Die Lagune leuchtet in allem Blautönen von eisblau über türkis bis dunkelblau. Das Wasser ist so klar, dass man nicht nur Haie und Doktorfische sieht sondern auch jeden Seegrashalm und jede Seegurke. Der weiße Strand ist aus ganz feinem Sand, die Palmen rascheln im Wind. Wir werden nicht müde an Deck zu stehen und uns an den Wasserfarben zu freuen. Es ist unmöglich inmitten dieser Türkisität schlechte Laune zu haben.
Cocos Keeling, die Keelinginseln oder Kokosinseln, sind eine kleine zu Australien gehörende Inselgruppe, die aus zwei Atollen besteht. Nord-Keeling ist heute Naturschutzgebiet und darf nicht betreten werden. Wir ankern im südlichen Atoll, auf dessen Ring 24 Inseln liegen. Der Ankerplatz an dem Yachten stoppen dürfen, liegt vor Direction Island. Diese Insel ist unbewohnt, nur auf Home Island und auf West Island leben Menschen.
Knapp 600 Menschen nennen diesen abgelegenen Ort Heimat. Auf Home Island wohnen die Cocos-Malaien. Die Gemeinde umfasst etwas mehr als 400 Menschen moslemischen Glaubens. Die meisten nicht moslemischen Bewohner leben auf West Island. Die australisch-moslemische Gemeinde verdankt Cocos seiner ungewöhnlichen Geschichte.
Die Atolle wurden vermutlich 1609 von William Keeling, der Kapitän bei der Britischen Ostindien-Kompagnie war, entdeckt. James Horsburgh kartographierte die Inseln, nach ihm ist heute eine der Inseln benannt. Auf den Inseln strandeten einige Schiffe, deren Besatzungen sich daraufhin für einige Zeit hier aufhielten.
Nun wird die Geschichte gelinde gesagt skurril. 1826 wurde Alexander Hare von den Niederländern hier hergeschickt. Er war vorher Commissioner in Borneo gewesen. Er brachte seine malaiischen Leibeigenen und seinen 40-köpfigen Harem mit. Er, also vermutlich eher seine Arbeiter, legte Kokosplantagen auf drei der Inseln an. Nach Konflikten mit seinem Verwalter John Clunies-Ross verließ er die Insel. Dieser übernahm die autoritäre Herrschaft, führt eigene Gesetze und eine eigene Währung ein. Zwischenzeitlich müssen furchtbare Zustände geherrscht haben. Er und nachfolgend seine Söhne herrschten bis die australische Regierung 1968 auf die feudalen Zustände aufmerksam wurde und die UN schließlich einen Bericht forderte. Um den unhaltbaren Zustand zu beenden kaufte Australien der Familie Clunies-Ross die Inseln ab. Seitdem wird auf Kokos Keeling demokratisch gewählt, es gilt der australische Dollar und Australien kümmert sich um die Infrastruktur, wie Krankenversorgung und Schule.
1900 wurde ein Unterseekabel von West-Australien nach Cocos verlegt und weiter nach Rodrigues (bei Mauritius) und später nach Singapore. So wurden Australien und Europa verbunden. Bald kam ein Turm für die Funkverbindung mit Schiffen hinzu. Seit 1901 gab es auf Direction Island eine Station der britischen Telegrafie Firma. Auf Direction Island gab es Wohnhäuser, Büros und Freizeiteinrichtungen. Auf Grund der Strategischen Bedeutung spielte Cocos in beiden Weltkriegen eine kleine Rolle. 1914 tauchte das deutsche Kriegschiff Emden hier auf, mit dem Auftrag das Unterseekabel und die Funkverbindung zu zerstören. Das gelang teilweise, bevor die Emden wiederum von der Sydney so schwer beschädigt wurde, dass sie aufgegeben werden musste. Die Geschichte, wie die Besatzung der Emden mit einem schwer beschädigten Schoner nach Sumatra segelte und es von dort via Jemen zurück nach Deutschland schaffte, ist mehr als wild.
Auch im zweiten Weltkrieg wurde Cocos nicht verschont. 1944 fielen zwei japanische Bomben auf das Atoll und einige Menschen wurden getötet. 1945 waren hier für einige Wochen mehr als 8000 Soldaten stationiert.
Die Geschichte dieses kleinen Atolls kann man auf einem kleinen Wanderweg über Direction Island erkunden. Der Weg ist nur gute drei Kilometer lang, da alle paar hundert Meter ein Schild steht, das gelesen werden möchte, waren wir über zwei Stunden unterwegs.
Die Tage vergehen schnell. Rumgetüddel im Boots-Haushalt, baden, ein Inselspaziergang, Schnorcheln, Treffen mit anderen Seglern zum Sundowner an Land. Waren wir bei Ankunft das einzige Boot, herrscht nun ein stetes Kommen und Gehen. Wir freuen uns nette Segler kennenzulernen, viele werden wir wieder treffen, haben wir doch alle das gleiche Ziel.
Zwei sehr nette Australier laden uns zu einem Ausflug ein. Nur einmal in der Woche gibt es die Möglichkeit mit der Fähre nach Home Island zu fahren, dann kann man jedoch nicht weiter nach West Island fahren, weil man sonst die Fähre, die einen zurück nach Direction Island bringt verpasst. Mit dem großen Dinghi fahren wir nach Home Island und nehmen von dort die Fähre nach West Island. So haben wir die Möglichkeit beide bewohnte Inseln zu sehen.
Auf Home Island bekommen wir Australische Dollar am Geldautomaten und kaufen in dem kleinen Supermarkt ein. Natürlich sind die Inselpreise sehr hoch, aber wir freuen uns über frische Eier! Im Shire Office bezahlen wir die Ankergebühr für den Liegeplatz. Dann sehen wir uns etwas im kleinen Ort um und trinken Kaffee.
Eine moderne Fähre bringt uns auf die andere Seite der Lagune nach West Island, ein Bus fährt in den Ort. Wie nicht anders zu erwarten ist es hier sehr ruhig. Wir sehen uns bei der Tourismus Information um und besuchen die Polizei. Hier bekommen wir unsere Clearance, so dass wir nächste Woche weiter segeln können.
Zwar gibt es auf West Island einige Gästehäuser, ein Café, eine Bar, eine Galerie und zwei Restaurants, jedoch sind die Öffnungszeiten sehr übersichtlich. Die Galerie hat schon wieder geschlossen, ist zu Fuß nicht erreichbar und der Fahrradverleih hat nicht geöffnet. Mittagessen im Restaurant gibt es zwischen 11:30 und 13:00. Das Café, das andere Restaurant und die Bar sind zu. Nach dem Essen laufen wir die 4 km zurück Richtung Fähre und machen ab und zu eine Pause am Wasser.
Hier sehen wir einige Palmendiebe, die riesigen Krebse, die Kokosnüsse knacken. Die großen Exemplare laufen über den Weg, wollen dann aber nicht aus ihren Löchern kommen, die kleineren zeigen sich bereitwillig. Auf Direction Island haben wir diese besonderen Krebse bisher nicht gesehen, bekannt sind sie vor allem von Christmas Island.
Mit der Fähre geht’s wieder nach Home Island und mit dem Dinghy zurück zum Ankerplatz. In unserem kleinen Schlauchboot mit 3PS Motor wäre das eine sehr lange, mühsame und nasse Fahrt geworden. Wir danken Pete und Angus sehr für die Gelegenheit beide Inseln zu sehen und für die nette Gesellschaft.



















