Meine beste Freundin hat die Chance genutzt und mir ein Weihnachtspäckchen geschickt. Über das Verschicken von Paketen auf die Kanaren kursieren unterschiedliche Geschichten von „kannst du vergessen, kommt nicht an“, über „überhaupt kein Problem“ bis zu „du brauchst eine Zollnummer, sonst wird das nichts“ ist alles vertreten. Wir sind gespannt. Man sollte ja denken, der Empfang eines Päckchens innerhalb der EU sollte möglich sein. Nun haben die Kanaren seit einigen Jahren abweichende Zollregeln, Sonderstatus usw. Die EU, die Königin der Ausnahmen.
Kurz vor Weihnachten frage ich im Hafenbüro, ob eine Sendung für Marisol angekommen sei. Leider nicht. Ich frage nach Weihnachten, vor Silvester, im neuen Jahr, nach dem sechsten Januar. Irgendwann frage ich nicht mehr jeden Tag, sondern nur noch jeden zweiten oder dritten. Mitte Januar bin ich davon überzeugt, dass die Sendung vergessen auf irgendeinem Stapel liegt und mich nie erreichen wird. Am 21. Januar stehe ich in der Sonne vorm Marinabüro und warte auf Nobbi. Also schlendere ich ins Büro, frage nach Post und möchte mich eigentlich nur ein bisschen unterhalten. Die Mitarbeiterin ist merkwürdig kurzangebunden und drückt mir zwei Briefe vom Zoll in die Hand. Sie enthalten exakt dasselbe Schreiben. Eine Sendung liegt beim Zoll und ich habe zwei Wochen Zeit Unterlagen einzureichen, sonst geht die Sendung zurück nach Deutschland. Datiert sind die Briefe auf den 30. Dezember. Der Posteingang bei der Marina ist handschriftlich auf den Umschlägen festgehalten worden: 2. Januar. In der Zeit war ich mindestens zehn Mal in Büro um mich zu erkundigen, ob es Post für mich gibt. Zunächst frage ich unter angegebenen Emailadresse nach, ob mein Geschenk bereits den Heimweg angetreten habe und erfahre, dass es noch auf Teneriffa sei. Der Aufforderung eine Rechnung einzureichen kann ich nicht nachkommen, schließlich handelt es sich um ein Geschenk. Das erkläre ich in einer Email und bekomme daraufhin ein neues Formular gesendet. Mit Hilfe des Übersetzungsprogramms lerne ich, dass ich eine eidesstattliche Erklärung über den Inhalt abgeben soll. Meine Gedanken zu einer eidesstattlichen Erklärung über den Inhalt eines Päckchens, das ich nicht gepackt habe, behalte ich für mich. Streng genommen bin ich nicht einmal sicher, wer der Absender ist. Auf den Unterlagen steht lediglich eine Nummer. Die (vermutete) Absenderin verrät mir, was im Päckchen steckt. Auf dem Päckchen klebt eine Zollerklärung – es erscheint sinnvoll, dass der Absender den Inhalt erklärt und nicht der Empfänger. Egal, man muss das nicht verstehen. Ich fülle die Erklärung aus und unterschreibe sie. Zusammen mit einer Kopie meines Passes sende ich sie zum Zoll. Am nächsten Tag erhalte ich eine neue Mail mit einem neuen Dokument. Einfach mit meinem Pass könne ich doch kein Päckchen empfangen. Ich benötige eine NIE, eine Zollnummer für Ausländer, oder jemanden, der eine NIE oder einen spanischen Pass hat. Unser französischer Nachbar springt ein. Er unterschreibt, dass er das Päckchen für mich importiert. Nun fehlt noch das Formblatt, auf dem ich bestätige, dass ich im laufenden Monat noch nicht mehr als fünf Kilo Verpackungsmüll importiert habe und, wie angewiesen, schicke ich auch die erste Formularseite zurück, auf der es keinerlei Felder zum Ausfüllen gibt. Zwei Tage später erhalte ich eine E-Mail, dass mein Päckchen die maximale Aufbewahrungszeit überschritten hat und zurück nach Deutschland geschickt wurde. Ich wundere mich nicht und bin auch nicht verärgert. Es passt alles so wunderbar zusammen. Drei Tage später kommt das Päckchen im Marinabüro an. Meine neuen Faultier-Socken trage ich voller Stolz!
Seit knapp drei Wochen haben wir tolles Wetter. Vorbei sind die täglichen Schauer. Der strahlende Sonnenschein sorgt für sommerliche Gefühle, es grünt und blüht. Sollte das der Winter bereits gewesen sein? Meinetwegen kann es jetzt einfach bis Ende Oktober so bleiben.

