Sturm Therese, ein glänzender Fußboden und eine schöne Wanderung

Wir haben Besuch von Therese. Therese ist keine alte Freundin, die spontan beschlossen hat uns zu besuchen, sondern ein großes Sturmtief. Seit Mittwoch bringt es den Kanaren ungewöhnlichen Südwind, Regen und hohe Wellen. Auf dem Teide hat es kräftig geschneit, die Schule ist ausgefallen, die Straßen in die Nationalparks sind gesperrt und Wanderwege geschlossen. Im Süden der Inseln hat es stark geregnet, die ausgetrockneten Flussbetten haben sich rasch gefüllt, Stauseen laufen über, es werden Erdrutsche, überspülte Hafenmolen, umgestürzte Bäume und Stromausfälle gemeldet. Im Norden von Teneriffa hatten wir unerwartet sonniges und warmes Wetter. Die Schauer waren hier eher kurz und auch die Sturmböen nicht so schlimm wie befürchtet. Allerdings ist der Hafen nach Süden hin offen und das Wasser im Hafenbecken durch den sogenannten „surge“, das Heben und Senken des Meeres, in Bewegung. Die Schwimmstege bewegen sich heftig, die Boote schwingen sich auf und rucken in ihren Leinen. Auf der gegenüberliegenden Hafenseite können wir beobachten, wie die Welle die Hafenmauer entlangläuft. Hatten wir lediglich einige unruhige Nächte, hat es andere Boote schlimmer getroffen. An einem Steg liegen die Boote an Mooring-Leinen, hier sind die Moorings gleich reihenweise gebrochen, woanders ist ein Fingersteg vom Hauptsteg abgerissen, mehrere Klampen haben sich vom Steg getrennt. Bei vielen Booten sind Leinen oder Ruckfender gerissen und die Fender platt. Naturgewalten treffen auf mangelnde Wartung des Hafens, es wird immer nur geflickt was gerade kaputt gegangen ist.

Anfang der Woche waren wir fest entschlossen nach Lanzarote zu segeln. Alles ist vorbereitet, die Mahlzeiten für die Überfahrt sind im Kühlschrank verstaut, Stromkabel und Wasserschlauch verstaut und die Marina-Zugangskarten abgegeben. Bevor wir in die Koje gehen, werfen wir noch einen Blick auf den Wetterbericht. Er hat sich schon wieder verändert, leider nicht zu unseren Gunsten. Wir schlafen beide schlecht (bei mir ist das nicht ungewöhnlich, bei Nobbi hingegen schon) und stehen um sechs Uhr auf. Jetzt muss die Entscheidung fallen. Nach einer Tasse Kaffee entscheiden wir uns zu bleiben und gehen wieder ins Bett. Der Wetterbericht hat sich schon wieder verändert, wir haben Angst, dass Therese uns einholt, bevor wir Lanzarote erreicht haben.
Beim späteren zweiten Kaffee des Tages stellen wir fest, dass der Wetterbericht nun wieder angenehmeres Wetter verspricht. Zu spät. Therese scheint launisch und schwer vorhersagbar zu sein. Zur Ablenkung schnüren wir die Wanderschuhe und nehmen den Bus ins Anaga-Gebirge. An einem Aussichtspunkt steigen wir aus und laufen hinunter an die Nordküste. Der Pfad ist erst einmal schmal und steil, bevor er in einen breiten Weg übergeht. Die ganze Zeit bietet sich eine tolle Aussicht über die Nordküste. Bis auf das Geraschel der vor uns fliehenden Eidechsen und das Vogelgezwitscher ist es hier ganz still.
An der Küste angekommen, wird es grau und kalt. Wir trinken einen Kaffee in einem Restaurant, hungrig sind wir nicht, haben wir doch gerade unseren Proviant für die geplante Überfahrt als Picknick genossen. Als wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle machen, kommt die Sonne wieder raus und beleuchtet die spektakuläre Küste. Ein gelungener Ausflug, nicht zuletzt wegen der schönen Busfahrt einmal quer übers Ananga-Gebirge.

Am Startpunkt der Wanderung
Der Weg ist leicht zu finden. Von hier runter an die Küste.
Ein Pfad mit Aussicht.
Wie kann „man“ hier wachsen?
Terrassen im Tal
Im zweiten Abschnitt geht der Pfad in einen breiten Weg über.
Nobbi ist leicht zu entdecken.
Es geht fast immer bergab.
Es blüht am Wegesrand.
Die spektakuläre Nordküste
Keine Badebedingungen!

Es beginnt ganz harmlos. Nobbi schlägt vor, den Fußboden in der Pantry abzuschleifen und zu lackieren. Irgendetwas müssen wir ja machen, wenn wir noch länger bleiben. Dieser Teil des Fußbodens lässt sich nicht ausbauen, wir müssen also im Boot schleifen. Es ist mühsam und, wie erwartet, staubig. Letztlich schleifen wir abwechselnd fast sechs Stunden! Abends trage ich die erste Schicht Lack auf und dann gehen wir essen, heute kann nicht an Bord gekocht werden.
Der „Küchenfußboden“ reicht bis unter die Treppe ins Cockpit. Die unteren Stufen, die gleichzeitig die Abdeckung des Motors darstellen und die Treppe, stehen zwischen Kartentisch und Motor. Um das Boot zu verlassen braucht es eine Kletterpartie.
Am nächsten Morgen soll eine neue Schicht Lack aufgetragen werden und gleichzeitig sollen die Maststütze und zwei weitere Bodenbretter lackiert werden. Angeschliffen hatten wir die Teile bereits am Tag zuvor. Unsere Planung sieht vor, dass ich von vorne nach hinten lackiere. Erst die Maststütze, dann das Bodenbrett, das auf dem Tisch liegt, danach das, was auf dem Herd liegt und schließlich den Boden. Saubere Kleidung, Rucksack und Handtasche liegen bereits im Niedergang bereit, unsere alten Bettbezüge dienen als schützende Unterlage, die Bodenbretter balancieren auf Gemüsedosen. Es klappt erstaunlich gut, wir verlassen das Boot und sind den halben Tag unterwegs. Ein Freund hatte Unglück mit seinem Liegeplatz und wir besorgen neue Fender für ihn, schnacken hier und dort mit anderen Seglern über die letzte holperige Hafennacht, machen einen ausgiebigen Spaziergang und als wir wieder an Bord kommen, kann der Lack als staubtrocken gelten. Mit dem Ergebnis sind wir zufrieden, bleibt jedoch das alte Problem: die Teile daneben, könnten jetzt auch gerne lackiert werden.

Abends wird die erste Schicht Lack aufgetragen
Kleine Baustelle – großes Chaos.
Ich lackiere mich von der Maststütze zum Niedergang.
Der Wohncomfort ist kurzfristig eingeschränkt.
So schön sah der Küchenboden lange nicht aus.
Die aufgehübschten Bodenbretter glänzen wieder!

Letztes Wochenende wurden die neuen kanarischen Löschflugzeuge ausgiebig getestet und wir konnten drei Tage lang ihre Manöver beobachten. Da sie im Hafen nördlich von uns sechs Tonnen Löschwasser aufgenommen haben, saßen wir gewissermaßen in der ersten Reihe. Zu unserem Glück haben sie das Wasser dann über dem Meer wieder abgelassen. Beim letzten Flug des Tages wurde ausgiebig mit den Flügeln gewackelt. Wir waren begeistert. Außerdem waren wir erneut im Palmetum, der Palmengarten ist immer einen Abstecher wert.

Der Nachbar beim Fischfang.