//WL2K Atlantik – Tag 9

Atlantik ? Tag 9

Wir haben ein Tief. Es sitzt mitten auf uns und macht auch keine Anstalten sich zu bewegen. Die Druckunterschiede sind so gering wie die Wolken riesig. Wir haben wenig bis gar keinen Wind. Mal segeln wir, mal duempeln wir. Gestern hatten wir drei grosse Schauer, die sehr viel Wind im Gepaeck hatten, in Boen 7 bis 8. Das ist insbesondere im Dunkeln unangenehm, weil man sie dann nicht kommen sieht. Heute Nacht haben sich auch einige Schauer angeschlichen, hatten aber nur Regen zu bieten, keine Boen. Der Wechsel aus kein Wind, schlagenden Segeln und minimaler Geschwindigkeit und den Schauerboen zehrt an den Nerven. Wir kommen zu dem Schluss, dass nur so viele Segler ueber den Atlantik segeln, weil man zwischendrin nicht mehr aussteigen kann. Allerdings kann man meistens mit mehr Wind rechnen, wenn man nicht wie wir ueber den Aequator will. Jammern hilft ja nichts und in Wirklichkeit geht es uns gut. Ursel steuert zum Glueck auch bei sehr wenig Wind.Wir futtern uns durch den Tag. Das hilft immer. Heute zum Beispiel. Morgens erst mal Kaffee, dann eine Kanne Tee, zum Fruehstueck Schwarzbrot mit Leberwurst und Zwiebeln, Knaeckebrot mit Kaese, Tomaten, Marmeladenbrot und Joghurt.Jetzt gibt es gleich Schokokuchen mit Pfirsichstueckchen zum Tee, später Orangen. Zum Abendessen, das wir allerdings nachmittags essen gibt es heute Kartoffeln und rote Beete, zum Nachtisch Pflaumenkompott. Nachts stehen verschiedene Dosen in der Pantry bestueckt mit Kuchen, Studentenfutter, Kraeckern und, ganz wichtig, Lakritz.
Ausser einer Colaflasche, die gerade vorbei getrieben ist, haben wir schon seit einiger Zeit keine Zeichen menschlichen Lebens ausmachen koennen. Seit Tagen wuensche ich mir Delfinbesuch, bekommen habe ich springende Thunfische. Das ist ein bisschen, als wenn man sich einen Hund wuenscht und die Eltern einen Hamster kaufen. Springende Thunfische sind aber auch cool, Kurz haben wir ueberlegt, ob wir versuchen wollen einen zu angeln, uns dann aber dagegen entschieden. Ein gern gesehener Besuch sind Cory und Corinna, die beiden Gelbschnabel-Sturmtaucher kommen uns seit Tagen immer wieder besuchen. Da wir uns jetzt schon besser kennen, haben wir den beiden Namen gegeben. Im Englischen heissen sie Cory’s Shearwater, wir waren also nur maessig kreativ.
Der Wetterbericht ist ziemlich eindeutig, es wird die naechsten zwei bis drei Tage flau bleiben. Damit ist auch klar, dass wir die schnellen Boote des Volvo Ocean Race nicht sehen, die werden sicherlich alles tun um so ein windarmes Gebiet zu umfahren. Ohnehin ist ein Aufeinandertreffen hier draussen sehr unwahrscheinlich. Ganz schoen riesig so ein Ozean.