Schöne Wanderungen auf São Miguel

Zwischen notwendigen Tätigkeiten wie Wäsche waschen und Bürokram erledigen, traben wir durch Ponta Delgada. Im Museum ist eine naturkundliche Sammlung anzusehen, sowie eine Ausstellung, die sich uns nicht erschließt, oder die wir nicht verstehen, und das alte Kloster samt Kirche, das heute als Museum dient kann besichtig werden. Das Fort beherbergt das Militärmuseum. Wie eigentlich zu erwarten interessiert uns die Ausstellung überhaupt nicht. Waffen des ersten und zweiten Weltkriegs gehören nicht zu unseren Interessensgebieten. Trotzdem lohnt sich der Besuch. Der junge Mann an der Kasse ist extrem zuvorkommend, die Gänge durch die Befestigungsanlagen sind sehenswert und vom Fort hat man einen tollen Blick über den Hafen. Wir sitzen also auf der Mauer und sehen zu wie ein riesiger Kran die Hafenmole verstärkt. Gleichzeitig befindet sich unser Aussichtspunkt in Verlängerung der Landebahn. Ein Flugzeug nach dem anderen kommt über uns herein.

Vor dem Stadttor.
Das Rathaus.
Nobbi prüft den Blick aus dem Klosterfenster
Forte de São Brás am Hafen.
Im Fort ist das Museum untergebracht.
Kran, Baustelle und Flieger.

Wir hatten ein Wetterfester für die Überfahrt nach Portugal entdeckt und waren im Prinzip bereit zur Abreise, sind dann aber doch nicht gefahren. Die Vorhersage änderte sich ständig und die Wettermodelle waren sich ganz und gar nicht einig. Vermutlich wäre das Wetter doch recht gut gewesen, da mich aber ausgerechnet zur geplanten Abfahrt eine gemeine Migräne-Attacke im Griff hatte, sind wir froh, dass wir nicht losgesegelt sind.

Wieder sind wir mit dem Roller unterwegs. In der Nähe des Aussichtspunktes, an dem wir schon zweimal umgekehrt sind wollen wir eine Wanderung machen. Ihr ahnt es, umso näher wie dem Parkplatz kommen, umso grauer zeigt sich der Himmel. Wir wandern erst eine halbe Stunde, als es zu regnen beginnt. Unsere Wanderung führt uns auf den Pico das Éguas, der mit 873m die höchste Erhebung auf der Westseite São Miguels ist, und um einige kleine Kraterseen. Der Regen hört bald auf und danach macht uns die Wanderung wieder Spaß. Die Strecke ist abwechslungsreich und recht beliebt. Wir treffen viele Wanderer, vor allem Spanier, Engländer und Deutsche. Auf dem Rückweg machen wir einen Abstecher zum Aussichtspunkt über Sete Cidades und sind etwas schockiert. Es ist brechend voll, schon hunderte Meter vorm Aussichtspunkt halten Autos am Straßenrand, weil die Parkplätze überlaufen. Eine Woche zuvor hatten wir die Straße fast für uns.

So sieht der Aussichtspunkt ohne Nieselregen aus.
Nobbi auf dem Weg zum Pico da Éguas.
Lagoa da Éguas
Und schon wieder ein Kratersee.
Ich befürchte moderne Pumpenhäuser sind nicht so schön.
Noch ein See!
Die Moorlandschaft sorgt für Heimatgefühle.

Als wir am nächsten Tag wieder zu einer Wanderung aufbrechen wollen regnet es. Wir stehen ratlos neben unserem Roller. Im Café warten wir bei Espresso und Brownie auf eine Wetterbesserung. Schließlich machen wir uns doch noch auf den Weg. Unser Picknick verspeisen wir bei leichtem Nieselregen an einem Aussichtspunkt an der Küste. Wir sind ein wenig deprimiert. Dann wird es etwas heller und wir entscheiden uns zum Ausgangspunkt der geplanten Wanderung zu fahren. Die Wanderung Janela do Inferno, was etwa Fenster zur Hölle bedeutet, ist in der Mitte der Insel. Wir beschließen sie entgegen der vorgeschlagenen Richtung zu laufen und sind bald froh losgelaufen zu sein. Das Wetter wird immer schöner, die Sonne kommt raus und der Weg ist abwechslungsreich. Gleich dreimal führt die Strecke durch einen Tunnel. Einmal braucht man tatsächlich eine Lampe (wie gut, dass heute jeder sein Telefon dabei hat). Der Tunnel beginnt zwar mit komfortabler Stehhöhe, wird aber immer niedriger. Passenderweise ist es dort, wo man sehr gebückt gehen muss auch noch matschig und dunkel. Außerdem sorgen Brücken, Aquädukte und Treppen im Wald für Abwechslung. Das Fenster zur Hölle entpuppt sich als Loch in einer grün bewaldeten Felswand aus der sich ein dünnes Rinnsal ergießt.
Die Weiden sind von Hortensienhecken eingefasst und fast der ganze Wanderweg wird von gelben Schmetterlingsingwer gesäumt. Im Wald stehen viele verschiedene Baumarten. Wir wissen, dass die meisten Arten hier nicht heimisch sind und sogar, wie der Schmetterlingsingwer, als höchst invasiv gelten. Schön ist es trotzdem! Gut gelaunt kehren wir zum Ausgangspunkt zurück, die deprimierte Stimmung vom Vormittag ist verflogen.

Überall blüht der Schmetterlings-Ingwer.
Stehhöhe, wenn man kleiner als 1,30m ist!
Das Fenster zur Hölle.
Der Beginn ist der Tunnel noch hoch.
Ganz schön dunkel!
Treppe für Schwindelfreie.