Weiterhin warten wir auf unsere Pakete. Bei jedem ankommenden Containerschiff bin ich mir „sicher“, dass mein Paket an Bord ist. Langsam würden wir gerne weitersegeln. Wir wollten nicht den ganzen Sommer in Horta verbringen. Aber es hilft nichts, wenn wir uns ärgern kommt unsere Post auch nicht schneller.
Nach dem gelungenen Wochenende mit Inselrundfahrt soll das Wetter schlechter werden. Erwartet wird nicht nur Regen, sondern auch starker Wind aus Süden. Während einige Segler einen „strong blow“ erwarten, haben andere erst gar nicht den Wetterbericht beobachtet und sind so völlig entspannt. Es herrscht ein allgemeines Chaos, weil viele Boote umgeparkt werden. Als das schlechte Wetter einsetzt und viele Segler in Regenjacken auf der Pier stehen, vordergründig um ihre Leinen zu kontrollieren, in Wirklichkeit aber um mit ihren Nachbarn zu schnacken, fahren vier Mädels im Badeanzug in einem Dinghi auf und ab und fragen nach Schokolade. Etwas absurd, aber lustig. Wir sind froh um unsere Konstruktion aus Fenderbrett und Reifen, so werden unsere Fender nicht an der rauhen Betonpier aufgerieben. Letztlich pustet es draußen ganz ordentlich, im Hafen ist davon aber nicht viel zu spüren. Ein paar starke Böen, mehr nicht.
Wir beschäftigen uns mit kleinen Bootsaufgaben. Die Starlink-Antenne haben wir nach nur einem Jahr im Einsatz weggeworfen. So genial es ist Internet an Bord zu haben, so nervig ist die Tarifstruktur von Starlink. Um unsere Antenne auf einen regionalen Tarif umzumelden, sollen wir 300 Euro bezahlen. Neu kostet die komplette Anlage hier gerade etwa 200 Euro. Das sehen wir nicht ein. Die Summe von Hochseemeilen, die wir in näherer Zukunft segeln wollen ist überschaubar, also beschließen wir, dass wir nun wieder ohne Satelliten-Internet unterwegs sein werden.
Nach so vielen Ozeantagen in den letzten Monaten hat Mari sich ein wenig Pflege wirklich verdient. Wir polieren Edelstahl-Teile, entfernen Rostflecken, nähen das Bimini nach und tauschen Filter aus. Die Sofakissen und die Vorhänge werden gewaschen, Schimmelflecken im Vorschiff entfernt und der Herd geputzt. Ganz normaler Haushaltskram. Leider wird bei vielen dieser Arbeiten die ToDo-Liste länger. Ein Mosquito-Netz zerlegt sich und die Vorhänge sind nicht nur sehr ausgeblichen, es zeigen sich auch kleine Löcher. Auch bei Ausrüstung und Kleidung gibt es einige Verluste. Nobbis Schuhe verlieren die Sohlen, manch ein vermeidlich gutes Kleidungsstück wird nach Inspektion bei Tageslicht als Bordkleidung klassifiziert.
Wir fühlen uns wohl in Horta, auch wenn das Duschen drei Euro kostet. Die teuerste Dusche unserer Reise. Auch die Warnung, dass Duschen auf Helgoland noch teurer sei, versöhnt mich nicht, sondern sorgt höchstens dafür, dass Helgoland auf der Liste der Wunschziele noch weiter nach hinten rutscht. Für drei Euro bekommt man hier im Supermarkt eine Flasche guten Wein, zwei Espressi und ein Stück Kuchen oder ein großes, frisch gezapftes Bier bei der Lieblingsbäckerei. Es gilt also Prioritäten zu setzen. Trotz der attraktiven Alternativen duschen wir, allerdings nicht statt des Kaffeetrinkens sondern zusätzlich.
Das Wasser im Hafen ist glasklar und man kann bis auf den Grund in fünf Meter Tiefe sehen. Unter unserem Boot leben unterschiedliche bunte Fische, die Tomatenstückchen lieben. Der Hafen ist auch als Badestelle beliebt. Oft verbringen die Gruppen eines Feriencamps den Tag an der Bootsrampe mit baden, paddeln und sonnen, dann herrscht Freibad-Atmosphäre.
Dieses Wochenende war schon wieder ein kleines Festival mit Konzerten. Freitagnachmittag gab es ein fröhliches Badebootrennen, das wir uns natürlich angesehen haben. Während Zweier-Teams im k.o.-System versuchen die trägen Gummiboote um die Bojen zu paddeln, haben wir einen Logenplatz im Schatten einer Mauer ergattert. Samstag gab es ein Konzert auf der anderen Seite des Hafenbeckens, die Zuschauer kamen mit allem was schwimmt: Schlauchboote, Kanus, Segelyachten, Walboote und SUPs. Wir hatten gewissermaßen einen Logenplatz und haben aus der zweiten Reihe von unserem Deck aus zugehört.






Letzte Woche waren wir im Scrimshaw-Museum. Scrimshaw nennt man die Gravur von tierischen Zähnen oder Knochen. Der Begriff stammt von den Walfängern, die zum Zeitvertreib Pottwal-Zähne verzierten. Es hatte zunächst keine positive Bedeutung, galt es doch nur als faules Vergnügen um die Zeit totschlagen, inzwischen werden die Kunstwerke sehr geschätzt.
Die Sammlung des kleinen Museums über Café Sport gilt als eine der größten und schönsten für Scrimshaw-Kunst. Wir fragen an der Bar, ob wir das Museum besuchen können. Nach kurzer Zeit holt uns eine Frau ab, die uns eine fantastische Führung durch die Sammlung mit vielerlei Hintergrundwissen gibt. Der größte Pottwalzahn der Ausstellung ist zwei Kilo schwer, die meisten der verzierten Zähne sind zehn bis fünfzehn Zentimeter groß. In der Sammlung gibt es alte und neue Stücke, natürlich herrschen Walfang-Motive vor, aber es wurden auch Alltagsszenen und bekannte Persönlichkeiten abgebildet. Nicht nur die Mitglieder der Café-Sport Familie, auch viele berühmte Segler haben es auf die Zähne geschafft. Mir gefallen die klassischen Abbildungen von Großseglern jedoch am besten. Der Nachschub an Walzähnen dürfte sehr begrenzt sein, irgendwann werden alle alten Zähne eine Gravur erhalten haben. Der Handel mit Pottwalzähnen ist in der EU zum Glück inzwischen verboten.








