Die Milchmädchen und Puerto Cruz

Nachdem wir Werft und Karneval verdaut haben und zumindest einen großen Teil des Staubs losgeworden sind, hätten wir Lust die Insel zu wechseln. Doch der Wetterbericht verspricht erst windlose Tage, dann (zu-)viel Wind und Regen. Da wir keine Lust auf eine lange Motorfahrt haben, verlängern wir unseren Aufenthalt. Obwohl wir schon so lange hier sind, gibt es immer noch etwas zu entdecken. Neulich haben wir an einer interessanten Stadtführung durch Santa Cruz teilgenommen. Obwohl wir an allen besuchten Plätzen bereits zuvor gewesen waren, haben wir viel Neues gelernt und hatten einen lustigen Vormittag.

Uns steht der Sinn nach einer kleinen Wanderung. Wir steigen an der Endhaltestelle der Busstrecke aus wollen von hier auf einem Pfad zum Ausgangspunkt der Wanderung laufen. Der Pfad ist gesperrt. Privat-Schilder und eine Hundewarnung sprechen eine klare Sprache. Auf der Straße ist der Weg doppelt so weit, doch da es leicht bergab geht und die Straße kaum befahren ist, läuft es sich sehr angenehm. In den Tälern nördlich von Santa Cruz ist es grün, viele gelbe Blüten zieren die Wiesen, blühende Mandelbäume und Gärten sorgen für Abwechslung. Nun folgen wir dem Camino de las Lecheras, dem „Milchmädchen-Weg“. Auf dieser Route haben früher Frauen Milch und landwirtschaftliche Produkte in die Stadt gebracht. Bereits im 16. Jahrhundert soll die 15 km lange Strecke begangen worden sein, vielleicht bereits in vorspanischer Zeit. Wir laufen weder die ganzen 15 km, noch tragen wir eine Milchkanne auf dem Kopf. Uns reicht es, dass wir uns den wärmsten Tag der letzten Wochen oder Monate ausgesucht haben. Fast 30 Grad ist es warm und windstill. Abgesehen von einem knackigen Anstieg ist der Weg recht harmlos. Genau richtig für uns. Wir sind beeindruckt wie wild Teneriffa sich hier in unmittelbarer Nähe zur Stadt zeigt. Der Wanderweg schlängelt sich am Hang entlang, unter uns eine tiefe Schlucht. Manchmal gibt es Geländer oder Seile, an denen man sich festhalten kann. Entlang des Pfads blühen viele Pflanzen und abgesehen von wenigen Vogelstimmen ist es ganz still. Dieser schöne Abschnitt der Route ist viel zu schnell zu Ende. Wir suchen uns einen Felsen für unser Picknick mit Blick über Santa Cruz.
Der Wanderweg endet bei einer roten Höhle, eigentlich einem alten Steinbruch, die toll wäre, wenn nicht so viel Müll darin liegen würde. Der Stadtteil heißt nach der Höhle Cueva Roja und klebt am Hang. Viele schmale Fußwege und unzählige Treppenstufen führen zwischen den kleinen, verwinkelten Häusern durch. Als wir das Gewirr der kleinen Gänge hinter uns lassen, ist es nur noch eine gute halbe Stunde zurück zum Hafen. Die Tour hat uns sehr gut gefallen, wir könnten uns vorstellen sie noch einmal zu laufen.

Von Santa Cruz gibt es eine schnelle Busverbindung nach Puerto Cruz, der Bus nimmt die Autobahn. Den kleinen Botanischen Garten kennen wir noch nicht. Er gefällt uns. Viele schöne, große Bäume aus aller Welt stehen in dem Park, der bereits 1788 angelegt und seitdem einige Mal umgestaltet wurde. In den nächsten Jahren soll er erweitert werden. Auf einer schattigen Bank essen wir uns Picknick und beobachten Pflanzen, Vögel und Menschen. Wir laufen einen Kringel durch Puerto Cruz. Hier gibt es viele, zum Teil sehr hässliche Hotels, mehr deutsche Rentner als auf Norderney und mehr Souvenir- und Sonnencremeläden als Supermärkte. Aber, Puerto Cruz hat auch schöne Ecken zu bieten: schmale Gassen, traditionelle Häuser mit hölzernen Balkonen und viele Blumen. Außerdem gibt es an jeder zweiten Straßenecke eine tolle Aussicht – im Norden das Meer, im Süden der Teide.