Es war tagelang ungewöhnlich grau und so waren wir froh, dass wir letzte Woche noch einmal für einige Tage ein Auto gemietet hatten und Ausflüge machen konnten. Unser Auto versorgt uns ununterbrochen mit guten Ratschlägen. Nach 20 Minuten sollen wir eine Kaffeepause einlegen, es piept ständig und beim Aussteigen sollen wir nachsehen, ob wir nicht vielleicht einen Mitfahrer auf der Rückbank vergessen haben.

In El Sauzal, an der Nordküste, sind wir von Aussichtspunkt hinunter zum Weg am Meer gelaufen und anschließend wieder zum Aussichtspunkt hochgestiegen. Da wir wegen des grauen Wetters Jacken und Pullover dabei hatten ist uns auf dem Rückweg recht warm geworden, liegt der Aussichtspunkt doch 200m über dem kleinen Rundweg an der Küste. Die Fahrt zurück nach Santa Cruz führt durchs Anagagebirge. Erst beginnt es zu nieseln, doch dann reißt der Himmel auf und wir können noch einige Sonnenstrahlen einfangen.



Am nächsten Tag wollen die Sonne sehen, die Nordküste und das Anagagebirge verstecken sich in grauen Wolken. Wir entscheiden uns für die Straße, die oberhalb der Ostküste verläuft. Wenig befahren schlängelt sie sich auf etwa 500m um unendlich viele Schluchten. Hier hatten wir bei früheren Ausflügen ein Schild zur „Barranco el Pino“ gesehen. Der einzige Parkplatz ist frei, also packen wir unser Picknick ein und laufen los. Die karge Landschaft des Südostens der Insel ist, zumindest auf den zweiten Blick, auch faszinierend. Tiefe Schluchten (Barancos) durchziehen die wüstenartige Landschaft, in der kleine Höfe ihre Terrassen angelegt haben. Am Wegesrand blühen viele interessante Pflanzen, doch der Wandergenuss ist getrübt: es ist sehr windig. Obwohl wir nebeneinander laufen, müssen wir uns anschreien. Also drehen wir um und suchen uns einen gemütlichen Picknick-Platz. Am Wanderparkplatz bei Las Vegas werden wir fündig. Ein paar Meter auf dem Wanderweg überzeugen uns, hierher wollen wir in den nächsten Tagen zurückkehren.






Es wird Zeit für einen Ausflug in den Teide Nationalpark. Obwohl wir schon so oft in Teneriffas Mitte waren, begeistert uns die Landschaft immer wieder. Ein Spaziergang um einen Hügel bietet fantastische Ausblicke und absolute Ruhe. Keine Autos, keine Menschen, kein Wind. Als wir später in einem Lavafeld rumlaufen, treffen wir auf Wandergruppen, junge Familien, die sich mit Kinderwagen ins Geröll trauen und Drohnen, die trotz Drohnenverbot „nur ganz kurz“ eine wichtige Aufnahme machen. Wir suchen uns ein paar Steine und bleiben dort sitzen bis der Ansturm vorbei ist. Die Rückfahrt über Vilaflor hält sehr viele Serpentinen bereit, doch wir haben die Straßen fast für uns allein und genießen das schöne Wetter.






Die Wanderung bei Las Vegas ist noch schöner als vermutet. Der Weg schlängelt sich durch die Landschaft zwischen trockenen Barancos am Rand des Pinienwaldes, der die höheren Lagen bedeckt. Hier gibt es ein Wasserleitungssystem, dass an die Levadas auf Madeira erinnert. Zum Teil sind die Kanäle noch in Betrieb, an anderen Stellen wurden sie durch Rohre ersetzt. Der Pfad führt an ehemaligen Wohnhöhlen und an Höhlen, die zur Lebensmittelaufbewahrung verwendet wurden, vorbei. Der vor uns liegende Weg führt tief hinunter in eine Schlucht und auf der anderen Seite wieder steil hinauf, ist aber so abwechslungsreich, dass wir kaum merken wie anstrengend es ist. Anschließend sehen wir uns Las Vegas an. Ein ausgesprochen hübsches Dorf mit weißen Häusern und einer Kiefer vor der Kirche, die als Glockenturm dient.
















Wir wollen den Teide Nationalpark im Nachmittagslicht sehen. Damit wir die Sonne im Rücken haben, müssen wir erstmal in den Westen der Insel fahren und so kommen wir zu einer halben Inselrundfahrt. An der Nordküste machen wir auf der Autobahn Strecke und finden dann eine Straße, die wir noch nicht kennen. Im Westen der Insel entscheiden wir uns gegen die geplante Wanderung, es ist nebelig und feucht. Wir suchen weiterhin das Gute-Laune-Wetter. Umso höher wir kommen, umso heller wird es. Eine kleine beliebte Wanderung führt uns über die Baumgrenze auf ein Lavafeld. Nobbi ist kein Fan von Wanderungen auf „Seramis“ und setzt sich unter den letzten Baum. Ich laufe noch ein bisschen weiter und leiste ihm dann Gesellschaft.
Unser Plan geht auf, der Teide leuchtet im Nachmittagslicht und wir brauchen sehr lange für den Rückweg, weil wir überall noch ein Foto machen müssen oder nur ein paar Meter in irgendeinen Weg laufen wollen. Ganz wunderbar.











Da unsere Zeit in Santa Cruz langsam zu Ende geht und auch einige unserer „Winter-Nachbarn“ weiterziehen, heißt es Abschied nehmen. Ein lustiger Besuch in einer Weinbar, ein sehr windiger Besuch in einer Bar auf einer Dachterrasse, die Entdeckung eines niedlichen Italieners, ein sehr netter Abend an Bord bei Freunden, ein spontaner Kaffee… das gesellschaftliche Leben blüht noch einmal richtig auf. Dann kehren Freunde zurück nach Santa Cruz, wir feiern das Wiedersehen, wir gehen gemeinsam Paella essen und dabei wird ein gemeinsamer Opernbesuch beschlossen. Seit Monaten sehen wir die „Romeo und Julia“-Plakate und sind uns sicher, dass wir Santa Cruz dann lange verlassen haben werden. In der Premiere gibt es neben wenigen Einzelplätzen noch genau fünf zusammenhängende Sitze, wenn das kein Zeichen ist. Zu fünft genießen wir eine tolle Premiere.