Wir haben einen neuen Seezaun. Die Reeling, oder der Draht, der dafür sorgt, dass man nicht ins Wasser fällt, hatte einige Roststellen. Abgesehen davon, dass wir Sorge hatten, dass er vielleicht irgendwann reißt, störten die Rostflecken, die an Deck auftauchten und noch schlimmer auf der Wäsche, die wir dort aufhängen. Erst bauen wir die Drähte auf der Steuerbordseite ab und bringen sie zum Schiffshändler. Zwei Tage später können wir die neuen abholen. Sie passen perfekt (leider wissen wir, dass das nicht selbstverständlich ist). Ein paar Tage später lassen wir die Drähte an Backbord erneuern. Jetzt wo das so hübsch ist, möchten wir auch noch den Durchstieg am Heck erneuern lassen. Kurz vor Weihnachten geben wir sie ab. Zuerst die Feiertage, das neue Jahr, der Königstag, dann waren wir in Valencia, dann hatte der Laden nicht geöffnet. Nun endlich sind die Drähte fertig und Mari ist glänzend frisch eingezäunt. Eine übersichtliche Baustelle, die sich etwas hinzog, mit der wir aber nicht viel Arbeit hatten. Es gibt jedoch auch winzige Baustellen für die gilt: „kleine Baustelle – großes Chaos“. Im Cockpit haben wir eine uralte Steckdose für eine alte Signallampe, die wir nicht mehr benutzen. Da das Loch nun ohnehin dort ist, könnten wir eine USB-Steckdose einbauen. Die Steckdose, die wir haben passt nicht, aber die über meiner Koje wäre ideal. Also beschließen wir die in meiner Koje zu durch eine neue zu ersetzen. Nobbi fummelt dort einige Zeit rum. Die Kabel sind sehr dünn und entfalten ein Eigenleben. Schließlich ist die neue Steckdose eingebaut, wir testen sie und sie funktioniert nicht. Wir rütteln an den Kabeln und messen diese schließlich durch. Die Verkabelung ist in Ordnung, die Steckdose geht trotzdem nicht. Also baut Nobbi sie wieder aus und wir testen sie, aber sie funktioniert wirklich nicht. Sicherheitshalber prüfen wir die Steckverbindung auch noch mit einer Lampe und stellen dabei fest, dass die 12 V -Dose im Cockpit auch nicht funktioniert. Inzwischen haben wir zwei Werkzeugkästen, die Box mit den Elektroersatzteilen, die Box mit dem Elektrowerkzeug, einige Kabel, Lampen und Stecker im Salon verteilt. Unsere Testvorrichtung ist etwas kompliziert, aber die anderen USB-Steckdosen funktionieren. Nur die nagelneue, die wir einbauen wollen nicht. Als wir sie schon wegwerfen wollen, stellt Nobbi fest, dass sie verpolt ist. Das schwarze Kabel ist das Pluskabel, das rote führt zum Minus. Interessant. Nobbi baut sie wieder ein und endlich besteht sie den Test. Jetzt können wir uns der eigentlichen Baustelle zuwenden, in das bestehende Loch im Cockpit soll die USB-Dose eingepasst werden. Das Loch ist zu klein. Wir finden ein kleines Brett, das wir hinter das GFK legen können, damit wir mit dem Lochbohrer ein größeres Loch sägen können. Dann stellen wir fest, dass uns der Lochbohrer in der richtigen Größe fehlt. Nobbi wechselt die Arbeitskluft gegen saubere Kleidung und macht sich auf den Weg zur „Ferreteria“, zur Eisenwarenhandlung. Glücklicherweise trifft er noch auf dem Steg unseren Nachbarn, der uns den passenden Bohrer leiht. Nobbi zieht sich wieder um, vergrößert das Loch und baut endlich die Steckdose ein. Sie funktioniert. Bleibt noch die 12 V-Dose, die sich schließlich auch wieder zur Arbeit überreden lässt. Sieben Stunden für den Einbau einer USB-Steckdose – und wir fragen uns, was wir eigentlich den ganzen Tag machen.
Als wir nachmittags eine Runde ums südliche Hafenbecken drehen, stellen wir fest, dass dort ein Schiff der spanischen Marine liegt. Das wundert uns erstmal nicht besonders, doch uns fällt auf, dass die Pier schwer bewacht ist. Polizei und Guardia Civil, gepanzerte Fahrzeuge und bewaffnete Wachmänner. Wir interpretieren das so, dass unser neugieriger Besuch nicht geschätzt wird, und setzen unseren Spaziergang in die andere Richtung fort. Am nächsten Tag lesen wir in der Zeitung, dass eine Spezialeingreiftruppe vor den Kanaren einen Frachter mit Drogen an Bord aufgebracht hat. Sieben Tonnen (!) Kokain waren in der Salzladung versteckt. Es sieht aus, als läge das Schiff nun hier an der Pier. Kein Wunder, dass man keinen Wert auf Zuschauer bei der Umladeaktion legte. Vermutlich wurde die Crew hier an Land „untergebracht“ und der Marineversorger hat das Kokain irgendwo aufs Festland gebracht.
Es gibt auch erfreulicheren Besuch. Die “Juan Sebastián de Elcano“ ist ein imposanter Vier-Master, Ausbildungsschiff der spanischen Armada und auf seiner 98. Ausbildungsreise. Das 113 m lange Schiff wurde 1927 in Cadiz gebaut. Die Gelegenheit es zu besichtigen, lassen wir uns nicht entgehen. Die Taklinge auf den Leinen sind in den Farben der spanischen Flagge angemalt. Das schlägt sogar die Rattenbleche in französischen Farben, die wir bei der französischen Marine in Nouméa gesehen haben. Das Schiff ist in hervorragendem Zustand und die Kadetten haben fleißig Messing geputzt. Der Schiffsbesuch hat uns Spaß gemacht, auch weil die junge Crew so begeistert ihr Schiff vorgestellt hat.
Der Namensgeber Juan Sebastián de Elcano ist vergleichsweise unbekannt, gilt er doch als erster Weltumsegler. Er war mit Magellan unterwegs und hat die „Victoria“ nach Hause gebracht, nachdem Magellan 1521 auf den Philippinen ermordet wurde. Der Bordchronist hat ihn nicht einmal erwähnt, was vermutlich daran lag, dass Elcano an der Meuterei im südlichen Südamerika, dem heutigen Argentinien, beteiligt war und danach degradiert wurde. Er selbst hat kein Buch geschrieben.
Letzten Sonntag waren wir waren schon wieder im Konzert. Das BRSO, das Sinfonieorchester des Bayrischen Rundfunks, war zu Gast im Auditorio. Gespielt wurden Mozart und Bruckner. Das haben wir uns nicht entgehen lassen und ein sehr schönes Konzert gehört. Das Publikum war ausgesprochen fachkundig. Das merkt man daran wann, oder eher wann nicht, geklatscht wird und, dass keiner mitgesummt hat. Uns hat es sehr gefallen. Sehr schön ist es auch, wenn man aus dem Konzertsaal tritt und aufs dunkle Meer blickt.





