Der, die und das Festi-Wal

Die Tage in Horta vergehen schnell. Uns gefällt es hier, aber es wäre natürlich schöner, wenn wir mit Absicht bleiben würden und nicht, weil wir nicht abfahren können. Inzwischen wurden immerhin Ersatzteile für unser Getriebe bestellt.
Übers Fronleichnam-Wochenende findet ein Festival (oder Festi-Wal?) mit Konzerten, Kleinkunst und ein paar Essensständen statt. Uns gefällt die entspannte Stimmung. Kinder können in einer Badewanne schaukeln oder das Karussell aus Bambusstangen testen. Es wird getanzt, getrommelt und Seifenblasen fliegen über den Hafen. Jeden Tag kennen wir mehr Leute im Hafen und so treffen wir auch auf dem Fest lauter alte und neue Bekannte.


Im Hafen ist ein Anbieter für Whale-Watching neben dem anderen. Manchmal hören wir uns nachmittags die Nachbesprechung an und sind beeindruckt. Wir wollen auch Wale gucken. Bei schönstem Wetter geht’s mit einem äußerst flotten Schlauchboot aufs Wasser. Nördlich von Faial sollen die Wale heute sein. Und tatsächlich, schon bald sehen wir den ersten Pottwal. Ein Wissenschaftler füttert uns mit Informationen und hat auch ein Hydrophon dabei, so dass wir die Klick-Laute der Pottwale hören können. Das viele Klicken verrät, dass mehrere Tiere unter uns tauchen. Tatsächlich tauchen immer wieder Wale auf, die wir dann einige Zeit beobachten können, bevor sie, mit dem beeindruckenden Heben der Fluke, wieder abtauchen. Sie tauchen einen Kilometer tief, jagen Tintenfische und kommen erst nach einer Dreiviertelstunde wieder an die Oberfläche. Auf dem Rückweg machen wir noch einen kleinen Umweg, um eine Gruppe von 40 bis 50 Großen Tümmlern zu besuchen. Die Delfine springen, kommen neugierig näher, sind dann aber doch sehr mit sich beschäftigt. Unterwegs sammeln wir einen toten Vogel und ein angebissenen Trompetenfisch ein. Beide sind für die Forschung interessant, mittels DNA- Untersuchung kann man feststellen von wo die Tiere hier eingewandert sind. Der Ausflug hat sich gelohnt, wir hätten nicht gedacht, dass wir so viele Wale aus der Nähe sehen!

Ein wenig spontan haben wir unseren Wassermacher an einen Segler im Mittelmeer verkauft. Merkwürdig fühlt es sich schon an, der schrittweise Abschied vom Blauwasserleben. Der Ausbau der Komponenten des Wassermachers gestaltet sich ein wenig aufwendiger als gedacht. Dinge einzubauen macht auf jeden Fall mehr Spaß als Ausbauen. Wir sammeln möglichst stabile Kartons, bauen Abstandhalter und Schutzpolster. Im Supermarkt kaufen wir eine große Plastikkiste, weil wir befürchten, dass ein normaler Karton dem Gewicht der Hochdruckpumpe nicht gewachsen ist. Bis alles verpackt ist, schieben wir ein bisschen hin und her, packen zur Probe und wiegen. Am Ende sind die Pakete trotzdem erschreckend schwer. Wir haben unterschätzt wie schwer das Verpackungsmaterial ist, unsere Pakete wiegen 30 kg und 20 kg. Mit zwei Sackkarren bringen wir sie zur Post. Natürlich regnet es. Eine Plane und eine Plastiktischdecke, die sonst als Lackierunterlage dient, schützen die wertvolle Fracht. Bei der Post ist es gar nicht so voll, trotzdem warten wir über eine Stunde. Der Mitarbeiter ist ausgesprochen nett und hilfsbereit. Zufällig waren wir gerade beim Geldautomaten, dort können wir gleich wieder vorbeischauen, wir müssen bar zahlen! Nun hoffen wir, dass die Pakete heil ihr Ziel erreichen und die neuen Besitzer viel Freude am Wassermacher haben.

Ein kleiner Morgenspaziergang wird spontan verlängert und führt uns auf den Monte Guia. Von hier hat man einen schönen Ausblick auf Horta, auf Porto Pim, den Stadtstrand, und auf die Caldeira do Inferno. Der Weg ist schön, wir sehen und hören viele Vögel und sind beindruckt vom glasklaren Wasser tief unter uns.

Unsere Nachbarn sind aufgebrochen. Nun liegen wir nicht mehr im Päckchen, sondern direkt an der Mauer. Dank Fender-Brett und langen Leinen liegen wir nun wunderbar ruhig. Das Ganze hat allerdings einen kleinen Haken, die Pier ist ein bisschen zu hoch für uns. Bei Niedrigwasser kommen wir kaum an Land. Als die Pier trocken war ging es noch, jetzt regnet es und man möchte sich noch weniger gerne auf den Boden setzen oder knien.
Also haben wir im Hafenbüro nach einem anderen Platz gefragt. Jeden Tag bekommen wir eine andere Info. „Wir können euch an diesen Platz legen, kommt morgen vorbei, dann schleppen wir euch dorthin“. Am nächsten Tag liegt da ein anderes Boot. Ups. Man hat uns vergessen. „Ich kann euch diesen Platz geben, heute ist Feiertag, meldet euch morgen früh“. Leider schüttelt der Kollege am nächsten Morgen den Kopf, der Platz ist anderweitig verplant. Aber er hat eine Idee: „Die fahren morgen weg, dann schleppen wir euch hier hin. Das ist nicht optimal, aber ihr habt Strom, Wasser und kommt besser an Land“. Am nächsten Morgen sprechen wir mit dem Kollegen. „Marisol! Ja, ich weiß, ihr bekommt den Platz. Ich rufe euch an!“ Nur fährt das andere Schiff dann irgendwie doch nicht ab. Inzwischen haben wir viele Kilometer zwischen Boot und Büro zurückgelegt und kennen alle Mitarbeiter. Einen Tag später als gedacht ist der Platz frei und wir könnten umziehen, oder? Beim morgendlichen Gang zum Hafenbüro lernen wir, gerade jetzt kann uns niemand schleppen, wir sollen warten. Am Nachmittag fragen wir nach und erfahren, heute geht’s nicht mehr, aber morgen früh um neun ganz bestimmt.
Heute Morgen sind wir tatsächlich umgezogen. Nun haben wir Strom und Wasser, das Klettern an Bord fällt weniger sportlich aus und wir können unseren Tagesablauf wieder frei planen und gestalten.