Ein durchwachsener Start ins neue Jahr

Das Jahr beginnt durchwachsen. Am Silvesterabend ist es glücklicherweise trocken. In Santa Cruz gibt es eine Festveranstaltung auf der Plaza Candelaria und der Weihnachtsmarkt, gleich gegenüber auf der Plaza España, ist auch geöffnet. Bevor wir uns jedoch ins Getümmel stürzen, binden wir unser Boot richtig gut an und rüsten mit Ruckfendern auf. Wir erwarten stürmisches Wetter zu Jahresbeginn.
Der Jahreswechsel verläuft etwas chaotisch. Das spanische Fernsehen überträgt die Schläge des Glockenturms in Santa Cruz samt Moderation von einer Hotelterrasse. An der Bühne auf dem großen Platz endet aber kurz vor Mitternacht das Konzert einer Salsa-Band und alle warten etwas verloren, wie es weitergeht. Die Weihnachtsmarktbühne zeigt eigentlich das Fernsehprogramm, hat aber Technikprobleme. Irgendwie klappt es dann doch noch. Alle essen beim Countdown ihre zwölf Weintrauben, die zwölf Wünsche repräsentieren, und schon sind wir in 2026 angekommen. Der Brauch mit den zwölf Trauben gefällt mir. Es gibt sie, extra für Silvester im 12er-Pack, nicht nur in Plastik verpackt, sondern auch in kleinen Dosen. Das große Feuerwerk sehen wir uns von der Promenade an, die vielen kleineren privaten Feuerwerke können wir aus dem Cockpit beobachten.
Die ersten Tage des Jahres haben wir Besuch vom Sturm Francis. Das bedeutet Wind, Regen und ein bisschen Bewegung im Hafenbecken. Wind und Welle nehmen bald ab, leider bleibt uns der Regen einige Tage erhalten. Gefühlt werden die Regenpausen immer kürzer und dementsprechend auch die Spaziergänge.
Wir besuchen das Museo de Bellas Artes. Die Fotoausstellung im Erdgeschoss überzeugt uns nicht, doch der Weg in die oberen Stockwerke lohnt sich. Sonst verpasst man nicht nur das Altarbild aus dem 16. Jahrhundert, sondern auch das „Wimmelbild“ von der Plaza Weyler. Ein sehenswertes, kleines Museum!
Unser Nachtisch ist so lecker, dass wir überlegen, ob man Birnen in Rotwein einkochen kann. Die schmecken doch auch nach einem langen Segeltag. Selten war Nobbi so engagiert an einer Einkochaktion beteiligt. Das Ergebnis sind deutlich mehr Glühwein-Birnen als in unsere Gläser passen und so gibt es vier Tage „Glühbirnen“, wie sie nun heißen, hintereinander. Ausgesprochen lecker zu Griesbrei.
Nach dem TO-Stammtischtreffen entdecken wir auf dem Heimweg den Königsumzug. Der Umzug am Vorabend des sechsten Januars, des Dreikönigstags, ist eigentlich ein Highlight, auch wenn sich uns diese ganzen Disney (?)-Figuren nicht so ganz erschließen. Doch es regnet. Gemeinsam mit anderen Seglern stehen wir, samt Pappkrone, im strömenden Regen und treten bald den Rückzug an. Am nächsten Morgen liest Nobbi mir die Nachrichten vor: auf den Kanaren hatten wir den kältesten Dreikönigstag seit 40 Jahren. Ich wäre lieber Zeuge des schönsten Frühlings…

Vorm Jahreswechsel und dem schlechten Wetter nutzen wir einen sonnigen Tag, um unsere neuen Matratzen zuzuschneiden. Als wir ein Auto gemietet hatten, haben wir zwei neue Matratzen für unsere Koje gekauft. Mit einem Brotmesser wird der Schaumstoff in Form gebracht. Wir haben nur eine grobe Vorstellung, wie wir die Bezüge auf diese Form anpassen wollen. Doch dann passen die neuen Matratzen, obwohl 2cm dicker, tatsächlich in die 35 Jahre alten Bezüge. Das spart uns viel Arbeit. Nun schlafen wir wie auf Wolken, das hat sich wirklich gelohnt!
Mit dem Auto fahren wir auch zum Gaswerk im Süden der Insel. Wir haben eine amerikanische Kunststoff-Gasflasche aus Bonaire, leider sind die fünf Jahre Prüfintervall um und sie müsste getestet werden. Inzwischen müssen diese Flaschen erst nach zehn Jahren getestet werden, aber das steht nicht auf der Flasche. Wir gehen davon aus, dass wir sie in Europa nicht gefüllt bekommen. Der Test ist vermutlich teuer. Eines Morgens steht eine nagelneue dänische Kunststoff-Gasflasche auf dem Müllplatz. Einer unserer Gasregler passt. Das nehmen wir als Zeichen und danken für das Geschenk. Am Gaswerk warten wir zwanzig Minuten mit Aussicht auf den Teide, dann ist unsere neue Gasflasche gefüllt.

Die alte Matratze dient als Schablone für die neue.
Die neue Matratze passt in den alten Bezug.
Der Reißverschluss wird zugenäht.

Neben den kleinen Abstechern zum Gaswerk, zu Ikea, Decathlon und einem Aldi mit Tiefgarage, nutzen wir das Auto für Ausflüge. Leider war die Straße durch den Teide-Nationalpark gesperrt. Der Schnee auf dem höchsten Berg Spaniens brachte viele (Einheimische) auf die Idee den Schnee nicht nur anzugucken. Ein unvorstellbares Chaos. Menschen im Schneeanzug mit Surfbrett unterm Arm versuchen möglichst dicht an die Straßensperrung zukommen, um von dort zu laufen. Wir sehen uns das Treiben kurz an und suchen dann das Weite. Obwohl wir Teneriffa schon recht gut kennen, sind wir immer wieder beeindruckt von der tollen Landschaft. Wir fahren um die Insel herum, bestaunen tiefe Schluchten und hohe Wellen, frieren auf 2000 Metern und sonnen uns im Süden der Insel. Es stimmt, die Insel ist voll geworden, trotzdem haben wir immer ein schönes Plätzchen gefunden. Ungern geben wir unseren Mietwagen wieder ab. Mit dem Auto konnte man der Sonne immer leicht hinterherfahren. Wir haben viele interessante Spaziergänge unternommen und immer wieder schöne Picknickplätze gefunden.
Da wir das Auto nördlich von La Laguna zurückgeben und dort auf dem Rückweg mit dem Bus umsteigen müssen, schlendern wir durch die Fußgängerzone der historischen Altstadt. Es ist brechendvoll. Zu den üblichen Touristen kommen viele Einheimische, die die freien Tage für einen Einkaufsbummel oder ein Treffen mit Freunden nutzen. Die ausgelassene, fröhliche Stimmung steckt an. Ungeplant landen wir in einem Museum und ein Apfelstrudel in der Sonne runden den Ausflug ab.