Walhaie, Napoleon und Inselleben

120 km2 ist St. Helena klein, größer als Sylt aber kleiner als Fehmarn, und hat 4500 Einwohner, Tendenz abnehmend. Viele Saints gehen zum Arbeiten nach Ascension, Tristan da Cunha oder nach Großbritannien.
Uns gefällt das Inselleben. Im Radio erfahren wir nicht nur welche Straßen erneuert werden, sondern auch wer ein Auto verkauft und welche Veranstaltungen am Wochenende anstehen. Auch der Musikgeschmack der Saints ist uns sehr sympathisch, rockige Oldies und Country-Songs wechseln sich ab. Nobbi liest „The St. Helena Independent” und erfährt, dass Küken geliefert wurden, Lehrer dringend gesucht werden und die Stadtpier umgestaltet werden soll.
Das Versorgungsschiff ist letzte Woche gekommen. Nun werden die Container nach und nach entladen. Alle Waren müssen durch den Zoll. Viele Bewohner warten auf kleine Pakete oder auf große Lieferungen. In einigen Containern steckt unter vielen Kartons ein Auto und es gibt wieder Bier auf der Insel. Für uns ist es interessanter, dass das Gemüse ausgeladen wurde. Die Möhren, die wir morgens auf der Pier sehen, landen nachmittags bei uns an Bord – mit einem kleinen Umweg über den Laden. Einkaufen ist eine komplexe, aber auch unterhaltsame Angelegenheit. Einen Einkaufszettel braucht man nicht, man kauft was es gibt. Einmal erstehen wir das letzte Bund Pak Choi, am darauffolgenden Tag finden wir einige Gurken und freuen uns sehr als wir 24 Eier kaufen können.

Uns bringt ein Taxiboot an Land. Wir fahren also nicht mit dem eigenen Dinghi, sondern rufen das Taxi über Funk. Normalerweise zur vollen Stunde, manche Taxiboot-Kapitäne sehen das nicht so eng und transportieren einen jeder Zeit. Das Return-Ticket kostet 2,50 £ pro Person. Das Übersteigen aufs Boot ist oft recht sportlich. Auch der Weg vom Taxiboot auf die Pier ist manchmal spektakulär. Über der Pier hängen dicke Tampen, an denen man sich nicht nur hervorragend ins Hafenbecken schwingen kann, sondern die einem auch helfen auf die Pier zu gelangen.

Mari rollt im Schwell.
Das Taxiboot kommt an.
Die Taue helfen beim Übersteigen.
Die kleine Mari vor den großen Felsen.

Am Mittwoch, unserem zweiten Tag auf St. Helena, ist abends „Fish Fry“. Wir sitzen im Sonnenuntergang, tauschen uns mit anderen Seglern aus, treffen Taucher und Einheimische und essen Thunfisch, Muräne und Pommes. Zur Feier des Tages gibt es ein Taxiboot um halb zehn, die Segler sind also ausnahmsweise nicht ab 19 Uhr an Bord.

„Fish Fry“ auf der Pier vorm Yacht Club.
In der Abendsonne.
Beim Segler-Schnack.
Sonnenuntergang.

Von Januar bis März sind häufig Walhaie in den Gewässern um St. Helena unterwegs. Wir melden uns für einen Ausflug an. Zusammen mit den Crews von zwei anderen Booten und einem netten Paar aus Berlin, fahren wir mit einem Motorboot raus. Die ersten Walhaie, die wir sehen, sind nicht an Kontakt interessiert. Der Seegang ist hoch und es ist nicht besonders gemütlich an Bord. Die Suche bleibt zunächst erfolglos, wir finden keine weiteren Tiere. Doch als wir auf dem Rückweg sind und unser Guide beschlossen hat, dass wir uns im Süden der Insel auf die Suche machen, ist er (oder sie ?) plötzlich da. Wir springen ins Wasser und schwimmen mit dem riesigen Tier. Er schwimmt immer wieder um uns herum. Es ist ausgesprochen imposant, wenn ein Tier in der Größe eines Busses auf einen zukommt. Das Wasser ist glasklar und die Sicht fantastisch. Ganz beseelt klettern wir zurück an Bord.

Warten auf den Walhai.
Die karge Küste.
Die tollen Bilder vom Walhai hat Bodil gemacht und sie mit uns geteilt.

Es wird Zeit St. Helenas berühmtestem Bewohner einen Besuch abzustatten. Oder zumindest dem Haus in dem er lebte und seinem (leeren) Grab. Von 1815 bis 1821 war Napoleon Bonaparte auf St. Helena in der Verbannung. Weil das Haus, in dem er untergebracht werden sollte, noch nicht fertig gestellt war als er auf der Insel ankam, lebte er zunächst für zwei Monate in Briars Pavillon. Das kleine Haus kann man freitags zwischen zehn und elf besichtigen. Zusammen mit Freunden haben wir ein Taxi gemietet, das uns dort hinbringt. Anschließend fahren wir zum Longwood House. Hier lebte Napoleon mit seiner Gefolgschaft, bzw. denen die nicht das Weite suchten, bis zu seinem Tod. Genau wie Napoleon gefällt Nobbi das erste Haus besser. Napoleons Aufenthalt auf der kleinen Insel brachte große Veränderungen für die Einwohner. Plötzlich gab es viel mehr Bewohner, Ausgangssperren und viele Verbote.
Der Taxifahrer bringt uns nicht wie vereinbart zu Napoleons Grab, sondern zurück nach Jamestown. Wir sind böse, aber Diskussionen helfen nicht. Das Grab wollen wir trotzdem sehen. Wir fragen uns durch und finden einen Bus, der uns wieder auf den Berg bringt. Die Busfahrt macht Spaß und der Fußweg zum Grab im Sane Valley ist schön. Der Leichnam des ehemaligen Kaisers oder das was davon übrig ist, liegt jedoch nicht mehr hier. 1840 wurde er umgebettet und im Invaliden-Dom bestattet. Die nächste Station unserer Napoleon-Tour liegt also in Paris, muss aber noch etwas warten. Der Ausflug hat uns gefallen. Auch, weil wir so Gelegenheit hatten etwas vom grünen Inselinneren zusehen.
Den Abend lassen wir mit einem Glas Rotwein ausklingen. Gewissermaßen mit Napoleons Rotwein. In Kapstadt haben wir einen Rotwein von Groot Constantia gekauft, dem Weingut, dessen Wein auch für den Kaiser der Franzosen nach St. Helena geliefert wurde. Auf die Idee hat uns unser Guide bei der Stadtführung in Kapstadt gebracht.

Briar Pavillion, die vorübergehende Unterkunft.
Unterwegs mit Manuela.
Longwood House.
Napoleon hat gerade abgelegt
Hier soll er täglich gebadet haben.
Der Garten von Longwood House.
Ein schöner Fußweg führt zum Grab.
Napoleons vorletzte Ruhestätte.
Blick ins Tal
Die Inselmitte ist sehr grün.

Zwischendurch spazieren wir durch das hübsche Jamestown (fast alle Häuser stehen unter Denkmalschutz), sehen uns das kleine Museum an und schnorcheln entlang der Felsen an der Pier. Der Fischreichtum und die Vielfalt sind beeindruckend. Im Kombination mit dem klaren tiefblauen Wasser ein außerordentlich schöner Schnorchelplatz. Am Ankerplatz suchen sehr große Fische unter Mari Schutz, wir sehen einen Manta, Schildkröten und einen Walhai.

St. Helenas raue Küste.
Hier ist das Museum untergebracht. Die Kanone darf nicht fehlen.
Das kleine Museum ist liebevoll gestaltet.

Wir sind ein wenig im Langfahrer-Stress. Auf dem Weg hierher haben wir nur wenig Diesel verbraucht, füllen aber trotzdem einen Kanister. Ein Freund lässt seine Gasflasche füllen, wir beschließen uns anzuschließen. Leider rennen wir dann zwei Tage unserer Flasche hinterher. Mehrfach müssen wir zur Tankstelle laufen und darum bitten den Gasmann anzurufen. Bald kennt man uns dort schon. Schließlich kommt unsere Flasche gefüllt zurück. Die Wäsche von der Überfahrt liegt gewaschen und duftend im Schrank. Nobbi hat die Stopfbuchse nachgezogen und zwei neue USB-Steckdosen eingebaut, nachdem eine unterwegs die Arbeit eingestellt hatte.

Morgen (Sonntag) soll es weiter gehen. Zwar hätten wir Lust St. Helena noch weiter zu erkunden, doch die Zeit für den Weg nach Norden ist gekommen. Außerdem ist es am Ankerplatz doch recht rollig. Die ersten beiden Nächte bin ich nachts in die Seekoje umgezogen und habe mich mit Kissen so eingekeilt, dass ich nicht zur Seite rollen kann, weil ich sonst nicht schlafen konnte. Anfang der Woche soll der Schwell wieder deutlich zunehmen, ein guter Anlass weiterzusegeln. Nobbi springt ins Wasser, um den Log-Impeller gängig zumachen und das Unterwasserschiff zu putzen und bekommt dabei Besuch! Ein Walhai beäugt ihn neugierig. Ich rufe die Nachbarn, die ins Dinghi springen und werfe mich in meinen Badeanzug und lasse mich ins Wasser fallen. Wir schnorcheln mit dem großen Tier, das fünf Kreise um Mari zieht, bevor er verschwindet. Ein wunderschöner Abschied von Saint Helena!
Ascension liegt 700 Meilen nordwestlich von St. Helena und wir rechnen mit sechs Segeltagen dahin,

Unter den Beiträgen von der Überfahrt nach St. Helena sind nun auch Fotos.

Walhai vorm Bug,
Walhai längsseits.