Der Wind soll auf Ost drehen. Nachdem wir so lange recht ruhig an unserem Liegeplatz lagen, auch bei Ostwind, machen wir uns wenig Gedanken. Es wird jedoch richtig ungemütlich. Zwei Nächte nacheinander treffen wir die Nachbarn auf der Pier, die ebenfalls ihre Leinen und Fender kontrollieren. In der zweiten Nacht schlafen wir kaum. Böen bis 30 Knoten anstatt der angesagten 10. Der Wind weht mal nördlich, mal südlich um den Pico herum und wird ordentlich beschleunigt. Die kleinen Wellen, die sich im Hafen bilden, knallen ans Heck. Im Ankerfeld kollidieren nachts um drei zwei Boote und treiben in unsere Richtung. Es ist glimpflich ausgegangen und die Boote konnten ohne Schäden getrennt werden.
Morgens gehe ich ins Hafen-Büro und frage, ob wir umziehen dürfen. Wir verlegen an einen geschützten Platz auf der Innenseite der Mole und schlafen dort in der ersten Nacht zehn Stunden. Leider können wir nicht dort bleiben, bekommen aber einen ruhigen Platz im Marina-Becken längsseits an einem Segler-Wrack zugewiesen.

Endlich ist unser Paket angekommen. Über fünf Wochen hat es gebraucht und enthielt neben Ersatzteilen auch Überraschungen. Die neue Schaltung haben wir bereits eingebaut. Ich habe nun wieder eine Kreditkarte. Nobbi hat seine bereits per separatem Brief vor einigen Wochen erhalten. Nachdem Nobbis Kreditkarte in Namibia gesperrt wurde und meine auf den Kap Verden, in beiden Fällen wegen Betrugsversuchs, und die letzte verbliebene Karte abgelaufen war, wurde es langsam etwas eng.

Die Wartezeit ist uns nicht lang geworden. Wir haben das Horta Museum besucht, waren wieder mit dem Roller unterwegs, haben hervorragende Pizza auf der anderen Seite der Insel gegessen und sind zum Picknick auf den Monte Guia gelaufen. Aus Stoffen, den wir auf Rodrigues gekauft haben, habe ich Kopfkissenbezüge genäht und ein neues Moskitonetz fürs Vorschiffsluk haben wir auch bekommen.








Jetzt, wo wir weitersegeln könnten, steppt hier der Bär. Die Semana do Mar, die Woche des Meeres, hat begonnen. Eine Woche voller Konzerte, kultureller Veranstaltungen und sportlicher Wettbewerbe. Wir Segler sind ausdrücklich eingeladen. Der Bürgermeister und die „Semana do Mar“-Königin gehen von Boot zu Boot und verschenken Hortensien, Käse, Honig und einen kleinen hölzernen Wal. Eine Frau von portugiesischen Fernsehen fragt mich, ob uns die Azoren gefallen. Das ist eine einfache Frage!
Bei der Vorstellung eines Buchs werfen wir einen kurzen Blick auf den portugiesischen Präsidenten, den Zieleinlauf der Atlantis-Regatta beobachten wir von der Mole. Die verrückten Schwimmer, die 4sm von Faial nach Pico schwimmen, sehen wir nur im Fernglas. Natürlich verfolgen wir die Prozession bei der die „Nossa Senhora da Guia“ von der Kirche nach Porto Pim an Bord eines Bootes getragen wird, dann an ein größeres Schiff übergeben wird und auf dem Seeweg um den Monte Guia in den Hafen von Horta zurückgebracht wird. Nach einem Schlenker entlang der Hafenpromenade gelang die Jungfrau wieder in ihre Kirche.
Die großen Rockkonzerte beginnen erst um 23:30 Uhr, danach gibt es jeweils eine After-Show-Party. Zum Konzert schaffen wir es, wenn die anschließende Party beginnt schlafen wir schon. Vor den Konzerten auf der großen Bühne, gibt es viele kleinere Auftritte der lokalen Musikgruppen. Wir stellen fest, dass es viele gute Blechbläser auf Faial gibt.
Auch wenn die Meereswoche ein guter Anlass wäre zu bleiben, wollen wir uns nun endlich wieder bewegen. Morgen geht es ein paar Meilen weiter.









Die Prozession um den Monte Guia zu Land und zu See:





