welchem Schiff? Das Ganze wäre nicht so anstrengend, wenn wir nicht sechs bis sieben Windstärken hätten, in den Böen auch mal acht. Und dann beginnen die Schauer. Der starke Regen drückt die Wellen platt, aber beschränkt auch die Sicht. Zu zweit versuchen wir uns frei zu segeln. Einmal nehmen wir die Maschine zur Hilfe, ein Fischer leuchtet uns an, wir müssen gegen den Wind abhauen. In dieser Nacht schlafen wir wenig. Nach ein paar Stunden ist der Spuk vorbei, wir sehen noch einige Fischer aus sicherem Abstand und müssen am nächsten Morgen noch ein entschlossenes Ausweichmanöver fahren, das AIS-Signal einer Netz-Boje taucht plötzlich dicht vor uns auf. Die Sonne trocknet die nassen Sachen der Nacht und wir holen etwas Schlaf nach. Danach hatten wir zum Glück keine Begegnungen mit Fischern mehr. Wir vermuten, dass das Meer inzwischen zu tief ist, um als Fischgrund attraktiv zu sein.
Immer wieder notieren wir im Logbuch, dass die Welle ungemütlich ist. Irgendwie verkeilen, lesen, ein Hörbuch hören und durchhalten. Mehr passiert nicht. Kochen und Abwaschen sind Hochleistungssport. Das Duschmanöver will sorgfältig geplant werden. Nobbi behauptet er löst Kreuzworträtsel. „2m waagerecht“ bedeutet: er geht in die Koje, der beste Platz an Bord. Wir können uns nicht erinnern schon mal eine Woche im zweiten Reff gesegelt zu sein. Einen windigen Start der Überfahrt hatten wir erwartet, aber gehofft, dass der Wind nach einigen Tagen abnimmt. Ein Blick auf die Wettervorhersage zeigt heute, dass jetzt ein toller Zeitpunkt für die Passage wäre, tagelang handiger Wind. Aber jetzt sind wir schon hier.
Nobbi hat während einer Nachtwache einen Passagier. Ein Tölpel versucht achtern auf dem Bimini zu landen und wird von der Windsteuerfahne ins Cockpit katapultiert. Der arme Vogel landet unsanft auf dem Cockpitboden. Nach einiger Zeit berappelt er sich und hüpft auf die Bank, als er sein Lager im Schwalbennest aufschlagen möchte, lässt er sich von Nobbi nicht nur anfassen, sondern sogar hochheben. Schließlich fliegt er davon und kann seinen Tölpel-Freunden jetzt eine tolle Geschichte erzählen.
Wie auf jeder Passage freuen wir uns über tolle Sonnenauf- und -untergänge, die fantastischen Farben der Meeres von hellgrün bis dunkelblau, den Sternenhimmel, magische Mondaufgänge, sehr viele Sternschnuppen, Seevögel und über die Ruhe und Freiheit auf See.
Schließlich sehen wir nachts den ersten indonesischen Leuchtturm und erreichen eine Woche nach Verlassen Thursday Islands die Nord-Ost-Ecke Timors. Die zu Beginn beschriebene traumhafte Nacht lässt uns die Strapazen vergessen. Irgendwann schläft der Wind ein und wir motoren durch die ruhige Nacht. Der Sonnenaufgang ist besonders schön und wird durch einen sehr großen Wal der parallel zu uns schwimmt gekrönt.
Die letzten Meilen nach Dili, der Hauptstadt Timor-Lestes ziehen sich, als wollte Neptun uns daran erinnern „man ist erst da, wenn man da ist“. Wir haben entgegen unserer Erwartung starken Gegenstrom und kommen nur langsam voran, obwohl der Ostwind inzwischen zurückgekommen ist und uns kräftig schiebt. In der letzten Stunde haben wir so grausamen Seegang, dass wir uns mit beiden Händen festklammern müssen.
Schließlich haben wir es geschafft. Nach acht Tagen und sechs Stunden laufen wir in den kleinen Hafen von Dili ein. Wir suchen uns einen Ankerplatz, sind sehr froh angekommen zu sein und sehr gespannt auf ein neues, fremdes Land. Musik weht zu uns herüber, bei der Unidade Policia Maritima wird Karate trainiert, viele Motorroller drängeln sich auf der Straße am Hafen. Wir sitzen im Cockpit und beobachten das Leben an Land durchs Fernglas. Müde fallen wir in die Koje. Der Schwell läuft bei Flut übers schützende Riff und Mari schaukelt heftig, aber uns ist das egal und wir schlafen herrlich eine ganze Nacht durch.

Abschied von Australien

Horn Island ist eine kleine Insel mit einem Flughafen, zwei Supermärkten, ein paar Hotels und für uns nur interessant, weil sie gegenüber von Thursday Island liegt. Thursday Island liegt übrigens zwischen Wednesday Island und Friday Island. Da ist Herrn Cook und seinen Leuten einfach nichts mehr eingefallen. In Thursday Island, kurz TI, können wir ausklarieren, also Australien verlassen. Deshalb sind wir hier. Der Ankerplatz vor Thursday Island ist gelinde gesagt ungemütlich, aber es ist erlaubt hier bei Horn Island zu ankern und mit der Fähre nach Thursday Island zu fahren.
Am Montag sind wir an dem Ankerplatz angekommen und haben beschlossen unseren Anker einige Tiden zu beobachten. Dienstag haben wir getankt. Was sich so simpel anhört war eine größere Sauerei, weil der Rüssel nicht in die Kanister passte. Also haben wir aus einer Wasserflasche einen Trichter gebaut, trotzdem war das Befüllen der beiden Kanister eine mühselige Angelegenheit. Bei den beiden Supermärkten haben wir unsere Obst- und Gemüsevorräte aufgefüllt und im Pub kann man Bier kaufen. Eine Wild-West-Atmosphäre, ein Ende der Welt, kein Traumort. Nach einem Kaffee im Supermarkt-Café-Postamt ging es wieder an Bord. Während ich Wäsche wasche macht Nobbi noch einen Tanktrip, füllt die anderen beiden Kanister und bringt Waschwasser mit.
Auch wenn erst Mittwoch ist, fahren wir nach Thursday Island, allerdings mit der Fähre. Wir schauen beim Zoll vorbei, drehen eine Runde durch den Supermarkt und trinken Café in einer kleinen Galerie. Der Waschsalon ist eine skurrile Abstellkammer im Hinterzimmer eines Schreibwaren-Tierfutter-Geschenkartikel-Geschäfts. Dort können wir unsere Wäsche waschen, leider sind alle vier Trockner kaputt (und das schon sehr lange) und wir müssen unsere nasse Wäsche auf der Fähre wieder mitnehmen und an Bord trocknen.
Am Anleger sehen wir ein kleines Motorboot mit einem toten Dugong. Erst dachte ich, das Dugong hätte sich in einem Fischernetz verheddert und wäre ertrunken, aber dann lerne ich, dass die Torres-Strait-Insulaner (die indigene Bevölkerung der Region) Dugongs und Schildkröten jagen dürfen. Das wusste ich nicht. Eine ganze Familie klettert zum Dugong ins Boot, die Eltern, 2 Kleinkinder, ein Baby, der Kinderwagen und die Einkäufe stapeln sich auf dem großen Tier.
Heute waren wir wieder auf Thursday Island, ist ja schließlich Donnerstag. Wir wollen ausreisen. Beim Zoll ist niemand, aber ein Telefonat ergibt, dass wir in einer Stunde vorbeikommen können. In der Wartezeit essen wir eine Kleinigkeit, das Ausklarieren verläuft schnell, freundlich und problemlos, noch ein kleiner Spaziergang und schon fährt die Fähre wieder nach Horn Island. Am Anleger sehen wir einen großen Hai, noch ein Grund hier im etwas trüben Wasser besser nicht zu baden. Es ist heute sehr windig. Die Dinghy-Fahrt zurück an Bord und das Verstauen von Außenborder und Boot ist etwas mühsam. Aber nun sind wir bereit. Morgenfrüh geht’s los. Wir verlassen Australien und segeln nach Osttimor. Etwa 1000 Meilen liegen vor uns, wir rechnen mit etwa einer Woche Reisezeit.

Mit Australien und den Australiern sind wir nicht so ganz warm geworden. Cairns hat uns gefallen, Lizard Island war ein Highlight und wir hatten einige nette Begegnungen, aber der Funke ist nicht übergesprungen. Vielleicht beim nächsten Mal!

In fünf Etappen zur Torres Straße

Wir liegen bei Horn Island vor Anker und haben damit die Nordspitze Australiens erreicht. Von Night Island sind wir noch fünf weitere Etappen gesegelt.
Eine sportliche Etappe nach Portland Road forderte uns. Morgens dachten wir zunächst wir hätten einen schweren Fehler gemacht unseren Platz in Night Island aufzugeben, viel Wind und die steile Welle von der Seite machten den Start sehr rau. Nach 2h wurde es ruhiger und wir haben die 40 Meilen zum nächsten Ankerplatz schnell bewältigt. Hier sahen wir mal wieder eine andere Yacht, einen Motor-Kat, den wir schon aus Lizard kannten und der genau wie wir furchtbar im Schwell rollte.
Am nächsten Tag ging es in die Margaret Bay hinter Cape Grenville. Wieder ein flotter Segeltag, schnelle 45 Meilen. Immer wieder wundern wir uns über die hohen steilen Wellen, die sich schnell aufbauen, also kein Wellnesssegeln. Aber tolles Wetter. Kurz vorm Ankerplatz segeln wir zwischen den Home Islands hindurch, eine schöne Passage zwischen sandigen Trauminseln. Später finden wir hier heraus, dass wir hier ein Anwesen auf einem privaten Eiland pachten könnten, entscheiden uns aber dagegen. Am Ankerplatz beobachten wir Delfine, die im nur 4m tiefen Wasser jagen und eine Luxusyacht, die diesen Platz mit uns teilt.
Um die nächste Etappe etwas zu verkürzen ziehen wir am nächsten Morgen in die Shelbourne Bay um. Nur 10 Meilenliegen vor uns, das Wetter scheint ruhig und sonnig, wir freuen uns auf einen kurzen Tag und einen entspannten Nachmittag. Mal wieder haben wir uns getäuscht. Die kurze Etappe ist extrem rau und der neue Ankerplatz sehr flach, wir haben inzwischen Springzeit, die Niedrigwasser sind besonders niedrig und wir trauen uns nicht so weit ins flache Wasser, dass wir wirklich geschützt liegen. Einen Meter Wasser wollen wir gerne unter dem Kiel haben, da sich in der flachen Bucht richtiger Seegang entwickelt hat. Nachmittags reparieren wir bei satten 6 Bft unser Bimini und werden fast weggeweht. Der Sonnenschutz ist wichtig und wir wollen nicht riskieren, dass die Naht noch weiter reißt. Wir schlafen besser als erwartet, allerdings nur kurz. Um halb zwei klingelt der Wecker, eine lange Etappe liegt vor uns. Nach einer aufmunternden Tasse Kaffee geht es um zwei Uhr los. Im Mondlicht setzen wir Segel, der Seegang hat sich beruhigt und wir segeln Tee trinkend in den frühen Morgen. Bald begleiten uns Delfine. Wir freuen uns sehr, hier haben wir viele Delfine gesehen, aber sie wollten uns, anders als in anderen Gebieten, nie begleiten. Ein wenig müde genießen wir den Segeltag und freuen uns darüber, dass unser Zeitplan aufgeht. Wir wollen durch die Albany Passage fahren und bei Niedrigwasser vor der Einfahrt stehen, so dass die einsetzende Flut uns durch die 2 Meilen lange Enge trägt. Trotz perfektem Zeitplan steht das Wasser in der Durchfahrt leider nicht still. Wir fahren schließlich gegen 2 Knoten Strom und kabbeliger Welle durch die Passage und beobachten, dass der Strom erst 2 Stunden später kentert. Nach 80 Meilen sind wir müde, etwas genervt und haben beide Kopfweh. Unsere Stimmung steigt gewaltig, als der Ankerplatz in der Shallow Bay direkt nach der Enge sich als schwellfrei und windstill entpuppt. Damit hatten wir nicht mehr gerechnet. Neerströme drehen Mari gelegentlich in die eine oder andere Richtung. Wir schlafen zehn Stunden und sind dann bereit für die letzte Tagesetappe.
Der Strom schiebt uns flott auf Horn Island zu, die Sonne scheint und das Wasser hat wieder diese ganz besondere Farbe, irgendwo zwischen türkis und jadefarben, leicht milchig leuchtet es. Wolken lassen es petrol bis dunkelblau werden. Cape York, die Nordspitze des australischen Festlands, ist eine harmlose Landspitze. Etliche Schildkröten sehen wir an diesem Vormittag und immer wieder umkreisen uns Tölpel. Dank des schiebenden Stroms sind wir schnell am Ziel. Die Beamten von der Border Force Police umkreisen uns mit einem Boot, machen ein Foto von uns und winken. Wir werden gut bewacht. Am Ankerplatz liegen ein paar Yachten, einige Arbeitsschiffe und ein paar heruntergekommene Wohnschiffe. Wir suchen uns einen Platz mit genügend Schwoi-Raum. Der Strom dreht die Schiffe alle sechs Stunden herum und oft liegen die Schiffe quer zum frischen Wind.

Von Cairns bis Horn Island haben wir 518 Meilen in 13 Tagesetappen und zweieinhalb Wochen zurückgelegt. Nun liegen wir in der Torres Strait, der Meerenge zwischen Papua und Australien, hier haben wir nicht nur das Great Barrier Reef, sondern auch den Pazifik verlassen. Der Abschied vom Pazifik, dem Ozean der Träume, fällt ein klein wenig schwer und doch freuen wir uns sehr auf einen neuen Ozean und einen neuen Kontinent.

Übrigens, die letzten Einträge habe ich um Fotos ergänzt.

Endlich ein Croc im Croc-Country

Samstag 22. bis Mittwoch 26. Juli
Krokodil-Witze haben Hochkonjunktur an Bord. Bei jedem Baumstamm der vorbeitreibt, vermuten wir, dass sich ein Croc darunter versteckt, und Nobbi fragt mich, ob ich lieber eine Handtasche oder Schuhe haben moechte. Wir sind an unserem Ankerplatz angekommen, ich sitze im Cockpit und suche mit dem Fernglas den Strand ab. Gerade will ich Nobbi von dem Baumstamm erzaehlen, der aussieht wie ein Krokodil, da sehe ich es. Unser erstes Croc. Dieses Urzeitwesen mit seinem langen Schwanz. Es liegt am Ufer, gerade soweit, dass es nicht nass wird. Es ist bestimmt 4m lang. Nobbi bietet an, sich zum Groessenvergleich daneben zulegen, macht dann aber doch einen Rueckzieher, als ich ihn frage, ob er sofort rueber schwimmen moechte.
An unserem letzten Ankerplatz hatten wir morgens schon Krokodilspuren gesehen, aber leider nicht die Tiere dazu. Wir beobachten es stundenlang, auch wenn es ein ziemlich langweiliges Tier zum Beobachten ist, es macht ja nichts. Es liegt einfach nur herum. Als die Sonne untergeht ist es noch da, am naechsten Morgen ist es weg.

Die Tage sind abwechslungsreich und ueberraschend verschieden. Einen tollen Segeltag erleben wir von Lizard nach Howick. Das Wasser ist tuerkis, die Sonne scheint, wir sind flott unterwegs und das Segeln macht Spass. Ausserdem sehen wir ganz viele Tiere. Wale (Minkwale?), immer wieder Delfine, einen Hai und Duzende Schildkroeten. Der naechste Tag ist fast windstill, wir motoren die ganze Strecke (ueber 50 Meilen) bis zum naechsten Ankerplatz bei Stanley Island und sehen nicht einen einzigen Meeresbewohner, obwohl das Wasser ganz glatt ist. Dafuer sehen wir gleich zwei Schiffe, zwei Viehtransporter, die sich auf unserer Hoehe begegnen.
Unsere naechste Etappe beginnt unangenehm, der Wind hat auf Suedwest gedreht und steht ploetzlich auf den Ankerplatz, wir segeln zunaechst auf Am-Wind-Kurs und nicht nur das Schiff wird komplett eingesalzen. Wie sehen zwei Fischkutter und werden von der ABF, der Australien Borderforce, ueberflogen. Das Flugzeug fliegt dicht ueber uns und blinkt uns an, dann werden wir ueber Funk gerufen. Nobbi gibt Auskunft, woher, wohin, wie wir heissen, welcher Heimathafen und schon sind sie wieder weg.
Auf der Strecke zwischen Fife und Night Island sehen wir zwei Motoryachten, eine ueberholt uns, eine kommt uns entgegen. Und die Fische springen. Immer wieder. Fische von bis zu einem Meter Groesse springen Meter hoch aus dem Wasser, gerne wuerden wir den Jaeger sehen.
Zunaechst haben wir deutlich weniger Wind als erwartet. Es gibt mal wieder eine Starkwindwarnung. Davon merken wir nichts, wir reffen aus und sind trotzdem langsamer als erhofft, zum Teil kommen wir nur mit 4 Knoten voran. Als wir ihn nicht mehr gebrauchen koennen, kommt der Wind schliesslich doch noch. Auf den letzten Meilen werden wir sehr schnell und bergen die Segel bei hohem Seegang.

Insgesamt ist es wechselhafter als gedacht und regnet ueberraschend viel, meistens zum Glueck nachts. Die Planung ist etwas schwierig. Mal haben wir viel weniger Wind als gedacht, mal kommt er aus einer ueberraschenden Richtung. In der Stokes Bay in Stanley Island dachten wir, wir laegen gut geschuetzt, ob es nun weht oder nicht. Um vier Uhr morgens ist es windstill und wir freuen uns ueber den grandiosen Sternenhimmel. Eine gute Stunde spaeter werden wir vom Seegang wach, der Wind hat auf Suedwest gedreht und weht nun in die Bucht was uns zu beschleunigtem Aufbruch motiviert. Am gleichen Abend ankern wir hinter Fife Island, wir haben erst eine Stunde geschlafen, da nimmt der Wind zu, aus Ost-Nord-Ost. Wir haben gerade so eben noch etwas Schutz, mehr Wind sollte es nicht werden. Nach zwei Stunden dreht der Wind auf Suedost, wir liegen wieder ganz ruhig und schlafen wunderbar.

Die Ankerplaetze an den Inseln und Inselchen sind ganz verschieden und alle schoen. Der Ankergrund war bisher ueberall super, der Anker beisst in den Grund sobald er Gelegenheit dazu hat. Howick Island ist flach und dicht mit Mangroven bewachsen, hat einen Riffsaum und wird von Pelikanen bewohnt. Wir sehen 5 Leuchtfeuer vom Ankerplatz, aber kein einziges Schiff.

Die Inseln der Flinders Group, wo wir in der Stokes Bay von Stanley Island ankern, sind hoch, der hoechste Berg ueber 300m. Die Windseite der Inseln ist felsig und hat schroffe Klippen. Unsere Bucht hat einen weissen Strand mit einigen Steinplatten und ist dicht bewaldet.
Ganz anders sieht Fife Island aus, das kleine sandige Eiland liegt auf einem grossen Riff und hebt sich nur ganz knapp ueber die Meeresoberflaeche. Einige karge Straeucher haben hier Fuss gefasst und eine einzelne Kokospalme waechst mitten auf der Insel. Hier leben tausende Voegel, Moewen, Reiher und grosse Greifvoegel (Adler?). Eine lange Sandbank saeumt das grosse Riff und bietet uns einen geschuetzten Ankerplatz.
Night Island ist eine schmale, lange, Mangroven bestandene Insel, nur an der Nordwestseite gibt es ein paar Meter weissen Sandstrand und genau hier lag das Krokodil in der Sonne. Auch hier wohnen viele Voegel. Wir sehen bunte Papageien, die zu ihren Schlafbaeumen fliegen, viele Ibisse und tausende kleiner Schwalben.

Das Australische Festland an dem wir entlang segeln liegt meist im Dunst oder ist wolkenverhangen. Oft sehen wir nur die Silhouetten der Berge. Am Cape Melville kommen wir der Kueste ganz nah und koennen uns das Kap aus der Naehe ansehen. Es sieht aus, als waeren Kiesel hoch aufgestapelt worden. Nur, dass die Korngroesse bei ueber 10m liegt. Lauter grosse Granitbrocken tuermen sich zu hohen Bergen auf.

Heute Morgen haben wir beschlossen, noch einen Tag hier vor Night Island liegenzubleiben. Es gibt Broetchen zum Fruehstueck, wir waschen Waesche, putzen ein bisschen an unserer Mari herum, Nobbi wechselt den Zahnriemen am Wassermacher und ich backe einen Apfelkuchen. Immer wieder suchen wir mit dem Fernglas den Strand ab, ob unser Croc zurueckkommt? Bei Sonnenuntergang ist es so weit. Gleich zwei grosse Krokodile sind im flachen Wasser unterwegs. Wir beobachten sie bis es dunkel ist und wir sie nicht mehr erkennen koennen.

Wo ist das Croc?

Pause im Paradies – Lizard Island

Dienstag 18.7. bis Freitag 21.7.
Dienstagmorgen ist das Wetter freundlich. Vermutlich wäre es schlau früh los zu segeln bevor der Wind zunimmt, wir entscheiden uns trotzdem für ein gemütliches Frühstück. Kurz überlegen wir an diesem friedlichen Platz einen Ruhetag einzulegen und entschließen uns dann nach Lizard Island zu segeln. Wir können die Insel schon sehen, heute liegen nur 20 Meilen vor uns.
Lizard Island ist zweifelsohne der beliebteste Platz an diesem Küstenabschnitt. Aus gutem Grund. Die Insel bietet einen sehr guten Ankerplatz, eine interessante Tierwelt, ein abwechslungsreiches Freizeitangebot, eine spannende Geschichte und ist einfach wunderschön.
Wir bergen die Segel im Schutz der Insel, eine hohe Welle schiebt uns in Richtung der hohen Felsen und wir tasten uns langsam in die Bucht. Einige Yachten liegen vor dem weißen Strand. Das Riff mitten in der Bucht ist gut zu sehen und mit Bojen gekennzeichnet. Wir lassen unseren Anker auf 3,5m Wassertiefe in den Sand fallen.
Wir gönnen uns einen gemütlichen Lese-Nachmittag im Cockpit und genießen es, endlich mal wieder zu baden. Die Queensland-Küste ist Croc-Country. Nach Norden nehmen die Bevölkerung ab und die Krokodile zu (ob da ein Zusammenhang besteht?). Die Crocs leben gerne in den Mangrovenbuchten am Festland, werden aber auch immer wieder auf den kleinen Riff-Inselchen gesichtet. Außerdem bietet das Great Barrier Reef noch Haie (nicht alle sind freundlich) und je nach Saison tödliche Quallen. Wassersportler und Badebegeisterte haben es also schwer. Kurz nachdem wir geankert haben, springen die Nachbarn von ihrem Boot ins Wasser, ein Segler schwimmt vom Strand zu seinem Boot und am Riff mitten in der Bucht wird geschnorchelt. Wir entscheiden, dass wir dann auch baden können und freuen uns sehr, denn ankern ohne baden macht einfach weniger Spaß. Am Strand stehen übrigens Croc-Warnschilder.
Mittwochmorgen gibt’s vom Wetterdienst mal wieder eine Starkwindwarnung. Den Wetterbericht können wir hier auf Kurzwelle hören oder mit dem Pactor-Modem abrufen. Wir haben heute keine Ambitionen weiterzusegeln. Das Wasser leuchtet türkis, der Strand weiß und wir waren noch gar nicht an Land. Wir falten das Bananaboot auseinander und rudern an den Strand. Andere Segler versorgen uns mit Tipps, wie dem besten Schnorchelplatz. Sie sind schon länger hier und bleiben auch noch einige Monate in der Gegend, bis der Wind dreht und sie nach Süden segeln.
Unsere Wanderschuhe kommen zum Einsatz, der Berg ist 359 m hoch und wir wollen dem Wanderweg auf den Aussichtspunkt folgen. Dies ist ein berühmter Ort und eigentlich Pflichtprogramm für Segler. Vor 250 Jahres ist James Cook auf diesen Berg gekraxelt und hat nach einer Ausfahrt aus dem Riff gesucht. Weil auch James Cook und seine Mitreisenden Blog äh Tagebuch geschrieben haben, wissen wir, dass sie am 12. August 1770 auf diesem Felsen standen. Einige Wochen vorher waren sie mit ihrer „Endeavour“ aufs Riff aufgelaufen, konnten sich befreien und haben ihr Schiff im Endeavour River in Cooktown (was es damals natürlich noch nicht gab) repariert. Im Gipfelbuch sehen wir, dass wir Freunde nur um Stunden am Ankerplatz verpasst haben, und freuen uns über einige uns bekannte Namen. Von Cook‘s Look hat man einen tollen Ausblick aufs Außenriff und auf die leuchtend blaue Lagune im Süden der Insel. Der Wind reißt uns fast von den Füßen, wir suchen uns deshalb einen etwas geschützteren Platz für unser Picknick.
Der Weg war im ersten Teil ziemlich anspruchsvoll und führt dann durch einen lichten Wald. Wir sehen viele Vögel und auch die etwa 1m langen Eidechsen, die Cook die Idee zur Namensgebung gaben. In der Sprache der Aborigines heißt die Insel Jiigurru.
Mir gefallen am besten die Weberameisen, die kunstvoll lebende Blätter am Ast zu Nestern zusammenkleben oder weben. Eine tolle Teamleistung. (Wer sich für Tiere ohne Fell interessiert, sollte das unbedingt mal googlen, im englischen Wikipedia-Eintrag sind ganz tolle Bilder). Die erste Beschreibung der Weberameisen in der westlichen Welt, wurde vermutlich durch Joseph Banks vorgenommen, der, ihr ahnt es, mit James Cook unterwegs war.
Der Rückweg fällt leicht. Wir legen noch einen Stopp ein, um unsere Emails abzurufen. 120m über dem Ankerplatz gibt es ganz guten Empfang. Hier treffen wir auch andere Segler, die deshalb hier hochgeklettert sind.

Im Resort scheint nicht viel los zu sein. Wir sehen nur eine Handvoll Gäste beim Schnorcheln und bei einer kleinen Bootstour durch die Bucht. Dafür bietet eine Yacht Programm. Eine der Motoryachten hat tatsächlich einen Amphibien-Dinghi oder wie auch immer man das nennt. Das ausgewachsene Schlauchboot hat große Räder, die kurz vor dem Strand ausgeklappt werden. Das Boot fährt nun auf den Strand, keine nassen Füße für die Bootscrew. Auf dem Rückweg das gleiche. Das Boot fährt ein wenig auf dem Strand entlang und dann ins Wasser, schließlich schwimmt es, die Räder werden eingeklappt und weiter geht’s als Schlauchboot. James Bond hätte auch gern so eins.

Es ist einfach kitschig schön. Der weiße Strand, die Boote in der Sonne, die Schildkröten im flachen Wasser, die Felsen und Riffe. Wir bleiben noch einen Tag, Zeit für ein Frühstück mit Brötchen, rumtüddeln, lesen, baden, Blog schreiben und einen Strandspaziergang. Leider ist das Wetter nicht ganz so schön wie am Tag zuvor, deshalb entscheiden wir uns am Freitagmorgen noch einen Tag zu bleiben.