//WL2K Atlantik – Tag 12

Kraah! Was? Ich habe gerade meine Nachtwache angetreten und bin noch ziemlich verschlafen, aber ich habe wirklich was gehoert. Ab und zu gucken ein paar Federn unter dem Bimini hervor. Anscheinend haben wir Vogelbesuch. Ich stelle mich auf die Cockpitbank und richte mich ganz langsam auf, schliesslich will ich unseren Besucher nicht verjagen. Auf dem Bimini sitzt ein 25 cm grosser schwarzer Vogel mit weissen Schwanzfedern und guckt mich an. Er bleibt zwei Stunden und verabschiedet sich dann mit einem Kraah-Kraah in die Nacht. Gestern Nachmittag hatten wir Besuch von einem Seeadler, der versucht hat auf der Saling zu landen, aber mit dem Achterstag kollidiert ist und heute begleitet uns ein junger Toelpel.
Wir sind sehr langsam unterwegs. Unser letztes Etmal, die Strecke die wir in 24 Stunden zwischen Mittag und Mittag zurueckgelegt haben,betraegt nur 83 Meilen. Das Duempeln in der Flaute vor einigen Tagen und die Segelversuche mit dem leichten Wind haben uns weit nach Westen versetzt. Der Wind kommt aus nun Suedost, statt wie erhofft aus Ost. Fuer uns bedeutet das ungemuetliches am Wind segeln. Trotzdem koennen wir unser Ziel nicht anliegen. Wir muessen kreuzen. Der frische Wind hat eine ordentliche Welle aufgebaut, so dass wir nun Wellenberge von zwei bis drei Metern Hoehe erklimmen muessen. Immer wieder stoppen die hohen Wellen das Schiff auf. Die Wellen knallen gegen den Rumpf und schicken Wasser uebers Deck. Doch unsere Mari macht ihre Sache gut, die Windsteueranlage steuert und wir ueben uns in Geduld, Wie schoen waere es nun abzufallen und vor dem Wind dahin zu rauschen, doch dann kommen wir nicht nach Brasilien.
Die taegliche Dusche an Deck verbessert das Wohlbefinden und Pflaumenkompott zum Nachtisch die Laune. Besondere Situationen erfordern besondere Massnahmen, ich habe die staerkeren Lakritz aus den gut versteckten Vorraeten befreit und esse nachts nun Teufelsfinger. Wir hoffen, dass wir morgen den Aequator ueberqueren koennen.