Nachdem unser Besuch abgereist ist, kümmern wir uns um einen Termin in der Werft. Beim ersten Versuch treffen wir den Chef nicht an, laufen stattdessen zum Strand Teresitas und sind überrascht, wie voll es dort an einem sonnigen Wochentag Anfang Februar ist. Beim zweiten Versuch sind wir erfolgreich. Da unklar ist, ob wir am folgenden Dienstag an Land gehoben werden können oder erst am Mittwoch, einigen wir uns darauf, dass wir Dienstagnachmittag am Werftsteg festmachen.
Wir bereiten uns mit einem größeren Einkauf vor. Werftaufenthalte lassen sich schwer planen. Nahrungsmittel, die unkompliziert zubereitet oder „einfach so“ gegessen werden können sind ideal: Tomaten, Äpfel, Bananen, Vollkornbrot, Eier.
Dienstagmittag empfängt uns eine eklige Welle von vorne. Wir werden durchgeschüttelt und schleichen mit 3, 5 kn zur Werft, die am Ende des Fischereihafens liegt. Bevor wir noch am Werftsteg festgemacht haben, winken bereits die Werftarbeiter. Wir können direkt in den Travellift einfahren und Mari wird umgehend an Land gehoben. Ihr Bauch wird mit dem Hochdruckreiniger gewaschen und sie wird auf dem Werftgelände abgestellt.
Unsere ToDo Liste umfasst die Erneuerung des Antifoulings, den Verschluss des Einlasses des Wassermachers und das Polieren des Rumpfes. Die wichtigsten Aufgaben, die wir an Land erledigen wollen, sind aber die Kontrolle und Wartung des Verstell-Propellers und die Erneuerung der Abdichtung der Stopfbuchse.
Bevor wir den Propeller inspizieren können, müssen die Seepocken verschwinden. Abwechselnd kratzen wir die Kalkschalen ab, dann poliert Nobbi ihn mit der Drahtbürste.
Wir haben einen Verstellpropeller. Der Anschlagpunkt der drehbaren Propellerblätter und somit die Steigung des Propellers, lässt sich einstellen. Wir haben den Verdacht, dass die Einstellung nicht mehr passt. Legen wir den Rückwärtsgang ein, rüttelt der Motor und es kommt schwarzer Qualm aus dem Auspuff. Ein Zeichen für Überlastung. Tatsächlich ist die Steigung des Propellers rückwärts deutlich zu hoch. Nobbi verändert die Einstellung. Anschließend muss er nur noch gefettet werden. Wir pressen Fett in den Propeller, bis wir den Eindruck haben, dass Wasser und altes Fest vollständig verdrängt wurden. Nachdem wir die neuen Anoden angebracht haben, verschwindet der glänzende Propeller in einem eleganten lila Müllbeutel.
Die Stopfbuchse dichtet die Propellerwelle ab. 2017 waren wir hier auf Teneriffa in der Werft um die Packung, so nennt man die Dichtung, zu wechseln. Ein halbes Jahr zuvor hatte die Werft in Portugal das falsche Dichtungsmaterial verwendet. Nach einer ganzen Weltumsegelung wird es nun wieder Zeit die Packung zu ersetzen. Nobbi flucht. Die Arbeitsposition ist suboptimal. Er kniet im Bad und hängt mit dem Brustkorb auf dem Schott zum Motorraum.
Während Nobbi sich mit der Stopfbuchse quält, entferne ich lose Reste des alten Antifoulings, schleife es an und wasche den Rumpf. Wie jedes Mal schwappt mir irgendwann das schwarze Antifouling-Wasser in die Handschuhe und läuft mir die Arme herunter. Große Sauerei.
In den folgenden Tagen tragen wir eine Schicht Grundierung und zwei Schichten Antifouling auf. Mari hat nun wieder einen schönen roten Bauch.
Das Seeventil des Wassermachers wehrt sich beim Ausbau, Nobbi sägt es schließlich durch. Das Loch, das zurückbleibt, verschließt ein Arbeiter der Werft sehr professionell. Auch das Polieren des Rumpfs übernimmt ein Arbeiter der Werft und wir haben noch etwas Zeit für Kleinkram. Das Edelstahl der Badeleiter wird poliert und eine Stufe neu befestigt. Die Fender werden gründlich geputzt bevor sie zur Feier des Tages neue, leuchtend blaue Überzüge bekommen. Der Impeller der Logge verbringt eine Nacht in Essig und verliert so alle ungebetenen Untermieter: Seepocken unterschiedlicher Größe. Tatsächlich sind wir ausnahmsweise völlig ohne Stress einfach fertig und gehen Sonntagnachmittag Pizza essen.
Am Montagmittag hängt Mari wieder in den Gurten des Travellifts und wir können auf die Stellen, an denen sie auf den Stützen stand, Antifouling auftragen. Danach wird Mari wieder ins Wasser gesetzt, Nobbi kuppelt rückwärts ein und grinst. Kein Rumpeln, kein schwarzer Qualm. Das Einstellen des Propellers war erfolgreich! Rückwärts fahren wir durchs Hafenbecken und machen dann am Steg der Werft-Marina fest. Zunächst bekommt unser Boot eine ausgiebige Dusche, um den Werftstaub abzuwaschen, auch wenn schon neuer Staub im Anmarsch ist. Calima. Heißer Ostwind trägt feinen Saharastaub auf die Kanaren (und Kapverden!). Die Sichtweite nimmt sehr stark ab. Wir können kaum das andere Ende des Hafenbeckens erkennen, Santa Cruz ist bereits morgens im Dunst verschwunden und es ist viel wärmer als an den Tagen zuvor.
Insgesamt war das ein angenehmer Werftaufenthalt. Das Wetter ist perfekt für Bootsarbeiten. Grundierung und Antifouling sind sehr schnell getrocknet. Das ewige Hoch- und Runter auf der Leiter ist nervig, besonders wenn man nachts zur Toilette muss. Doch die heißen Duschen machen einiges wett. Leider war Nobbi zwischendurch krank, da kam es uns gelegen, dass wir wegen des Polierens ohnehin bis Montag auf dem Trockenen bleiben mussten. So konnten wir in entspanntem Tempo vor uns hinarbeiten. Die Stimmung auf der Werft war freundlich. Das Laminier-Team auf dem Nachbarboot hat laut fröhliche Musik gehört. Genau mein Geschmack. Einer der beiden Arbeiter hat genauso schief mitgesungen wie ich. Das verbindet.
Der Nachtwächter hat uns besonders ins Herz geschlossen, auch wenn ich in unseren Unterhaltungen höchstens die Hälfte verstanden habe. Eines Abends hat er uns Ziege in Rotwein zum Abendessen mitgebracht. Sehr, sehr nett und ausgesprochen lecker!
Dienstag fahren wir zurück nach Santa Cruz. Der glatte Rumpf und der adjustierte Propeller sorgen für eine schnelle Fahrt. An unserem Liegeplatz werden wir von den Nachbarn begrüßt.
Die Spuren des Werftaufenthalts sind schon fast verschwunden. Lappen und Arbeitskleidung sind gewaschen und auch Nobbis Finger sind „nur noch zwei Duschen von Bürofingern entfernt“, behauptet er zumindest.







