Nach dem wir tagelang nur ganz wenig Wind haben, weht es uns die letzten zwei Stunden genau auf die Nase und Mari wird doch noch ordentlich salzig an Deck.
Wir melden uns bei der Marina und verstehen über Funk mal wieder sehr wenig. Als wir im Hafen ankommen, gibt es aber sehr genaue Anweisungen, inklusive der Seite und der Höhe, in der die Fender angebracht werden sollen, und drei Leute nehmen unsere Leinen an.
Die Ao Po Marina ist eine recht schicke Marina, in der wir ungefähr das kleinste Boot sind. Sie ist Basis verschiedener Yacht-Charter-Unternehmen, Ausflugsboote und kleine Fähren legen hier ab und liegen hier nachts. Die Hauptsaison der Segler ist vorbei, doch einige Nachzügler, wie wir, sind noch hier und einige Crews, die hier darauf warten, dass ihre Yacht verladen und nach Europa verschifft wird, warten auf die Ankunft ihres Frachters.
Mit der Dusche (ich hatte die Idee mit der Haarspülung noch nicht aufgegeben) war es auch hier nicht einfach. Die Duschen sind im Fitness-Center, das von acht bis achtzehn Uhr geöffnet hat. Die ersten beiden Tage sind wir in dieser Zeit unterwegs, inzwischen hatte ich aber Erfolg und habe ausgiebig geduscht. Hier gibt es einen sehr schönen Pool, den wir konsequent morgens und abends aufsuchen (und eine Außendusche), so dass man sich auch erfrischen kann, wenn der Fitnessraum geschlossen hat.
Der Grund weshalb wir nach Thailand gesegelt, oder besser: gefahren sind, ist tatsächlich, dass wir hier ein neues Schlauchboot kaufen wollen. Unsere MariChen hatte im Alter von 23 Jahren in Indonesien das Zeitliche gesegnet, wir haben zwar auch noch das Bananaboot Donkey, was wir noch immer gerne nutzen, möchten aber nicht auf ein Schlauchboot verzichten. Ursprünglich wollten wir uns ein Schlauchboot nach Malaysia schicken lassen, mussten dann aber feststellen, dass das schwierig bis unmöglich ist (Pakete sind kein Problem, aber Speditionsware macht Ärger). In Langkawi oder auch in anderen Orten in Malaysia hätten wir ein Schlauchboot bekommen, aber alle Modelle waren entweder zu groß, hatten einen festen Boden oder waren zu schwer. In Phuket gibt es das Boot, was wir gerne hätten, aber die Kosten es nach Langkawi zu schicken sind so hoch, dass wir uns entschieden haben hierher zu segeln und es selbst abzuholen. Eigentlich klingt es sehr verlockend nach Thailand zu segeln, nach gutem Essen, schönen Stränden und klarem Wasser, leider drängt die herannahende SW-Monsun Saison uns nach Süden zu segeln und so sind wir etwas unter Zeitdruck.
Am Samstag (4. Mai) stellen wir nach dem Anmelden in der Marina fest, dass es schon zu spät ist um bei den Behörden einzuklarieren. Wir kontaktieren die Firma, bei der wir das Schlauchboot kaufen wollen, bestellen uns ein Grab und fahren in den Süden Phukets. Der Laden hat das Boot extra für uns aufgepustet. Es ist so wie wir uns vorgestellt haben. Das Boot wird liebevoll wieder eingepackt und wir nehmen es gleich mit ins Taxi. So haben wir das Pflichtprogramm bereits erledigt, bevor wir richtig angekommen sind. Der Verkehr am Samstagnachmittag in Phuket ist enorm. Wir saßen insgesamt 2,5 Stunden im Taxi. Das hat uns allerdings nach den warmen Tagen nicht gestört, endlich konnten wir Dank Aircon mal in Ruhe runterkühlen und unterwegs das gute mobile Internet genießen. Heute ist Nobbis Geburtstag und so wird das Schlauchboot kurzerhand als Geburtstagsgeschenk deklariert. Zur Feier des Tages gibt es einen Drink an der Bar, mit dem wir auf den Geburtstag und die glückliche Ankunft anstoßen.
Sonntag machen wir uns auf den Weg zum Einklarieren. Das ist nicht sehr schlau. Am Wochenende ist es teurer. Normalerweise hätten wir bis Montag gewartet, aber Montag ein Feiertag da macht das keinen Unterschied. Bis Dienstag warten erscheint uns sehr dreist, wir wollen die Gastfreundschaft nicht überstrapazieren.
Mit dem Taxi geht’s wieder nach Ao Chalong in den Süden. Alle Behörden sitzen dort zusammen auf der Pier. Sehr komfortabel.
Wir haben uns im Computersystem registriert und müssen nun nur eingeben, dass wir Einchecken wollen, eine junge Frau hilft uns dabei. Weiter geht’s zum Hafenmeister. Der ist leider nicht da, wird aber angerufen. Wir dürfen erstmal zur Immigration gehen und bekommen dort unseren Stempel in den Pass. Vier Wochen dürfen wir bleiben. Der Hafenmeister ist immer noch nicht da, die Dame vom Zoll nimmt sich unserer an, füllt alle Papiere aus und erklärt, dass wir noch einmal wiederkommen müssen, wenn wir beim Hafenmeister waren. Der ist noch immer nicht da. Wir warten und warten. Schließlich taucht die Zollbeamtin auf, stellt fest, dass wir noch warten und beginnt zu telefonieren. Kurz darauf erscheint ein verknitterter Mitarbeiter des Hafenbüros, er entschuldigt sich und bearbeitet unsere Papiere.
Durch die Warterei hat es etwas gedauert, war aber unkompliziert, da alle Büros nebeneinander liegen. Dass wir einen Sonntagszuschlag zahlen, stört uns nicht, schließlich hätten wir uns informieren können und dann gewusst, dass Montag ein Feiertag ist. Die Zahlung an den Hafenmeister, für die es keine Quittung gibt, stört uns etwas mehr.
Wir sehen uns in der Umgebung der Pier etwas um und besuchen die Apotheke. Thailand ist eine praktische Destination um die Bordapotheke aufzufüllen, denn viele Medikamente, die bei uns verschreibungspflichtig sind, gibt es hier problemlos zu kaufen. Wir haben die meisten Medikamente aus Deutschland mitgebracht, unseren verständnisvollen Ärzten sei Dank, nutzen aber die günstige Gelegenheit hier vor Ort um die Apotheke aufzustocken.
Mit dem Taxi fahren wir in die Altstadt Phukets (die größte Stadt heißt genau wie die Insel und die Provinz). Aus dem Auto sehen wir ein besonders nettes Restaurant, bitten unseren Fahrer zu halten und gönnen uns erst mal ein leckeres Mittagessen. Wir sind die ersten Gäste. Als die Wirtin feststellt, dass wir nicht nur das pittoreske Interieur des hübschen Restaurants fotografieren wollen (die instagrammenden Selfie-Maniacs sind ein Problem) sondern tatsächlich essen wollen, taut sie auf. Sie erklärt uns, dass das Essen auf Phuket traditionell süßer und nicht scharf sei (im thailändischen Maßstab), sie kämen aus dem Norden und würden nach den Rezepten von dort kochen, oder Französisch, falls wir das möchten? Wir bekommen ein fantastisches, „medium spicy“ also sehr scharfes, wunderbares Essen und sind rundum zufrieden. Während sich das kleine Restaurants langsam füllt, kommen tatsächlich immer wieder junge Frauen rein, posieren, fotografieren und verschwinden wortlos wieder. Höchst merkwürdig.
Wir spazieren durch die Altstadt und sehen uns hübsche und weniger hübsche Häuser an. Überall wird wild fotografiert, hauptsächlich sich selbst. Ein Teil der Stadt ist für den Sunday Night Market abgesperrt, der gerade aufgebaut wird und so lässt es sich hier stressfrei bummeln.
Wir kaufen natürlich ein Souvenir (eins für Mari, eins für Zuhause) gucken Sachen an, die wir nicht brauchen und bestaunen die vielen Cannabis-Shops (das ist hier noch legal). Natürlich gibt es Schreine und Tempel zu bestaunen, Götter (?) auf Straßenlaternen und noch mehr Touristen (uns eingeschlossen). Irgendwann wird es uns zu heiß. Wir legen noch einen Stopp im Supermarkt ein, in dem leider auch hunderte gelangweilte Kinder rumrennen und lassen uns nach Hause fahren.
Im Restaurant am Hafen ist das Essen auch lecker, bei uns bleibt vorerst die Küche kalt.
Bevor wir weiterziehen brauchen wir einen Boots-Tag. Aufräumen, Wäsche waschen, ein bisschen Bürokram und erstmal richtig ankommen.

















