Seit einiger Zeit gibt unsere Steuersäule ein klackendes Geräusch von sich. Wenn gleichmäßiger Druck auf dem Ruder ist, ist Ruhe. Bei wenig Wind oder bei Welle im Hafen oder am Ankerplatz meldet sich das Geräusch zuverlässig. Die Quelle haben wir schnell identifiziert. Das untere Lager hat Spiel in der Lagerschale. Da wir die Lager, aber leider nicht die Lagerschale in Neukaledonien getauscht hatten, kennen wir die Anatomie der Steuersäule in und auswendig. Schon vor Monaten haben wir die nötigen Ersatzteile bestellt. Sie waren in dem legendären Paket, das unseren Horta-Aufenthalt um Wochen verlängert hat. Nun wollen wir das Projekt in Angriff nehmen. Eine Werkstatt, die alles, was wir nicht selber durchführen können, erledigen kann, haben wir bereits gefunden. Vor Weihnachten waren wir bereits dort und haben Erkundigungen eingezogen.
Nobbi will „nur mal kurz ein paar Schrauben lösen“ und schneller als erwartet sind Steuerrad und Autopilot demontiert, die Schaltung gelöst und die Steuersäule vom Cockpitboden getrennt. Dann können wir sie doch auch gleich ganz auseinander-nehmen. Am Anfang läuft es gut. Die beiden Sicherungsstifte, die Nobbi vorher schlaflose Nächte beschert hatten, lassen sich überreden ihren Platz zu räumen. Doch dann kommen wir bald nicht weiter. Da wir ohnehin die Unterstützung der Werkstatt brauchen, beschließen wir die ganze Steuersäule einzupacken und in den Fischereihafen zu bringen. Am nächsten Tag schleppt Nobbi das gute Stück zum Bus. In der Werkstatt verstehen sie sofort was gemacht werden soll. Allerdings haben sie sehr viel zu tun. In spätestens einer Woche sollte es jedoch erledigt sein.
Das Holzpodest, auf dem die Steuersäule normalerweise steht, säubern wir. Die Gelenkstange zum Ruderquadranten wird geschmiert. Die Verbindung zwischen Ruderachse und Steuermimik ist ein wenig rostig, also entrosten, Rostschutzfarbe malen und überlackieren. Das ist schnell gemacht, muss nur leider innerhalb der Backskiste stattfinden. Ich darf mich also zusammenfalten.
Wir haben nun ein etwa 20 cm großes Loch im Cockpitboden, passend dazu beginnt es zu regnen. Wir stülpen einen Eimer über die Öffnung, der das meiste abhält.
Der Regen geht uns zunehmend auf die Nerven, Zeit für einen Museumsbesuch. Die Wahl fällt auf das Museum für Natur und Archäologie. Die Mumien sind natürlich das Highlight der Archäologie-Abteilung, aber auch in der Naturkunde-Ausstellung gefällt es uns wieder sehr. Spanisches Wort des Tages: Pico picapinos – der Buntsprecht.
Nach zwei Tagen meldet sich die Steuersäule, bzw. die Werkstatt. Die Lager sind gewechselt, ob wir vorbeikommen wollen? Also geht’s am nächsten Tag mit dem Bus zur Werkstatt. Interessanterweise haben sie das Problem anders gelöst als Charly in Neukaledonien. Das untere Lager und die Lagerschale sitzen zwischen einer kleinen Pinne und einer Verdickung auf der Achse. Um das Lager zu wechseln hatte Charly in Neukaledonien die Pinne abgetrennt und nach dem Wechseln der Lager wieder angeschweißt. Hier hat der Mechaniker die Verdickung weggenommen und hinterher wieder aufgebracht. Auch eine tolle Lösung. Vielleicht noch viel besser. Wir sind sehr zufrieden und bitten darum, dass die Steuersäule komplett wieder zusammengesetzt wird. Das geht in einer professionellen Werkstatt viel einfacher als in unserem Cockpit. Leider ist Freitag. Wir müssen uns also etwas gedulden.
Der Lack der Bodenplatte der Steuersäule ist an einigen Stelle abgeplatzt. Das sieht nicht schön aus. Als Nobbi mit der Drahtbürste auf der Bohrmaschine die losen Lackreste abbürstet, rutscht er ab und schrubbt mit der Drahtbürste über seinen Oberschenkel. Mir stellen sich die Nackenhaare auf, wenn ich nur daran denke. Er behauptet es sei gar nicht schlimm. Immerhin heilen die Kratzer gut. Die kurze Hose hat den Kontakt mit der Drahtbürste nicht so gut weggesteckt.
Montag holen wir unsere Steuersäule wieder ab. Der Einbau klappt wie geplant. Um Ruder und Steuerrad zueinander auszurichten, muss das Ruder mittschiffs stehen. Also stehe ich auf der Badeleiter im Wasser und sage die Ruderlage an. Die Wassertemperatur ist immer noch angenehm, es wird mal wieder Zeit für ein Bad. Es muss allerdings nicht im Hafenbecken sein. Anschließend lackieren wir noch den Fuß der Steuersäule und der Autopilot wird wieder angeschlossen.
Wir freuen uns diese wichtige Arbeit zufriedenstellend abgeschlossen zu haben. Diese Lager halten nun hoffentlich wieder 35 Jahre.




